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13. September 2015, 20:37 Uhr

Keith Richards' Bentley versteigert

Eine Million Euro für Lena

In Großbritannien ist ein exklusiver Luxus-Oldtimer versteigert worden: Für mehr als eine Million Euro kam ein Bentley unter den Hammer, der einst Keith Richards gehörte. Der Stones-Gitarristen ließ besondere Extras in den Wagen einbauen.

Im Februar 1967 startete in Paris eine legendäre Rock'n'Roll-Rallye. Nur ein Wagen nahm daran teil: Ein Bentley S3 Continental Flying Spur; damals teuerstes Modell und Flaggschiff des britischen Herstellers.

An Bord der Luxuslimousine: Die Rolling-Stones-Bandmitglieder Keith Richards und Brian Jones, außerdem Jones' Freundin Anita Pallenberg, eine weitere Dame sowie der Bodyguard von Richards. Das Ziel war Marrakesch. Denn dort, so schreibt es Richards in seiner Autobiografie "Life", habe man legal Drogen bekommen. Das Quintett sollte jedoch nie in Marokko ankommen. Jones musste noch in den Pyrenäen krank aussteigen und Richards nutzte die Gunst der Stunde, um ihm Pallenberg auszuspannen. Statt nach Nordafrika ließ sich das frischverliebte Paar im Bentley nach England chauffieren.

Jetzt ist der Wagen versteigert worden. Bei einer Auktion am Rande des Oldtimerfestivals Goodwood Revival kam der Flying Spur für 763.000 Pfund (rund eine Million Euro) unter den Hammer. Zuvor war mit einem Erlös von 600.000 Pfund gerechnet worden. Dass er übertroffen wurde, ist kein Wunder: Zu gut sind Legenden, die sich um das Fahrzeug ranken.

Schon die Sonderausstattungen sind purer Rock'n'Roll. Keith Richards ließ zum Beispiel einen Plattenspieler in den Bentley einbauen, sowie ein Geheimfach zum Schmuggeln von Sportzigaretten und anderer verbotener Substanzen. Letztere waren wohl auch Ursache dafür, dass Richards mit dem Auto einige Unfälle baute. 1976 schlief er nach einem Konzert in Knebworth am Steuer ein, kam von der Straße ab und landete auf einem Acker.

Während die Exzesse tiefe Furchen im Gesicht des Stones-Gitarristen hinterlassen haben, präsentiert sich der Bentley heute frischer denn je. Nachdem Richards die Limousine 1978 verkaufte, wurde sie komplett renoviert. Die Hülle - damals eine exklusive Anfertigung des Karosseriebauers H.J. Mulliner - glänzt wie neu und das Lederinterieur befindet sich in tadellosem Zustand.

Der neue Besitzer ist unbekannt. Dabei würde man gerne wissen, ob er den Wagen auch "Blue Lena" nennt. Diesen Kosenamen hatte Richards ihm verpasst, in Anlehnung an die Sängerin Lena Horne. Der Stones-Gitarrist ist Bentley übrigens treu geblieben. Nachdem er den Flying Spur Ende der Siebziger verkaufte, legte er sich wieder das gleiche Modell zu - und hat ihn heute noch.

cst

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