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James Deans Porsche 550 Spyder: Tod auf der Route 466

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James Deans Todesfahrt im Porsche Vom kleinen Bastard zum Giganten

Vor 60 Jahren standen in den USA fünf Exemplare des Porsche 550 Spyder zum Verkauf. Einen sicherte sich der junge Schauspieler James Dean. So begann die Geschichte, an deren Ende zwei Mythen geboren wurden.

Das typische US-Car in den Fünfzigerjahren war der Straßenkreuzer. Ein großer Wagen mit großem Motor, am besten V8 und bis zu sieben Liter Hubraum. "Kleine Autos mit kleinen Motoren galten damals in den USA als grotesk", sagt Paolo Tumminelli, Markenexperte und Designprofessor. Aber genau solche Autos baute der Sportwagenhersteller Porsche. Autos wie den 550 Spyder, mit Vierzylinder-Boxer und 1,5 Liter Hubraum. Wer so eine exotische Nussschale fuhr, galt in den Fifties als unangepasst.

Anfang September 1955 wurden in den USA fünf Exemplare des 550 Spyder angeboten. James Dean griff sofort zu.

Dean war zu dieser Zeit 24 Jahre alt und dank des Erfolgs des Dramas "Jenseits von Eden" ein Hollywoodstar. Der sensible und scheue Darsteller, der in seinen Filmen die Wut vieler Jugendlicher ausdrückte, liebte schnelle Autos. Vor seiner Karriere als Schauspieler träumte er davon, Grand-Prix-Pilot zu werden.

Dank der vielen Dollar, die ihm ein lukrativer Vertrag mit dem Filmstudio Warner Brothers einbrachte, konnte er sich seine Träume erfüllen. Schon vor dem Kauf des Spyders gehörte Dean zu den wenigen Porschefahrern in Amerika. Mit seinem 356er 1500 Super Speedster hatte er mehrere Rennen bestritten. Den Speedster gab er Anfang September 1955 in Zahlung, legte noch 3000 Dollar drauf - und wurde Besitzer eines 550 Spyders.

Unter dessen leichter Alu-Karosserie - die Typenbezeichnung 550 bezieht sich unter anderem auf das Gewicht des Wagens - verbarg sich ein Flachrahmen. Der 1,5-Liter-Vierzylinder mit zwei oben liegenden Nockenwellen leistete 110 PS. Mit dem Flitzer waren Geschwindigkeiten von bis zu 220 km/h möglich. 24.000 Mark kostete der Spyder damals. Doppelt so viel wie Porsches damaliges Standardmodell 356 und sechs Mal so viel wie ein VW Käfer.

"Mehr Rennwagen als Straßenauto"

Insgesamt wurden nur 82 Stück vom 550 Spyder gebaut, vom Nachfolger 550 A Spyder (1956-1957), der sich nur in Details unterscheidet, entstanden 40 Fahrzeuge. "Der 550 Spyder war sehr speziell. Mehr Rennwagen als Straßenauto", sagt Paolo Tumminelli.

Was das genau bedeutet? Bei einer Spritztour in der Gegend um Stuttgart im Spätsommer 2015 mit einem Spyder 550 A finden wir es heraus: Das Fünfganggetriebe des Oldtimers benötigt eine zarte Hand. Der erste Gang liegt oben links, sofort daneben der zweite Gang, der dritte befindet sich unten links. Wie bei einem Rennwagen üblich bleibt der Motor im unteren Drehzahlbereich träge. Erst ab rund 5000 Umdrehungen beißt der Vierzylinder zu, es knallt aus dem Auspuff und die Abwärme des Motors macht den Innenraum zur Sauna.

Fast ist man dankbar, dass der Fahrtwind über die schmale Frontscheibe beinahe ungehindert ins Auto strömt, aber ohne Schutzbrille verengen sich die Augen dabei unweigerlich zu Sehschlitzen. Ab 50 km/h ist keine Unterhaltung mehr möglich - zu laut ist der Lärm von Maschine und Wind.

Der Spyder wird zum "Little Bastard" - und zum Grab

Sechzig Jahre zurück, Los Angeles statt Leonberg. James Dean hatte gerade die Dreharbeiten zu "Giganten" hinter sich. Währenddessen durfte er keine Rennen fahren. Bevor er sich mit dem silberfarbenen Wagen mit dunkelblauen Heckstreifen in den Wettbewerb stürzte, spulte er auf Empfehlung seines Porsche-Rennmechanikers Rolf Wütherich einige Kilometer in den Hollywood Hills ab. Wütherich, 28 Jahre alt und selbst Rennpilot, hatte Dean geraten, den Wagen schonend einzufahren. Schon bei den ersten Tests baute dieser einen Unfall. Das Auto musste repariert werden, dabei wurden eine Startnummer und ein Schriftzug aufgemalt: 130 stand anschließend auf der Motorhaube und auf dem Heck Little Bastard - "kleiner Bastard", diesen Spitznamen hatte Dean am Set von "Giganten" verpasst bekommen.

Der 30. September 1955 war ein Freitag. Am Morgen holte Rolf Wütherich den Porsche in der Werkstatt ab. James Dean und er machten sich auf den Weg von Los Angeles in die etwas weiter nördlich gelegene Stadt Salinas. Dort sollte das Rennen stattfinden.

Die weiteren Ereignisse des Freitagnachmittags sind in einem Polizeibericht festgehalten: Auf der Route 466, an der Kreuzung der Highways 41 und 46 bei Cholame, bog demnach ein Ford Tudor nach links ab. Am Steuer saß der 23 Jahre alte Student Donald Turnupseed. Er übersah den Porsche Spyder 550, in dem Dean und Wütherich saßen. Die beiden fuhren im Porsche mit 130 km/h auf die Kreuzung zu. Sie rasten in den Ford. Rolf Wütherich wurde etwa 30 Meter weit aus dem Beifahrersitz geschleudert. Er brach sich den Kiefer, an den Beinen und der Hüfte wurde er schwer verletzt. Aber er überlebte. Donald Turnupseed, der Student, der James Dean übersehen hat: überlebte.

Das Wrack des Unfallwagens

Das Wrack des Unfallwagens

Foto: Corbis

James Dean starb in seinem Porsche. Er brach sich das Genick, seine Knochen wurden zerschmettert. Offizieller Zeitpunkt des Unfalls laut Polizeibericht war 17.59 Uhr.

Es bildeten sich Legenden nach diesem 30. September 1955. Aus einem talentierten Schauspieler wurde ein Mythos der ewigen Jugend - bis heute. Und die deutsche Sportwagenmarke avancierte zum Hersteller für Draufgänger.

"Auch wenn es makaber klingt: Nach dem Tod James Deans konnten sich Porschefahrer wie Rebellen fühlen", sagt Paolo Tumminelli. Plötzlich kannte jedes Kind die Marke, die damals erst seit sieben Jahren unter eigenem Namen Autos baute und die Mitte der Fünfziger nur ein paar wenigen in den USA ein Begriff war. Bis die Ikone 911 auf den Markt kam, sollten schließlich noch fast zehn Jahre vergehen.

Heute ist die Marke längst Mainstream. 2014 verkaufte Porsche in den USA 47.000 Autos, ein Rekord für den Hersteller aus Zuffenhausen. "Ein Porsche ist nicht mehr rebellisch", sagt Tumminelli. Das beliebteste Modell - auch in den USA - ist mittlerweile der SUV Cayenne. Ein Straßenkreuzer, sozusagen.

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