Günstige Oldtimer - Mazda 929 Die S-Klasse aus Japan

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Mazda 929

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Von Haiko Prengel


Günstige Oldtimer
    Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

    Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Mazda 929 - die Luxuslimousine

Klare kante: Der Mazda 929
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Klare kante: Der Mazda 929

Allgemeines zum Modell: Einen Japaner zu fahren, ist heute nichts Besonderes. Vor 35 Jahren sah das noch ganz anders aus. Wer sich damals in Deutschland ein Auto der oberen Mittelklasse leisten konnte, fuhr Mercedes W123, Opel Rekord oder Ford Granada. Autos aus Fernost waren etwas völlig Exotisches, auf das sich nur Individualisten einließen.

Und vernunftgesteuerte Rentner: Denn die Edel-Limousine 929, die 1982 erschien (Vorgänger-Versionen bereits in den Siebzigerjahren), war ein echter Preis-Leistungs-Knaller: Elektrische Fensterheber, höhenverstellbares Lenkrad, adaptives Fahrwerk, Heckscheibenwischer, Schweinwerferreinigungsanlage und weitere Extras, die bei europäischen Herstellern satte Aufpreise kosteten, waren bei den GLX-Modellen des 929 Serie. Zum Vergleich: Bei einer deutlich teureren Mercedes E-Klasse gehörten noch 1990 Kurbelfenster zur Basisausstattung.

Auch beim Format konnte der Mazda 929 der Marke mit dem Stern Konkurrenz machen: 1987 wuchs der heckgetriebene Japan-Cruiser auf eine Länge von 4,90 Meter an. Das war S-Klasse-Niveau.

Damals wurden auch die Motoren des 929 überarbeitet, die Palette reichte nun bis zum Dreiliter-V6 (190 PS), der auch adäquat durstig war: 15 Liter genehmigte sich das Triebwerk auf hundert Kilometer, auch in dieser Hinsicht lag der Wagen auf S-Klasse-Niveau. Genügsamer zeigt sich der 2,2-Liter-Dreiventilmotor (128 PS).

In den Neunzigerjahren arbeitete Mazda dann an Plänen, dauerhaft eine eigenständige Luxusmarke zu etablieren: ohne Erfolg. Schade eigentlich, denn der 929 war ein richtig guter Versuch. So ist das Angebot an Luxus-Japanern bis heute überschaubar.

Warum ausgerechnet der? Der Mazda 929 ist kein Auto, nach dem sich die Leute auf der Straße begeistert umdrehen. Der Wagen war äußerlich immer eine graue Maus und wird es wohl auch bleiben. Wem das biedere Image egal ist, bekommt einen bestens ausgestatteten Straßenkreuzer für extrem wenig Geld. Selbst ein VW Golf war um 1980 teurer als ein Mazda 929, obwohl er in einer ganz anderen Fahrzeugklasse fuhr und deutlich karger ausgestattet war. Mit Extras wie einer Rückenlehne, die man in sich knicken kann (um sie an die Rückenform des Fahrers anzupassen) oder elektronisch verstellbaren Stoßdämpfern war der 929 vielen Konkurrenten aber weit voraus.

Gut getarnt: Die üppige Ausstattung
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Gut getarnt: Die üppige Ausstattung

Das Beste an dem Nippon-Klassiker jedoch ist sein Mauerblümchen-Dasein: Wenn auf Oldtimer-Treffen der x-te Mercedes W123 oder VW Käfer beim Publikum nur noch ein müdes Gähnen auslöst, muss es wohl Begeisterungsstürme geben, wenn mal ein kapriziöses Ding wie ein Mazda 929 vorfährt. Denkste! Obwohl der Japaner inzwischen so selten ist, interessiert sich weiter kein Mensch für den Wagen. Es liegt wohl am wenig aufregenden Image, das Mazda bis heute in Deutschland hat. Den Beweis erbrachte Matthias Büthe, selbst 929-Fahrer und Gründer des Forums Mazda Classics, bei einem interessanten Versuch: Erst als er an seinem 929 Coupé das Mazda-Logo spaßeshalber am Frontgrill entfernte, blieben die Leute plötzlich staunend vor dem Wagen stehen und sagten: "Schau mal, ein alter Maserati."

Verfügbarkeit: Der Mazda 929 war schon vor 30 Jahren eher ein Exot auf deutschen Straßen, heute ist er es erst recht. Einige Autos gibt es aber immer auf dem Gebrauchtwagenmarkt, und wer etwas Geduld mitbringt, kann sogar ein gut gepflegtes Exemplar finden. Der spießig wirkende 929 wurde vor allem von Rentnern gekauft, die ihre Autos wenig fuhren und in der Garage unterstellten. Dadurch sind viele Autos, die überlebt haben, in überdurchschnittlich gutem Zustand.

Rar und deswegen etwas teurer: Die Coupé-Versionen des 929
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Rar und deswegen etwas teurer: Die Coupé-Versionen des 929

Ersatzteilversorgung: Es gibt Autohersteller, die sich rührend um ihre Klassiker kümmern. Mazda Deutschland gehört nicht dazu. Das Unternehmen interessiert sich so gut wie gar nicht für Oldtimer-Fahrer und tut folglich auch nichts, um die Szene zu unterstützen und die Versorgung mit Ersatzteilen zu gewährleisten.

Die Mitgliedschaft in einschlägigen Liebhaber-Foren ist für 929-Fahrer also unerlässlich, denn dort gibt es Hilfe bei technischen Problemen und bei der Teilesuche. Bei Ebay kann man auch auf eigene Faust fündig werden, wobei die Ersatzteil-Preise stark schwanken. Die Erfolgschancen erhöht, wer auch im Ausland sucht. Der 929 wurde etwa auch in Österreich häufiger gefahren, aber auch in fernen Ländern wie Australien.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Satz Bremsscheiben vorn: ca. 50 Euro
  • Satz Bremsbeläge vorn: ca. 25 Euro
  • Kotflügel vorn: gebraucht 50 bis 100 Euro
  • Lichtmaschine: ca. 150 Euro

Schwachstellen: Wie bei allen älteren Autos ist Rost beim Mazda 929 ein Thema, der seltsamerweise fast nie am Vorderwagen gammelt, sondern immer ab der B-Säule. Häufiger nagt die braune Pest an den hinteren Achsaufnahmen sowie an Unterboden und Schwellern. Insgesamt bleiben die Rostherde aber meist überschaubar. Zwar gab es keinen Korrosionsschutz ab Werk, aber die verwendeten Karosserie-Bleche waren sehr hochwertig.

Als äußerst solide gelten Technik und Motoren. Laufleistungen von 300.000 Kilometern und mehr sind beim Mazda 929 keine Seltenheit. Auch die Bordelektronik ist meist erstaunlich unempfindlich: Die vielen elektrischen Helferlein verrichten oft jahrzehntelang ohne Mucken ihren Dienst. Mau ist die Wertentwicklung: Als Geldanlage taugt ein Mazda 929 sicherlich nicht.

Preis: Fahrbereite Mazda 929 findet man schon ab 1.000 Euro, häufig mit gültiger HU-Plakette. Selbst gehätschelte Rentner-Wagen aus erster oder zweiter Hand mit wenig Kilometern kosten selten mehr als 3.000 Euro. Teurer sind 929 Coupés, hier gingen die Preise in den vergangenen Jahren deutlich nach oben: 4.000 Euro muss man mindestens einkalkulieren.

Anlaufstellen im Internet:

Mazda Classics

Mazda Classics Niederlande

Mazda Forum

Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
Indigo76 05.06.2016
1.
Aber sollte ein Oldtimer nicht auch ein Minimum an Schönheit besitzen? Dieser Mazda ist der unpersönlichste Blechkasten, den ich je gesehen habe. Da muss man ja Geld bezahlt bekommen, um sich den in die Garage zu stellen!
k70-ingo 05.06.2016
2.
Was hier in einem Nebensatz versteckt ist, stellt für Neueinsteiger ohne Szenekontakte ein ernsthaftes Problem dar: die nicht vorhandene Ersatzteilversorgung. Bei derartigen Exoten läuft das nur über Beziehungen, gerade bei alten japanischen Modellen, die kaum in Deutschland verkauft wurden, nur mit Kontakten ins Ausland. Das ist nichts für Anfänger. Die sollten zur Frustvermeidung besser mit Mainstream-Oldtimern anfangen, für die es eine Infrastruktur in der Szene gibt, z.B. für Käfer, Mini, Trabant, Mercedes oder englischen Roadstern.
Ja gut äh... 05.06.2016
3. Verwirrende Formulierung
Zitat "Laufleistungen von 300.000 Kilometern und mehr sind beim Mazda 929 keine Seltenheit." Bedeutet das nun "die angebotenen Fahrzeuge haben oft Kilometerstände in diesem Bereich" oder "es kommt vor, dass ein 929 300.000km hält, bevor Schluss ist"? Der Wagen war sicher ein gutes Auto, aber ob man es sich antun sollte, ein Auto ohne gesicherte Ersatzteilversorgung an Land zu ziehen? Das würde ich persönlich anders als "Spiegel Online" dem "gemeinen Youngtimerliebhaber" nicht raten wollen.
ein-berliner 05.06.2016
4. Platz da - Mazda
Eine schlechte Volvokopie bleibt immer nur eine Kopie. Dann lieber gleich das Original. Sie schreiben ja selbst: Niemand nimmt dieses Auto wahr.
MatthiasPetersbach 05.06.2016
5.
Zitat von Indigo76Aber sollte ein Oldtimer nicht auch ein Minimum an Schönheit besitzen? Dieser Mazda ist der unpersönlichste Blechkasten, den ich je gesehen habe. Da muss man ja Geld bezahlt bekommen, um sich den in die Garage zu stellen!
Nun, wenn Sie das Oldtimer-gefühl besitzen, dann erscheint es Ihnen auch unabhängig von der "Schönheit" der Karosserie (mal ganz unabhängig davon, daß die hier Fenster hat, was man bei moderne Autos ja eher weniger kriegt). Da kann man sich auch an Dingen ergötzen wie ne Regenrinne, ne vernünftig konstruierte Fensterkurbel, ner Stoßstange, einer Schraub- statt ner Cliplösung und einer Gummi- und Chromleiste statt ner gegeklebten Scheibe. Leider nimmt man -mit diesem Blick "gesegnet" - ein modernes Auto nur noch als eine Summe von Verlusten wahr. Ein zwiespältiges Gefühl, das MICH zumindest massiv dran hindert, Geld für ein modernes Auto auf den Tisch zu legen.
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