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Toyotas S-Klasse

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Günstige Oldtimer - Lexus LS 400 Eine Klasse für sich

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: Der Lexus LS 400, die Luxuslimousine aus Japan - ohne Verfallsdatum.
Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Großvaters abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Allgemeines zum Modell

Mit seiner neuen Edelmarke setzte sich Toyota vor 30 Jahren hohe Ziele: "Das beste Premiumfahrzeug der Welt" sollte der Lexus LS 400 werden. Die Oberklasse-Limousine startete 1989 zunächst in den USA und avancierte aus dem Stand zum Verkaufsschlager. Die Fertigungsqualität und der Komfort waren herausragend. Dazu kam ein seidenweicher und extrem laufruhiger V8 mit vier Liter Hubraum und 245 PS, von dem Liebhaber heute sagen, dass er einer der besten jemals gebauten Achtzylinder sei. Nur das Design des Straßenkreuzers aus Fernost geriet sehr unaufdringlich, fast bieder.

Die US-Konkurrenz in der Oberklasse hieß damals Cadillac oder Lincoln. Wer lieber Importwagen fuhr, kaufte sich einen deutlich teureren Mercedes oder BMW. Der Lexus LS 400 grätschte mit einem Kampfpreis von 38.000 Dollar genau zwischen die beiden Pole. "Der Preis war sensationell, gemessen daran, was das Auto bot", sagt Gerd André vom Lexus Owners Club Europe. Die Folge: In den USA stieg die Marke Lexus zum Marktführer der automobilen Luxusklasse auf.

1990 kam der Lexus LS 400 in Deutschland zu den Händlern. Hier war der Wagen im Grundpreis etwa so teuer wie eine Mercedes-S-Klasse oder ein BMW 7er, bot aber serienmäßig deutlich mehr Ausstattung – etwa Automatikgetriebe, Fahrer-Airbag, Antischlupfregelung, elektrische Sitze oder Klimaanlage. Gegen Aufpreis war ein Luftfahrwerk erhältlich, das den Ober-Toyota zur komfortablen, aber etwas schwammigen Asphalt-Sänfte machte.

Ein Highlight im Cockpit war auch die Elektroluminiszenz-Beleuchtung im 3D-Look, die die Instrumente im Dunkeln wunderbar ablesbar machte. Mit Extras wie Ledersitzen oder Schiebedach ließ sich der Preis durchaus auf 100.000 Mark treiben, dann fuhr man allerdings voll ausgestattet vor. "Ein BMW 740i kostete auch so viel, war dann aber nackt", sagt Lexus-Liebhaber André.

Das Museumsstück von Toyota Deutschland erreichte über eine Million Kilometer - mit dem Original-Motor und dem ersten Getriebe.

Das Museumsstück von Toyota Deutschland erreichte über eine Million Kilometer - mit dem Original-Motor und dem ersten Getriebe.

Foto: Toyota

1993 kam die erste Modellpflege (Mk 2). Der Lexus LS 400 hatte nun auch einen Beifahrer-Airbag an Bord, außerdem wurden die Räder von 15 auf 16 Zoll vergrößert und die zu schwach ausgelegten Bremsen verbessert. Um den relativ hohen Verbrauch von rund 15 Litern zu senken, stimmten die Ingenieure den Motor etwas magerer ab. Nun ließ sich der Lexus auch mit 11 Litern auf hundert Kilometer bewegen.

Der Mk3 (ab 1995) sah kaum anders aus, war technisch aber ein durchmodernisiertes Auto. Der V8 leistete nun 264 PS und bot mehr Drehmoment auch bei niedrigen Drehzahlen. Auf den Zenit gelangte der LS 400 im Jahr 1997 mit der vierten Modellgeneration Mk4. Die variable Nockenwellenverstellung VVTI bot eine noch bessere Leistungsentfaltung, dazu kamen Neuerungen wie Xenonlicht, Fünfgang-Automatik oder GPS-Navigationssystem. Im Jahr 2000 endete die Produktion des Lexus LS 400, Nachfolger war der völlig neu konstruierte LS 430.

Warum ausgerechnet der?

Sparvorgaben gab es bei der Entwicklung des Lexus LS 400 nicht. In puncto Verarbeitungsqualität und Antriebskomfort steht das in Japan "Toyota Celsior" genannte Dickschiff einem Mercedes S 420 oder BMW 740i in nichts nach. Im Gegenteil: Während deutsche Premiumfahrzeuge um 1990 noch mit Rostproblemen kämpften, war der Korrosionsschutz beim Lexus LS 400 vorbildlich.

Auch das Raumangebot in der Nippon-Sänfte ist stattlich, im Cockpit herrscht Lounge-Atmosphäre. Nur mit Edelholz wurde gegeizt, wenngleich die wenigen Applikationen auf Mittelkonsole und an den Türen aus feinem Material der Klavierfirma Yamaha sind. Sonst dominiert hochwertiger, aber etwas eintöniger Kunststoff. "Eine schöne Wurzelnuss-Leiste auf der Beifahrerseite, das habe ich immer vermisst", sagt André.

Im Außendienst spulte André in den Neunzigerjahren mit diversen Lexus LS 400 Zehntausende Autobahn-Kilometer ab. Als Reisewagen sei der Japaner praktisch unübertroffen, auch bei höherem Tempo dringen wegen der hervorragenden Dämmung kaum Außengeräusche ein. Dazu kommt der extrem leise V8, dessen sachte Töne man gleichwohl nicht unterschätzen sollte: "Die Kraftentfaltung ist beeindruckend", schwärmt André. "Der Wagen beschleunigt bis 200 km/h und darüber hinaus einfach locker hoch."

Am beeindruckendsten ist aber wohl die Langzeitqualität. Auch im Alter knarzt nichts im Innenraum des Luxus-Toyotas, und der Vierliter-V8 ist bis auf den Zahnriemen-Tausch und gelegentliche Wechsel der Betriebsflüssigkeiten praktisch wartungsfrei. "Ich habe niemals auch nur einen Tropfen Öl nachfüllen müssen", sagt André. Laufleistungen von 400.000 Kilometern sind beim Lexus LS 400 die Regel, machbar ist auch das Doppelte. Toyota Deutschland präsentiert in seiner Ausstellungshalle in Köln stolz einen LS 400 mit über einer Million Kilometer auf der Uhr. Sein Zustand: museumsreif, aber fahrtauglich.

Verfügbarkeit

Die ist überschaubar, denn trotz seiner Qualitäten verkaufte sich der Lexus LS 400 in Deutschland nur mäßig. Als Dienstwagen sind bei Firmen bis heute deutsche Fabrikate gesetzt. Von den Lexus in Privathand gingen die meisten nach Osteuropa. Deutlich besser ist das Angebot in den USA, wo sich der LS 400 gut verkaufte. Auch ein Blick nach Großbritannien lohnt sich, sofern man mit einem Rechtslenker leben kann.

Ersatzteilversorgung

Gängige Verschleißteile wie Bremsen oder Stoßdämpfer sind relativ problemlos und überdies günstig erhältlich. Schwieriger wird es mit Karosserie- und Interieur-Teilen. Viele Lexus-Fahrer empfehlen Rockauto, die Teile vom US-Markt liefern, wo der Bestand ungleich größer ist. Eine alternative Teile-Quelle aus Japan soll Amayma sein. Hilfreich ist außerdem das Forum des Lexus Owners Club, auch was Techniktipps betrifft.

Ersatzteilpreise (beispielhaft)

  • Klimakompressor: ca. 250 Euro

  • Satz Bremsscheiben vorn: ca. 80 Euro

  • Kühler Motor: ca. 120 Euro

  • Stoßdämpfer (nicht für luftgefederte Achsen): ca. 70 Euro

Schwachstellen

Anfangs waren beim Lexus LS 400 die Bremsen unterdimensioniert, wurden aber meist angepasst. Bei Zündaussetzern oder schlechter Gasannahme hat möglicherweise das Steuergerät seinen Dienst quittiert. Im Alter können die Kondensatoren auslaufen und die Leiterbahnen beschädigen. Ein Radio- oder Fernsehelektriker kann das Steuergerät für wenig Geld reparieren. Deutlich teurer werden Defekte bei der optionalen Luftfederung. Wenn bei der Wartung älterer Fahrzeugen gespart wurde, sammelt sich in der Folge Feuchtigkeit in System an und kann Probleme bereiten. Bei einem Totalausfall der Luftfederung sieht der Wagen wie tiefergelegt aus. Neue Stoßdämpfer kosten dann etwa 500 Euro - pro Stück. Alternative: Eine Umrüstung auf normale Stahlfedern, die sogar vergleichsweise preiswert ist.

Der V8 ist ein praktisch unzerstörbarer Dauerläufer und überlebt selbst einen gerissenen Zahnriemen, allerdings gilt das nur für Motoren der ersten Baujahre. Die Leistungssteigerung auf 264 PS beim Mk3 machte dem Motor als sogenanntem Freiläufer ein Ende, bei Fahrzeugen ab 1995 ist daher eine regelmäßige Wartung des Zahnriemens wichtig. Bei Fahrzeugen mit höherer Laufleistung sollte man gewisse Arbeiten bei dieser Gelegenheit gleich mit erledigen. Kenner sprechen von der "großen OP" alle 300.000 Kilometer. Die beinhaltet neben dem Zahnriemenwechsel einen Austausch von Thermostat, Dichtungen für Nocken- und Kurbelwelle sowie Keilriemen mit Spannrollen.

Das Fahrwerk ist ebenfalls robust, allenfalls verschlissene Querlenker und Traggelenke bestandet der TÜV gelegentlich, denn mit 1,8 Tonnen ist der Lexus LS 400 kein Fliegengewicht.

Preis

Auf dem US-Gebrauchtwagenmarkt finden sich Exemplare unter 5000 Euro, zuzüglich Importkosten. In Deutschland wird man bei etwa 6000 Euro aufwärts fündig, Liebhaberstücke können auch mal 12.000 Euro kosten.

Anlaufstellen im Internet

euro.lexusownersclub.com/forums/ 

www.rockauto.com 

www.amayama.com/en 

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