Regionale Preisunterschiede Wo Kfz-Versicherungen teuer und wo sie günstig sind

Wie viel kosten Autoversicherungen in Ihrer Region? Welche Fahrzeugmodelle sind teuer, welche günstig? Ein Überblick über die Daten der Versicherer.

Der Spiegel

Zwei Zwillinge führen nahezu identische Leben. Sie leben in ähnlichen Verhältnissen, sind beide stets unfallfrei Auto gefahren und wollen nun zeitgleich dasselbe Automodell kaufen: einen neuen VW Golf. Mit welchen Kosten müssen sie rechnen?

Einer der beiden wohnt in Münster. Beim Online-Preisvergleich werden ihm Teilkasko-Tarife ab 300 Euro jährlich angeboten. Sein Bruder, der in Füssen im Allgäu wohnt, kann davon nur träumen. Egal wie viele Angebote er vergleicht, unter 400 Euro jährlich findet er keine Versicherung. Das erklärt sich folgendermaßen:

Wie teuer Kfz-Versicherungen in einer Region sind, richtet sich nach der dortigen Schadensbilanz des Vorjahres. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ermittelt hierfür alle Schadensfälle in Deutschland und kalkuliert die durchschnittliche Schadenshöhe pro Versicherten. Die Schadenshöhe wird dann mit dem deutschlandweiten Durchschnitt verglichen und der Zulassungsbezirk in eine Regionalklasse eingestuft. Je schlechter die Schadensbilanz einer Region, desto höher die Regionalklasse und desto teurer die Versicherung.

Ermittelt werden die Regionalklassen dabei getrennt nach Art der Versicherung.

Haftpflichtversicherungen sind gesetzlich vorgeschrieben und haften für Schäden, die Fahrzeughalter anderen Fahrzeugen zufügen. Hier zeigt sich ein besonders deutlicher Stadt-/Land-Unterschied. Berlin, Hamburg und München zählen zu den Zulassungsbezirken mit dem höchsten Schadensaufkommen, während sich die niedrigsten Werte vorwiegend in den ländlichen Regionen Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns finden. Hauptursache dürfte hier die Verkehrsdichte sein. Mit dem Verkehrsaufkommen steigen die Unfallzahlen und damit auch die Versicherungsbeiträge je Region.

Teilkaskoversicherungen decken zusätzlich zum Beispiel Tierschäden, Diebstahl, Unwetterschäden oder Fahrzeugbrände ab. Hier zeigt sich ein gleichmäßigeres Muster. Die schlechteste Schadensbilanz weist der Zulassungsbezirk Ostallgäu auf. Die Schadenshöhe pro Versicherten ist hier rund doppelt so hoch wie im bundesweiten Durchschnitt. Schuld dürfte die hohe Zahl an Wildunfällen sein. Im Jahr 2014 war im Ostallgäu mehr als jeder vierte Unfall  ein Zusammenstoß mit einem Tier. Günstig hingegen ist es in Franken, der Rhein-Main-Region oder auch in Friesland.

Vollkaskoversicherungen haften zusätzlich auch bei Vandalismus oder bei selbstverschuldeten Schäden am eigenen Wagen. Ihr Abschluss wird vor allem für hochwertige und neue Autos empfohlen. Besonders schlecht eingestuft sind hier Hamburg und Berlin mit ihrem hohen Verkehrsaufkommen sowie der Südosten Deutschlands. In Bayern könnte dies auf die durchschnittliche Motorleistung sowie das Alter der Autos zurückzuführen sein. Die Fahrzeuge sind hier so jung und stark motorisiert wie in keinem anderen Bundesland. Besonders günstig eingestuft sind dagegen die Mitte Deutschlands sowie der Nordwesten.

Welche Modelle teuer und welche günstig sind

Dass die Versicherung eines Sportwagens meist teurer ist als die eines Kleinwagens, dürfte niemanden überraschen. Das liegt an den Schäden, die die Fahrer der jeweiligen Fahrzeugmodelle verursachen. Ähnlich wie bei den Regionalklassen bilden die Versicherer auch hier verschiedene Risikoklassen. Die sogenannten Typklassen.

Die Einstufung eines Modells in eine Typklasse basiert dabei auf den Schadensmeldungen der vergangenen drei Jahre. Für neue Modelle wird eine Einschätzung anhand vergleichbarer Modelle getroffen. Insgesamt gilt: Je geringer die Schäden ausfallen, desto niedriger die Typklasse (beginnend bei Klasse zehn und ansteigend bis Klasse 25 bei Haftpflichtversicherungen, oder Klasse 33 und 34 bei Teil- und Vollkaskoversicherungen) und desto niedriger der Versicherungsbeitrag.

In der folgenden Tabelle können Sie erkunden, wie Ihr Fahrzeugmodell eingestuft wird:

Sowohl für Regional- als auch für Typklassen gilt: Sie geben eine grobe Orientierung, wie kostspielig die Versicherung eines bestimmten Automodells oder die Beiträge in einzelnen Regionen sind. Ihr Einsatz ist für die Versicherungen jedoch nicht verpflichtend. Es steht jeder Versicherung frei, beispielsweise mit detaillierteren Preisunterschieden nach Postleitzahl zu arbeiten oder auch das Risiko und damit die Beitragshöhe für einzelne Modelle anders einzuschätzen.

Das Fahrzeugmodell und der Zulassungsbezirk haben insgesamt einen erheblichen Einfluss auf die Beitragshöhe, lassen sich aber nur bei anstehendem Fahrzeugwechsel oder Umzug beeinflussen. Abseits davon gibt es zahlreiche weitere Faktoren, die sich auf den Preis auswirken und die der Versicherungsnehmer durchaus beeinflussen kann: Wie viele Kilometer werden jährlich zurückgelegt? Wer fährt mit dem Auto? Besteht freie Werkstattwahl? Welche dieser Faktoren sich wie stark auswirken und ob es dabei immer gerecht zugeht, können Sie in unserer ausführlichen Analyse der Tarifstrukturen nachlesen.

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