Mazda MX-81 Aria Schau in die Röhre

Die Autogeschichte ist voll von begeisternden Studien, die schnell wieder verschwanden. SPIEGEL ONLINE zeigt die irrsten Visionen. Diesmal: ein Mazda, in dem ein Fernseher den Tacho ersetzt - und das Lenkrad fehlt.

Mazda

Von Jürgen Pander


Außen oder innen? Bei der Studie Mazda MX-81 Aria (italienisch für "Luft") ist schwer zu entscheiden, wo es die interessanteren Designideen zu entdecken gibt. Bei der Kreation dieses Konzeptautos lief Marc Deschamps, frisch ins Amt gelangter Designchef beim Karosseriehersteller Bertone, 1981 zu Hochform auf: Den Wagen kennzeichnen glattgeschliffene Karosserieflächen, die streng geometrische Abgrenzung von Glas und Blech, eine Gürtellinie aus einem Strich und das Feuerwerk der Fantasie im Innenraum.

Das zeigt sich zum Beispiel am ockerbraunen Vichy-Karo-Muster der Sitzbezüge. Doch damit fängt der Spaß erst an. Die Sitze lassen sich drehen, damit das Ein- oder Aussteigen leichter fällt.

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Schönes Ding: Mazda MX-81 Aria: Hände ans Lenkband!

Die Pointe ist das Cockpit. Es besteht aus einem Röhrenbildschirm, dessen Anzeigen die analogen Instrumente wie Tachometer, Drehzahlmesser oder Tankuhr ersetzen. Deschamps nahm die heute übliche digitale Instrumentenanzeige quasi um einige Jahrzehnte vorweg. Um den Bildschirm ragt eine Art Rahmen aus der Armaturentafel, auf dem Bedienknöpfe angebracht sind - für Licht, Scheibenwischer oder Blinker. Um den oberen Rand dieses Rahmens verläuft ein bewegliches, gegliedertes Band aus Kunststoff. Damit wird der Wagen gelenkt.

Dass das prinzipiell funktioniert, glaubt man schon. Aber dass diese bizarre Lenkmechanik angenehm, präzise oder sicher sein soll, ist kaum vorstellbar. Weiter verfolgt wurde das System jedenfalls nicht. Was den Wow-Effekt nicht geringer macht, denn bei einer Studie kommt es ja vor allem auf inspirierende Einfälle und unkonventionelle Lösungen an, weniger auf deren Machbarkeit. Wobei: Die Bandlenkung nimmt weniger Raum ein als ein herkömmliches Lenkrad. Vielleicht nimmt diese Idee mal ein Hersteller autonom fahrender Wagen auf - als eine Art platzsparende Notlenkung.

Brücke aus der Keilwagen-Ära in die Achtzigerjahre

Der Mazda lässt sich jedenfalls als Meilenstein des Fahrzeugdesigns einordnen. Er schlägt mit den Proportionen, der Geradlinigkeit und dem licht und luftig gestalteten Innenraum eine Brücke zwischen den kompromisslosen keilförmigen Autos, die Bertone in den Siebzigerjahren kreierte, und den pragmatischeren Modellen, die in den Achtzigern auf die Straße kamen. Darunter etwa der von Bertone entworfene Citroën BX ab 1982.

Interessant am Mazda-Unikat ist auch, dass unter der Hülle stinknormale Großserientechnik steckt. Um die Kosten gering zu halten, übernahm Mazda bei der Studie die Technik des Modells 323 GLC. Der Radstand von 2,36 Meter, ein 1,5-Liter-Turbobenziner als Antrieb und alle Maße standen also fest. Dass so ein eigenständiges und außergewöhnliches Auto entstand, zeigt das Potenzial des Turiner Designhauses zu dieser Zeit.

Acht Jahre nach dem Debüt des Konzeptautos keimte doch noch ein Detail der Studie bei einem Serienprodukt auf. Die flache, geradlinige Frontpartie inklusive der Schlafaugenscheinwerfer prägte den sportlichen Kompaktwagen Mazda 323 F, der 1989 auf den Markt kam. Auf eine Renaissance von Interieurdetails müssen Fans allerdings weiter warten.

Nicht aber auf die Studie an sich. Nachdem das Auto mehr als dreißig Jahre lang versteckt in einer Garage auf dem Gelände des Mazda-Entwicklungszentrums in Hiroshima herumstand, wurde es erst vor wenigen Monaten dort wiederentdeckt - und hervorgeholt, wie eine Nachfrage bei Mazda ergab. Jetzt plant die PR-Abteilung von Mazda eine Restaurierung des Konzeptfahrzeugs, - dessen Zustand übrigens überaus erfreulich sein soll, um es anschließend bei unterschiedlichen Anlässen wieder präsentieren zu können.



insgesamt 14 Beiträge
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redneck 24.12.2018
1.
Ich mag die Keilautos ungemein. Der Mazda. Wuenschte die Autos von heute saehen so aus. Leider gibts Golfs. Cressoni, Gandini schufen die letzten grandiosen Rundautos bevors Kanten gab. Sah gut aus und viele der damaligen Prototypenteile wurden aus gefalteten Papier, Karton und Foamcore gemacht. Skalpell, Lineal, Rubbercement, Zirkel und eine Kurvenschablone ist was man dazu brauchte. Sah auf Anhieb gut aus und konnte rasch angepasst werden. An den Lancia, Fiat, Ferrari, Lambo und Alfa Armaturen sieht mans gut. Am Ende auseinanderfalten und sinnvoll bemasst auf Konstruktionszeichnung uebertragen.
boscoverde 24.12.2018
2. Winkellehre
Danke, nun weiss ich wieder was 45° sind. Trotzdem Frohe Festtage und ein tolles 2019 ?
Ronald Dae 24.12.2018
3. Anders als die Betrüger-Wannen
Genau deshalb mag ich italienisches Autodesign: Es ist meist ein Gegenentwurf zu den spießigen Golfkarren, welche durch eklektische und uninspirierte Design-Elemente erst ein Gähnen und dann leichte Übelkeit provozieren.
mikko11 24.12.2018
4.
Zitat von Ronald DaeGenau deshalb mag ich italienisches Autodesign: Es ist meist ein Gegenentwurf zu den spießigen Golfkarren, welche durch eklektische und uninspirierte Design-Elemente erst ein Gähnen und dann leichte Übelkeit provozieren.
Danke für diesen erheiternden Beitrag. (Golf I by Giorgetto Giugiaro)
brux 24.12.2018
5. Tja
Zitat von Ronald DaeGenau deshalb mag ich italienisches Autodesign: Es ist meist ein Gegenentwurf zu den spießigen Golfkarren, welche durch eklektische und uninspirierte Design-Elemente erst ein Gähnen und dann leichte Übelkeit provozieren.
Na ja. Langweiliger als der aktuelle Fiat Tipo oder angeberischer als der Alfa Stelvio geht kaum noch. Der aufgeblasene Mini SUV auf der Basis des 500 ist ein ästhetisches Verbrechen. Heute sind nur noch die Franzosen mutig und selbstbewusst, und verbinden tatsächlich Form mit Funktion. Die Deutschen haben aber den globalen Erfolg auf ihrer Seite. Das weltweite Spiessertum bestimmt den Markt. Und erstaunlicherweise kaufen viele ein teures Modell in der "launch colour", weil sie nicht einmal eine Meinung zur Farbe haben.
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