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Gebrauchte E-Klasse von Mercedes: Kontrolle ist besser

Mercedes E-Klasse als Gebrauchter Die Rache des Jürgen E. Schrempp

Sie war Jahrzehnte lang das Statussymbol der Besserverdienenden schlechthin: Die Mittelklasse von Mercedes. Die Autos gelten eigentlich als unverwüstlich - wenn man einen Bogen um die Jahrgänge 2002 bis 2006 macht.

Die Geschichte der E-Klasse von Mercedes ist lang - und sie ist geprägt von Höhen und Tiefen. Offiziell begonnen hat sie 1993, als der Stuttgarter Autobauer der mittleren Baureihe erstmals den Namen E-Klasse verlieh, angesiedelt zwischen S- und C-Klasse. Im Prinzip - und hier liegen die Marketing-Leute von Mercedes richtig - setzt sie jedoch die Tradition der Mittelklasse-Mercedesse fort, zu deren Urahnen der Ponton, die Heckflosse und der Strich-Achter gehören und die den legendären Ruf des Autos als unzerstörbare Kilometerfresser nachhaltig geprägt haben.

Doch vier Jahre unter der Ägide des Daimler-Großmeisters Jürgen Schrempp genügten, um den Ruf nachhaltig zu schädigen. Die intern W 211 (Limousine) und S 211 (Kombi) genannten Baureihen, die in seiner Amtszeit auf Kiel gelegt wurden, zählen zu den fehleranfälligsten Autos, die die Mercedes-Werke je verlassen haben. Mit ungeheurem Druck, stark verkürzten Entwicklungszyklen und drakonischem Spardiktat hatte der ehrgeizige Manager die Entwickler überfordert.

Das ist umso bestürzender, als gerade die 211-Reihe zu den schönsten E-Klassen zählt, die die Mercedes-Designer gezeichnet haben. Einzig der Strich-Achter erreicht noch eine vergleichbare gestalterische Qualität.

Vorsicht bei Baujahren zwischen 2002 und 2006

In der Pannenstatistik des ADAC schafft es die 211er E-Klasse zwar insgesamt noch auf vordere Plätze, doch nur die späteren Baujahre profitierten von der 2005 eilends gestarteten Qualitätsoffensive und sind deshalb als Gebrauchtwagen zu empfehlen.

Den zwischen 2002 und 2006 gebauten Exemplaren attestiert der Club dagegen "ein breites Spektrum" an Mängeln. So gab es bis zum Baujahr 2003 beim Diesel gleich reihenweise Störungen in der Motorsteuerung und undichte Leitungen in der Kraftstoffanlage. Anlass zur Pannenhilfe lieferten bis 2005 immer wieder entladene Batterien. Bis 2006 sorgten schwach dimensionierte Kugelgelenke und schlechte Gummis für überdurchschnittlich häufigen Verschleiß an Vorder- und Hinterachsen. Als anfällig erwies sich auch die so genannte Hardy-Scheibe, die die Kardanwelle mit dem Getriebe verbindet.

Die Pannenserie schlug sich auch in der Kundenzufriedenheit nieder. Im wichtigsten amerikanischen Index von JD Power verlor die Marke Platz um Platz: von Rang 7 im Jahr 2000 bis auf Rang 27 im Jahr 2005. In der Mängelstatistik ermittelte JD Power zuletzt für drei Jahre alte Mercedesse 283 Fehler je 100 Autos. Der Industriedurchschnitt liegt bei 237 Fehlern. Die permanenten Ärgernisse brachten auch die Taxifahrer auf. "Wegen der Elektronik muss man mit der E-Klasse bei jeder Störung in die Werkstatt", klagte 2003 ein Taxiunternehmer aus Bayern in der "Wirtschaftswoche". Selbst Kleinigkeiten wie einen Ölwechsel könne man nicht mehr selbst erledigen - das treibe die Unterhaltskosten in die Höhe.

E 200, Baujahr 2002: 10.100 Euro

Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde die E-Klasse in dieser Zeit durch einen spektakulären Rückruf: Wegen des überaus verschleißanfälligen Bremszylinders musste Mercedes 2004 weltweit rund 680.000 Fahrzeuge in die Werkstätten bitten, um das elektrohydraulische Bremssystem SBC zu überprüfen. In vielen Fällen hatte das System in den Notbetrieb umgeschaltet und dabei ABS, ESP und Bremskraftunterstützung außer Kraft gesetzt.

Die erste E-Klasse, die diesen Namen auch trug, wurde bis 1995 gefertigt. Bis 2003 lief die zweite Generation vom Band (Baureihe 210). Markantes Merkmal war die Front mit den vier runden Scheinwerfern. Schon ein Jahr vor ihrem Ende wurde der Nachfolger, die Baureihe 211, auf die Straßen geschickt. Mit der Modellpflege 2006 wurde der E 320 Bluetec eingeführt - ein Diesel mit Emissionsreduzierung. Seit 2009 ist die neue E-Klasse auf dem Markt. Auch sie gibt es wieder als Coupé, T-Modell, Cabriolet und Limousine.

Kleinster Motor der Baureihe 211 ist ein 122 PS-starker Vierzylinder. Je nach Baujahr reicht das Spektrum bei den Selbstzündern bis 314 PS. Benziner gibt es zwischen 163 PS und 387 PS. Für besonders leistungshungrige Fahrer empfehlen sich die Versionen des Haustuners AMG, die 514 PS abliefern. Der einzige Erdgasantrieb leistet 163 PS.

Eine gebrauchte Limousine von 2002, der E 200 Kompressor Classic mit 163 PS, ist laut Schwacke-Liste ab rund 10.100 Euro zu bekommen. Das 2007er Diesel-T-Modell E 200 T CDI Avantgarde mit Partikelfilter und 136 PS steht mit 19.900 Euro in der Liste. Wer sich für ein Erdgas-Fahrzeug interessiert, zahlt für den E 200 Kompressor NGT Automatic in der Classic-Ausführung von 2004 noch rund 12.500 Euro.

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