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Günstige Oldtimer: Mini

Foto: Haiko Prengel

Günstige Oldtimer - der Mini Die Knalldose

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Mini, kleiner Renner und Begründer eines neuen Pkw-Segments.
Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Großvaters abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Allgemeines zum Modell

Eine Ölkrise zwang die British Motor Corporation in den 50er Jahren, nachhaltigere Fahrzeuge zu bauen. Das Unternehmen beauftragte Ingenieur Sir Alec Issigonis, ein preiswertes und familientaugliches Auto zu entwickeln. Das Ergebnis war der Mini. Der kleine Flitzer kam im August 1959 auf den Markt und schuf eine neue Fahrzeugklasse: den Kleinwagen.

Durch die damals revolutionäre Kombination aus Frontantrieb und einer extrem kompakten Bauweise kam der Mini auf nur etwa drei Meter Länge und 1,4 Meter Breite. Trotzdem fanden im Innenraum vier Erwachsene Platz. Komfort durfte man nicht erwarten. Die Basisausführung war nackt, selbst eine Heizung kostete anfangs Aufpreis.

Spektakulär war das Fahrverhalten: Weil die Konstrukteure das Getriebe direkt unter dem Motor anflanschten, rückte der Schwerpunkt weit nach vorn. Das Ergebnis war ein hervorragender Vortrieb.

Bei rund 600 Kilogramm Leergewicht waren keine schweren Maschinen nötig, um das Vehikel in Fahrt zu bringen. Die Standardmotorisierung mit 850 Kubik und 34 PS reichte aus, um flotter als die meisten anderen Autos zu sein. "Der Mini war eine Knalldose, die den großen schweren Schlitten damals um die Ohren fuhr", sagt Patrick Stellwag vom Mini und Mini Cooper Klassiker Club Deutschland (MMCK).

Anfang der Sechziger folgten neben Van und Kombi auch Mini-Edelversionen mit verlängerter Front und größerem Kofferraum. Diese schwerere Variante bekam schon früh den 1000er-Motor mit 36 PS eingepflanzt, der ab 1968 auch im Standard-Mini erhältlich war. In diesem Jahr gab es auch die erste große Modellpflege. Der MK II bekam größere Scheiben, was die Rundumsicht verbesserte. Dazu gesellten sich optimierte Armaturen, ein neuer Kühlergrill und größere Rückleuchten.

Dank Frontantrieb und sehr kurzen Fahrzeugüberhängen ließ sich die Länge auf rund drei Meter begrenzen.

Dank Frontantrieb und sehr kurzen Fahrzeugüberhängen ließ sich die Länge auf rund drei Meter begrenzen.

Foto: Haiko Prengel

Die Sportversionen Cooper und Cooper S machten den Mini zur Granate. Der 1300er-Motor im S leistete in der Zivilversion 75 PS. "Damit konnte man als Mini-Fahrer in kurvigem Gelände so ziemlich alles plattmachen - selbst einen Porsche 911, der locker 400 Kilo mehr wog", sagt Stellwag. Auch bei der Ausstattung punkteten Cooper und Cooper S – etwa mit Scheiben- statt Trommelbremsen, aufwendigen Polsterstoffen oder verchromtem Schaltknüppel.

Schnell machte der Mini als Rennwagen Furore. Auf über 100 PS Leistung getunt, gewann ein Mini Cooper S erstmals 1964 die Rallye Monte Carlo, was ihn noch populärer machte. Höhepunkt bei den Verkaufszahlen war das Jahr 1974. Das Bauzeitende kam viel später: im Oktober 2000 nach 5,4 Millionen Exemplaren.

Warum ausgerechnet der?

Enormer Fahrspaß und geringe Unterhaltskosten müssen kein Widerspruch sein, das bewiesen die Konstrukteure des Mini schon vor 60 Jahren. Auf der Autobahn mögen andere schneller sein, beim Kurvenräubern kann man einem Mini so schnell nichts vormachen. Bei der Parkplatzsuche auch nicht: Der Knirps passt in fast jede Lücke.

Und heute? Obwohl angesichts verstopfter Städte eine Mobilitätswende notwendig ist, nehmen immer mehr Autohersteller Klein- und Kleinstwagen vom Markt, das Segment ist vom Aussterben bedroht. Opel etwa streicht die Modelle Karl und Adam, Ford den Ka.

Beim Mini brachte der neue Eigentümer BMW zwar 2001 das Folgemodell heraus. Doch das hat nicht viel mit dem klassischen Mini gemein, mit einem fast verdoppelten Leergewicht und vielen Extras wie Klimaanlage oder Airbags. Die SUV-Version Countryman bringt es sogar auf anderthalb Tonnen. Der Nachfolger schreibt sich dann auch ganz passend in Großbuchstaben: MINI.

Verfügbarkeit

Trotz der langen Bauzeit ist der Bestand arg dezimiert, weil die meisten Mini bis zum Exitus verschlissen wurden. MK III (1969 bis 1976) sind in Deutschland so gut wie ausgestorben, MK IV und V aus den Achtzigern rar. Breit ist das Angebot bei den frühen sowie späteren Jahrgängen – vom Restaurationsobjekt bis zur wiederaufgebauten Perle im Zustand 1.

Ersatzteilversorgung

Die ist super. Egal ob Verschleißteile, Bleche, Interieur-Zubehör oder Tuning: Für Mini-Fahrer gibt es praktisch alles. Allerdings sind die Qualitätsunterschiede groß. Der Club MMCK rät, stets die hochwertigsten Teile zu kaufen.

Ersatzteilpreise (beispielhaft)

  • Neue Tür unlackiert: ca. 700 Euro

  • Bremsscheibe 7,5 Zoll: Ab 50 Euro das Paar

  • Benzinpumpe: ab 40 Euro

  • Lichtmaschine: ab 90 Euro

Schwachstellen

Rost setzt allen Baureihen zu, vor allem unterhalb der Scheinwerfer, an Türunterkanten und Schwellern sowie an der Heckschürze. Wichtig ist auch eine regelmäßige Wartung, gerade was Antriebseinheit und Fahrwerk betrifft. Die Beseitigung von Reparaturstau und Standschäden kann ins Geld gehen. Bei Raritäten wie Cooper und Cooper S ist Betrug ein Problem. Weil original gebliebene Mini aus den 50er- und 60er-Jahren begehrt sind, werden Kfz-Papiere und Fahrgestellnummern gefälscht. Empfehlung: einen kompetenten Mini-Club einbinden.

Preis

Wer Lust auf eine Restauration hat, kann für 1500 Euro aufwärts einen verbrauchten Mini finden. Als fahrbereite "Einstiegsdroge" (Patrick Stellwag) wählt man lieber ein Auto ab etwa 7500 Euro. Gepflegte Fahrzeuge können fünfstellige Summen kosten, top-restaurierte MK1 über 20.000 Euro, Cooper und S auch weit mehr.

Anlaufstellen im Internet

www.mini-klassiker.de 

www.minicooper.org 

www.minispares.com 

www.faxe-racing.de 

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Lancia