Günstige Oldtimer - Jaguar XJ 40 Snob sei Dank

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Jaguar XJ 40.

Wolfgang Herget

Von Haiko Prengel


Günstige Oldtimer
    Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

    Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Jaguar XJ 40

Bei Jaguar-Snobs verhasst, wurde er zum Verkaufsschlager: der XJ 40
Wolfgang Herget

Bei Jaguar-Snobs verhasst, wurde er zum Verkaufsschlager: der XJ 40

Allgemeines zum Modell: Diese Luxuslimousine kostete mal um die 100.000 Mark, heute gibt es sie aber schon für ein paar Mäuse beim Gebrauchtwagenhändler. Was ist da passiert?

Der XJ 40 war einfach ein No-Go. Jedenfalls für "echte" Jaguar-Fans. Als das Oberklassemodell 1986 auf den Markt kam, rümpften die Snobs sofort die Nase: Unter der Haube werkelte bloß ein 3,6 Liter großer Sechszylinder statt eines majestätischen Zwölfzylinders. Solch wuchtige Motoren passten in den Vorderwagen einfach nicht hinein. Der Hersteller behalf sich kurz darauf mit einer Vergrößerung des Hubraums auf vier Liter und sorgte damit immerhin für etwas mehr Durchzugsstärke.

Den Ärger der Stammkundschaft über die Optik des neuen Fahrzeugs konnte das allerdings nicht besänftigen: Mit seinem kantigen Design brach der XJ 40 mit der langen Tradition von Jaguars weichen Karosserieformen. Waren Rundscheinwerfer zuvor ein Erkennungsmerkmal der Marke, kam der Neue plötzlich mit Breitband-Scheinwerfern daher. Und auch die Außenspiegel: eckig.

Dazu kam eine in den Augen der Klientel billige Innenausstattung. Digitalanzeigen und restliche Armaturen waren statt in Leder und Walnussholz in Plastik eingefasst. So kam es, dass der neue Jaguar schnell den Ruf eines verarmten Aristokraten hatte. In feinen Kreisen verhöhnte man ihn als "Flying Brick", als fliegenden Ziegelstein.

Doch der Ziegelstein wurde für Jaguar zum Goldbarren.

Warum ausgerechnet der? Weil dieses anfangs verhöhnte Modell aus gutem Grund zum Verkaufsschlager wurde. Denn nach holprigem Start und einigen Kinderkrankheiten (die bis 1989 ausgemerzt wurden) zeigte der XJ 40 echte Qualitäten: Laufleistungen von 500.000 Kilometern und mehr sind bei der grundsoliden Technik des laufruhigen Reihensechszylindern keine Seltenheit.

Letztendlich lief der XJ 40 bis 1994 vom Band, mehr als 200.000 Exemplare wurden verkauft - für Jaguar damals ein Rekord. Die Limousine rettete den britischen Hersteller sogar vor dem Konkurs, als er wirtschaftlich schwer angeschlagen war.

Aus heutiger Sicht ist der XJ 40 also eine Luxuslimousine zum Spottpreis- und unter den klassischen Jaguar-Modellen die günstigste Mieze. Die Preise sind dabei eben nicht etwa deshalb im Keller, weil das Auto an sich schlecht ist (wie etwa beim Mercedes W210, der den Ruf hat, schon im Katalog gerostet zu haben), sondern nur, weil die Jaguar-Snobs den Wagen zu unschick fanden.

Kenner sprechen dagegen von einem Quantensprung, der Jaguar mit dem Modell gelungen sei. Sowohl bei der Technik als auch bei der Verarbeitungsqualität war der XJ 40 seinem Vorgänger, der XJ-Serie 3, weit überlegen.

Schon die etwas höherwertige Variante XJ 40 Sovereign bietet außerdem eine noble Ausstattung von der Klimaanlage über den Bordcomputer und Niveauregulierung bis zum Gestühl aus feinem Leder. Das Top-Modell gibt es zudem mit allerlei Luxuszierrat wie aufklappbaren Picknicktischen im Fond. Es firmierte wie bei Jaguar meist üblich unter dem Namen Daimler - die Verbindung zum deutschen Motorpionier geht zurück aufs Ende des 19. Jahrhunderts, als Gottlieb Daimler mit dem britischen Industriellen Frederick R. Simms in England das Daimler Motor Syndicate gründete, das 1960 wiederrum von Jaguar geschluckt wurde.

Blick ins Cockpit eines XJ 40 Sovereign
Wolfgang Herget

Blick ins Cockpit eines XJ 40 Sovereign

Verfügbarkeit: Wer sich vor einem Vierteljahrhundert einen neuen Jaguar XJ 40 leisten konnte, hatte in der Regel auch das nötige Kleingeld für regelmäßige Wartungen. Doch wenn die Autos bis in vierte oder fünfte Hand durchgereicht wurden, war das oft anders. Notwendige Reparaturen blieben dann auf der Strecke.

Die üble Folge: Viele XJ 40 wurden geschlachtet, weil sich mit einem Motor oder einer Vorderachse auf dem Teilemarkt mitunter schneller Geld machen lässt als mit der Restauration eines Fahrzeugs. Das hat den Bestand des einstigen Erfolgsmodells stark dezimiert.

Ersatzteilversorgung: Für die automobile Oberklasse sind die Ersatzteile von Jaguar erstaunlich preiswert, außerdem hat der Hersteller noch fast alles auf Lager. Das ist die gute Nachricht.

Die schlechte: Die Teile müssen nun mal auch eingebaut werden. Doch freie Werkstätten sind damit schnell überfordert, und wer mit größeren Reparaturaufträgen zur Jaguar-Fachwerkstatt geht, sollte einen dicken Geldbeutel dabei haben.

Wenn man also nicht gerade reich oder passionierter Schrauber ist, benötigt man ein gutes Netzwerk. Entsprechende Kontakte finden sich zum Beispiel auf Jaguar-forum.de oder Jaguar-association.de.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Satz Bremsscheiben vorn: ca. 120 Euro
  • Satz Bremsbeläge vorn: ca. 60 Euro
  • Kotflügel vorn: gebraucht ca. 60 Euro
  • Lichtmaschine: ca. 150 Euro

Schwachstellen: Auch das feine Jaguar-Völkchen muss sich mit Rost herumschlagen, der XJ 40 gammelt im Gegensatz zu anderen Klassikern aber vergleichsweise wenig. Lediglich die Heckklappe im Bereich der Kennzeichen-Beleuchtung ist anfällig, dazu kommen die hinteren Radläufe und der Bereich um den Tankdeckel.

Die Motoren sind sehr robust - vernünftige Wartung vorausgesetzt. Das bedeutet: gutes Öl benutzen und dieses regelmäßig wechseln.

Die Stoßdämpfer an der Hinterachse quittieren gerne ihren Dienst. Ersatzteile mit Niveauregulierung sind rar geworden, man kann aber einfach auf normale Stoßdämpfer umrüsten.

Preis: Für 1000 Euro kann man schon fahrbereite Jaguar XJ40 finden. Allerdings hat auch der TÜV-Prüfer noch ein Wörtchen mitzureden, und verlotterte Fahrzeuge neu aufzubauen kann den günstigen Einstiegspreis leicht vervielfachen. Gepflegtere Exemplare sind für 3000 Euro zu bekommen, Top-Fahrzeuge gibt es für etwa 6000 Euro.

Anlaufstellen im Internet:

jaguar-forum.de
jaguar-association.de

Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

insgesamt 92 Beiträge
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Seite 1
artifex-2 31.07.2016
1. Und
das Jaguar affine Aussehen hat der Wagen eben dann doch nicht ! Sowenig wie die NEUEN ! Gleicht eher einem Kühlschrank auf Rädern darum behalte ich meinen S-Type bis zum letzten Schnaufer ,egal ob dieser von mir oder dem S-Type getan wird !
Selbstzweck 31.07.2016
2.
Mit einem englischen Auto betritt man ein anderes automobiles Universum. Die beherrschbare Technik dürfte aber in den Vorgänger Modellen sein. Das selber schrauben ist aber bei den Empfehlungen hier eher Nebensache. Kommt immer drauf ab was du sehen willst wenn du die Haube öffnest, damit meine ich nicht nur die Anzahl der Zylinder. Beim Oldtimer steht immer der Wagen im Vordergrund
was-zum-teufel... 31.07.2016
3. Schöner Wagen.
Hat mir auch in meiner Jugend schon gut gefallen. Im Studium durfte ich 1996/97 bei Sixt in meinem Job dort oft den Nachfolger fahren. Mich störte nur immer der billige Einarmwischer, den ich auch an meinem 1986 Fiat Uno D hatte ;-).
Tiedemate 31.07.2016
4. Oberflächlich, mangelhaft recherchiert.
Die größte Schwachstelle sind nicht die Niveaustoßdämpfer, die man halbwegs bezahlbar gegen normale ohne Niveauregulierung tauschen kann, sondern das Differential, dass grad so 100.000km erreicht und dann sehr teuer überholt werden muss. Dazu kommt nervtötende Probleme mit der Innenraumelektronik, hauptsächlich Heizung/Klima. Die deutlich bessere, ausgereiftere und robustere Wahl ist der X300. Übrigens: der klassische Jaguarmotor hat 6 Zylinder (schonmal was vom XK6 gehört?), der V12 ist ein Exot. Und dass der dann im XJ81 kam wird auch unterschlagen...
Fangio 31.07.2016
5. Übrigens auch
als 6 Liter V12 erhältlich wenn man denn eine eigene Tankstelle hat. Im übrigen schöner Artikel dem weitgehend zuzustimmen ist. Empfehlenswert sind die Modelle nach 1992, da gabs nochmal umfangreiche Modellpflege, und das Mäusekino ist klassischen Instrumenten gewichen. Für mehr classic look sorgen die Modelle mit runden Doppelscheinwerfern (Sovereign und V12), sowie die optional erhältlichen Lattice 8x16 im Kreuzspeichendesign. Bei mir schnurrt so eine Katze seit 2004, natürlich in britisch racing green, was sonst? ;) Regelmässige Wartung vorausgesetzt, sind auch Zuverlässigkeit und vollständige Alltagstauglichkeit gegeben.
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