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Schönes Ding: Mazda MX-81 Aria: Hände ans Lenkband!

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Mazda MX-81 Aria Schau in die Röhre

Die Autogeschichte ist voll von begeisternden Studien, die schnell wieder verschwanden. SPIEGEL ONLINE zeigt die irrsten Visionen. Diesmal: ein Mazda, in dem ein Fernseher den Tacho ersetzt - und das Lenkrad fehlt.

Außen oder innen? Bei der Studie Mazda MX-81 Aria (italienisch für "Luft") ist schwer zu entscheiden, wo es die interessanteren Designideen zu entdecken gibt. Bei der Kreation dieses Konzeptautos lief Marc Deschamps, frisch ins Amt gelangter Designchef beim Karosseriehersteller Bertone, 1981 zu Hochform auf: Den Wagen kennzeichnen glattgeschliffene Karosserieflächen, die streng geometrische Abgrenzung von Glas und Blech, eine Gürtellinie aus einem Strich und das Feuerwerk der Fantasie im Innenraum.

Das zeigt sich zum Beispiel am ockerbraunen Vichy-Karo-Muster der Sitzbezüge. Doch damit fängt der Spaß erst an. Die Sitze lassen sich drehen, damit das Ein- oder Aussteigen leichter fällt.

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Schönes Ding: Mazda MX-81 Aria: Hände ans Lenkband!

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Die Pointe ist das Cockpit. Es besteht aus einem Röhrenbildschirm, dessen Anzeigen die analogen Instrumente wie Tachometer, Drehzahlmesser oder Tankuhr ersetzen. Deschamps nahm die heute übliche digitale Instrumentenanzeige quasi um einige Jahrzehnte vorweg. Um den Bildschirm ragt eine Art Rahmen aus der Armaturentafel, auf dem Bedienknöpfe angebracht sind - für Licht, Scheibenwischer oder Blinker. Um den oberen Rand dieses Rahmens verläuft ein bewegliches, gegliedertes Band aus Kunststoff. Damit wird der Wagen gelenkt.

Dass das prinzipiell funktioniert, glaubt man schon. Aber dass diese bizarre Lenkmechanik angenehm, präzise oder sicher sein soll, ist kaum vorstellbar. Weiter verfolgt wurde das System jedenfalls nicht. Was den Wow-Effekt nicht geringer macht, denn bei einer Studie kommt es ja vor allem auf inspirierende Einfälle und unkonventionelle Lösungen an, weniger auf deren Machbarkeit. Wobei: Die Bandlenkung nimmt weniger Raum ein als ein herkömmliches Lenkrad. Vielleicht nimmt diese Idee mal ein Hersteller autonom fahrender Wagen auf - als eine Art platzsparende Notlenkung.

Brücke aus der Keilwagen-Ära in die Achtzigerjahre

Der Mazda lässt sich jedenfalls als Meilenstein des Fahrzeugdesigns einordnen. Er schlägt mit den Proportionen, der Geradlinigkeit und dem licht und luftig gestalteten Innenraum eine Brücke zwischen den kompromisslosen keilförmigen Autos, die Bertone in den Siebzigerjahren kreierte, und den pragmatischeren Modellen, die in den Achtzigern auf die Straße kamen. Darunter etwa der von Bertone entworfene Citroën BX ab 1982.

Interessant am Mazda-Unikat ist auch, dass unter der Hülle stinknormale Großserientechnik steckt. Um die Kosten gering zu halten, übernahm Mazda bei der Studie die Technik des Modells 323 GLC. Der Radstand von 2,36 Meter, ein 1,5-Liter-Turbobenziner als Antrieb und alle Maße standen also fest. Dass so ein eigenständiges und außergewöhnliches Auto entstand, zeigt das Potenzial des Turiner Designhauses zu dieser Zeit.

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Schönes Ding: Die skurrilsten Auto-Designstudien

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Acht Jahre nach dem Debüt des Konzeptautos keimte doch noch ein Detail der Studie bei einem Serienprodukt auf. Die flache, geradlinige Frontpartie inklusive der Schlafaugenscheinwerfer prägte den sportlichen Kompaktwagen Mazda 323 F, der 1989 auf den Markt kam. Auf eine Renaissance von Interieurdetails müssen Fans allerdings weiter warten.

Nicht aber auf die Studie an sich. Nachdem das Auto mehr als dreißig Jahre lang versteckt in einer Garage auf dem Gelände des Mazda-Entwicklungszentrums in Hiroshima herumstand, wurde es erst vor wenigen Monaten dort wiederentdeckt - und hervorgeholt, wie eine Nachfrage bei Mazda ergab. Jetzt plant die PR-Abteilung von Mazda eine Restaurierung des Konzeptfahrzeugs, - dessen Zustand übrigens überaus erfreulich sein soll, um es anschließend bei unterschiedlichen Anlässen wieder präsentieren zu können.

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