Mercedes 280 TE, Baujahr 1982 Barock-Benz im Hochglanz-Look

Wegen der verchromten 14-Zoll-Fuchsfelgen gab SPIEGEL-ONLINE-Leser Jo Buch seinem 280 TE den Spitznamen Barock-Benz. Der Grafiker liebt die Kombi-Version seines Beinahe-Oldtimers, der seiner Ansicht nach eine der letzten gescheiten Mercedes-Baureihen ist.
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Mercedes 280 TE, Bj. 1982: Solide bis ins Detail

Foto: Joachim Buch

Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Jo Buch über das Leben mit seinem Mercedes Benz 280 TE , W123, Baujahr 1982, 185 PS.

Meine Vorliebe für Mercedes begann mit einem Baby-Benz 190 E, einem W201, dessen Kofferraum allerdings recht mager und überdies schlecht zu beladen war. Ihm folgten ein 250 TD, ein 300 TD und schließlich ein 300 TE - alle aus der W124-Reihe. Mit dem Nachfolger, einem E 420 T aus der W210-Reihe, begannen meine Zweifel, ob ich bei Mercedes noch richtig aufgehoben bin. Motor- und Getriebeschaden bei 130.000 beziehungsweise 190.000 Kilometer, diverse ärgerliche Elektronikprobleme und grassierender Rostfraß zeigten mir, dass ein weiteres dieser Gefährte mit noch mehr Elektronik nicht die Lösung sein konnte.

Der Nachfolger sollte ein Auto sein, dessen Zuverlässigkeit und reparaturfreundlichkeit legendär sind. So landete ich beim W123. Diese Bezeichnung trägt er, weil er eines der letzten Mercedes-Modelle war, die noch in Chrom schwelgen durften.

Und ich suchte einen Kombi. Da diese meist schon in Liebhaberhand sind, gestaltete sich die Aktion langwieriger, als ich dachte. Das Fahrzeug, das ich letztlich erstand, war in schlechterem Zustand, als ich zunächst wahrhaben wollte. Bei den einschlägigen Clubs hätte es kompetente Hilfe und Beratung gegeben, aber ich musste ja unbedingt auf eigene Faust suchen. Das bezahlte ich dann eben nach dem Kauf.

Dich überlebe ich

Da steht er nun - mit einem großen Eimer Hohlraumkonservierung an und in allen lebenswichtigen Teilen, wenig Kunststoff außen wie innen, dafür viel dickem Blech. Das ganze Auto ist ein ungeschriebenes Versprechen: "Pfleg mich und ich überleb' dich."

Eigentlich sieht man dem Auto sein Alter gar nicht so deutlich an wie gleichaltrigen Opels oder Fords. Dennoch fällt er auf dem Parkplatz vor dem Baumarkt eben doch auf. Das merke ich daran, dass die Leute gucken, wenn ich das Auto noch mit Schlüssel zuschließe, und es dabei nicht hektisch blinkt.

Entsprechend entspannt bin ich auch unterwegs. Ein Engländer würde das wohl "splendid isolation" nennen, denn das Auto strahlt eine dermaßen seriöse Ruhe aus, dass man ihn gar nicht scheuchen möchte. Obwohl er mit seinen 185 PS durchaus losmarschieren könnte, wenn es denn sein müsste. Aber das tut man einem Motor nicht an, der schon 300.000 km auf dem Buckel hat.

Das Rasen überlässt man der TDI-Fraktion, nicht zuletzt, weil man genau weiß, dass man bei dem alten M110-Motor Leistungsabforderungen fürstlich in Extralitern bezahlen muss. Begnügt er sich bei moderater Fahrweise mit etwas mehr als zwölf Litern, gönnt er sich bei forschem Umgang mit dem Gaspedal auch gern mal 16 bis 18 Liter Super.

Mehr Sein als Schein

Im Alltagsbetrieb gibt sich der 280 TE völlig unauffällig; Mitfahrer suchen jedoch immer wieder nach Dingen, die in fast allen neueren Autos zur Serienausstattung gehören. Dann kommen Fragen wie "wo sind denn die Tasten für die Fensterheber?" Dass sich an der Tür tatsächlich noch eine Kurbel befindet, glauben sie erst, wenn man sie darauf hinweist. In den Achtzigern kamen eben auch noch Fahrzeuge der oberen Mittelklasse mit Kurbeln daher. Das gilt in gleicher Weise für Sitzverstellung, Außenspiegel und dergleichen - es ist alles mechanisch.

Noch drei Jahre, dann bekommt das gute Stück sein H-Kennzeichen. Ob es dem Auto gefällt, dass dann jeder sieht, wie alt es ist, weiß ich nicht. Es wird das wohl mit der ihm eigenen Ruhe wegstecken.

Es sind keine Scharen, die gucken, wie zum Beispiel bei meinem kleinen roten Fiat 500 von 1970. Aber gerade unter den reiferen Herren gibt es relativ viele von der Sorte Reifenkicker und Blechklopfer, die Sätze loslassen wie: "Das ist halt noch ein echter Benz."

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