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16. Juli 2009, 11:52 Uhr

Mercedes LA 911 , Bj. 1980

Fahrende Ein-Zimmer-Wohnung

Früher diente der Mercedes LA 911 dem Grenzschutz als Arbeitsgerät. Nach etlichen Umbauten lässt es sich jetzt gut darin wohnen. Mit ihrem Lkw erfüllten sich die beiden SPIEGEL-ONLINE-Leser Amelie Schmidt-Uenzen und Till de Boer einen langgehegten Traum vom Globetrotter-Leben.

Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichten Amelie Schmidt-Uenzen und Till de Boer über das Leben mit ihrem Mercedes Kurzhauber LA 911 B, Baujahr 1980.

Er ist grün, über 6 Meter lang, 3,20 Meter hoch und knapp 2,50 Meter breit. Er brummt laut, hat ein Fanfarenhorn und ist mit seinem nostalgischen Äußeren und dem Holz im Inneren einfach unglaublich gemütlich. Die Rede ist von einem Lkw mit Wohnmobilausbau - wir nennen ihn unseren Frosch.

1980 lief er bei Mercedes vom Band und war als LA 911 B Kurzhauber mit Funkkoffer über zehn Jahre beim Bundesgrenzschutz im Einsatz. Danach begann sein Nomadenleben. Sein Vorbesitzer Wolfgang wollte über den Landweg nach Kanada und suchte hierfür ein passendes Gefährt. Mit viel Liebe zum Detail steckte er eine Menge Grips in den Ausbau des Wagens.

Wir staunen immer wieder, woran er alles gedacht hat, um möglichst autark zu sein: je ein 500-Liter-Dieseltank links und rechts, zwei Edelstahl-Wasserbehälter, deren Füllmenge von 500 Litern Wasser über einen Boiler vom Kühlwasser erhitzt wird und so für zwei Personen für zwei bis drei Tage einen herrlich warmen Duschgenuss bietet. Wo geduscht wird? Im eigens dafür gebauten Duschbereich mit einknöpfbarem Duschvorhang. Alternativ hängt man den Duschkopf aus dem Fenster nach draußen und hat eine erfrischende Sommerdusche.

Hippie-Mobil mit Dachterrasse

Über die Dachluke im Fahrerhaus erreicht man die Dachterrasse. Darauf befinden sich neben zahlreichen Staukisten und Reserverad auch Solarzellen, die unter anderem den Strom für den Kühlschrank mit Gefrierfach liefern. Mit zwei Standheizungen und einer selbstgebauten Holzofenkonstruktion sollte man auch im Winter nie frieren, dachte sich Wolfgang und machte den Mercedes mit einer Küchenzeile sowie der klassischen "aus Tisch wird Bett"- Variante zur fahrenden Ein-Zimmer-Wohnung. Zum Schluss führte Wolfgang für Wasserdurchfahrten noch den Luftansaugstutzen rechts neben dem Führerhaus nach oben - und fertig war der Reise-Frosch!

Die nächsten 50.000 Kilometer gehörten Wolfgang und seinen Reisen. Da die Beringstraße nicht zufrieren wollte, verschiffte er den Wagen kurzerhand nach Kanada. Hier trotzte der zähe Frosch zwei harten Wintern. Zurück in Deutschland wurde Wolfgang mit seiner Frau Evelyn sesshaft. Der Frosch sollte verkauft werden und eine Verschnaufpause einlegen. Doch die sollte nicht allzu lange währen. Denn wir suchten nach einem Reisemobil und verliebten uns sofort in den zum Verkauf stehenden grünen Lkw.

Seit einem Jahr sind wir nun stolze Besitzer und haben neben vielen Wochenendausflügen eine erste dreiwöchige Probefahrt ins wunderschöne Baltikum gemacht. Dank des zuschaltbaren Allradantriebs und der Differentialsperre kamen wir fast täglich in den Genuss, auch schwierig erreichbare und deshalb auch einsame Strandplätze zu finden, so dass wir fast immer die schönsten Ostseeplätze hatten.

Diese Tour infizierte uns endgültig mit dem Reisevirus, so dass wir jetzt unser nächstes Projekt angehen: auf dem Landweg nach Indien! Bis zur Abfahrt Ende September dieses Jahres steht noch einiges an Planungen und Vorbereitungen auf unserer Liste. Dann werden wir mit unserem Frosch auf erst mal unbestimmte Zeit die Welt erkunden.

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