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Exotische Maserati-Sammlung: Mexico mi Amor

Foto: Anna Rose / Freunde von Freunden

Exotische Maserati-Sammlung Drei auf Zack

Als wäre ein Problemwagen nicht Ärger genug: Der Mediziner Dirk Rumpff fährt gleich drei krapiziöse Autos, allesamt Maserati. Die bringen eine gehörige Portion Drama in sein Leben.
Von Kai Kolwitz

Das Heiligtum von Dirk Rumpff steht in einem betongrauen Parkhaus, irgendwo an einer gesichtslosen Berliner Hauptstraße. Hyundais parken dort, mittelalte Fords - doch wenn der 36-Jährige die Tür zu einer abschließbaren Box öffnet, geht die Sonne auf - selbst wenn es regnet: roter Lack, prägnante Doppelscheinwerfer umrahmt von viel Chrom, ein mondäner Maserati Gran Turismo, unverkennbar gezeichnet in der leichten, klaren Formensprache der Sechziger.

Der Wagen wirkt nicht protzig, aber sehr präsent. Mit so etwas fuhren vor Jahrzehnten reiche Erben durch Antibes oder Sankt Moritz, zumindest diejenigen, die von ihren Eltern nicht nur Geld, sondern auch Stil mitbekommen haben.

"Der Maserati Mexico war schon immer ein Traum von mir", sagt Rumpff. "Ich fand gerade dieses Modell immer wahnsinnig schön, aber ich dachte, die sind weg, die kann man nicht mehr bezahlen. Doch dann habe ich zufällig diesen hier bei Ebay entdeckt, er stand nördlich von New York. Er ist sogar einer der selteneren 4,7-Liter."

Ein Maserati, der nicht fährt

Schon seit er denken kann, begeistert sich der Anästhesist für Oldtimer, infiziert durch die gemeinsamen Besuche des Oldtimer Grand Prix am Nürburgring mit dem Vater. Über Volvo 164 und Volvo Amazon arbeitete er sich über die Jahre zum Maserati Biturbo hoch, bis dann 2012 der vermeintliche Hauptgewinn wartete: Ende der Sechzigerjahre war der Mexico gemeinsam mit dem Ghibli das Spitzenmodell des italienischen Herstellers, insgesamt wurden weniger als 500 Exemplare gebaut. Mit 290 PS gab Maserati damals die Leistung des 4,7 Liter großen Achtzylinders an, auch wenn das wohl ziemlich optimistisch geschätzt war.

Allerdings hat Rumpffs Exemplar einen nicht ganz unwesentlichen Nachteil: Es fährt nämlich nicht. Das wird es bis auf Weiteres auch nicht, denn im Motorblock fand sich, in Deutschland angekommen, ein Riss. Und einen Maserati-Achtzylinder jener Tage neu aufzubauen, verschlingt hohe fünfstellige Beträge.

"Wenn die Sache jetzt noch zehn Jahre dauert, dann dauert sie eben so lange", meint der Besitzer dazu. Angesichts des günstigen Kaufpreises hatte man mit so etwas rechnen müssen, da ist Rumpff Realist genug.

Luxusautos durften in der Ölkrise nicht mehr nach Luxus aussehen

Der Mediziner hat auch noch zwei andere Patienten, die seine Aufmerksamkeit fordern: einen Maserati Indy, Baujahr 1971, und einen Maserati Kyalami von 1977.

Autos, die allesamt als kapriziös und teuer im Unterhalt gelten - warum in Gottes Namen gleich drei davon? "Das ist nicht so richtig rational zu erklären", sagt der Besitzer und liefert zu jedem Wagen die Begründung: Der Indy mit seinen Schlafaugen besitzt eine ähnliche Technik und Faszination wie der Ghibli, kostet aber nur ein Viertel von diesem. Er ist eines der gesuchtesten Autos der Marke.

Der Kyalami ist bei vielen Maserati-Fans unbeliebt. Rumpff aber schätzt an dem Wagen, der eigentlich ein umgeformter De Tomaso Longchamps ist, dass er recht schlicht ausgefallen ist. In Zeiten von Ölkrise und Roten Brigaden durften Luxusautos nicht mehr nach Luxus aussehen.

Die Autos bringen Drama ins Leben

Freie Posten im Budget teilt Rumpff gerecht auf die Wagen in seinem Fuhrpark auf. In seiner Freizeit organisiert er Teile oder rangiert die beiden fahrbaren Autos zwischen diversen Stellplätzen oder Werkstätten hin und her.

Darüber hinaus haben die Maseratis zuverlässig eine Dosis Drama in das Leben des Arztes gebracht: Den Mexico kaufte Rumpff kurz vor dem wochenlangen Hochwasser an der US-Ostküste 2012. Und der Indy war an seinem ersten Tag auf der Straße in einen Unfall verwickelt: "Auf der Rückfahrt zur Garage ist mir dann eine Frau mit ihrem Golf hinten reingeknallt", erzählt Rumpff. Ein halbes Jahr dauerte die Reparatur, der erste Sommer mit dem Wagen war gelaufen.

Gut, dass Rumpff selber Hand anlegen kann, kleine bis mittelgroße Arbeiten erledigt der Schrauber selber. Denn der Mediziner wollte zunächst Kfz-Mechaniker werden und jobbte deshalb nach dem Abitur für mehrere Monate bei der Firma Hartmann in Dortmund, in einer auf Volvo-Oldtimer spezialisierten Werkstatt. Ihm ist wichtig, dass er seine technischen Probleme nicht mit Geld löst.

"Ich habe noch nie erlebt, dass an einem Auto alles funktionierte"

Irgendwann wird der Mexico in seinem originalen Farbton "Grigio Milano" wieder die Straße sehen. Aber vorher müssen am Kyalami noch die hinteren Stoßdämpfer getauscht und die Vergaser überholt werden. "Ich habe bis auf beim Volvo Amazon noch nie erlebt, dass an einem Auto alles funktionierte", meint Rumpff dazu lakonisch. "Und irgendwie ist das ja auch okay für mein Rentnerhobby, das das irgendwann mal werden soll."

Ein Porträt über Dirk Rumpff ist ebenfalls bei "Freunden von Freunden" erschienen. Den Text finden Sie hier. 

Freunde von Autos
Foto: Corbis

Es gibt Menschen, die haben mit ihrem Auto ein größeres Ziel im Blick als nur den Weg von A nach B: eine Weltreise zum Beispiel, bei der aus dem einfachen Pkw ein zuverlässiger Partner wird. Sie wollen ihr Fahrzeug umbauen, zerlegen, bewahren. Was diese Menschen teilen: Sie sind Freunde von Autos. In einer losen Serie stellt SPIEGEL ONLINE Männer und Frauen mit ganz besonderen "Beziehungskisten" vor. Freunde von Autos ist eine Kooperation mit "Freunde von Freunden" , einer internationalen Agentur in Berlin, die Kreative aus Kultur und Kunst porträtiert.

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