Fotostrecke

Günstige Oldtimer: Mitsubishi Pajero

Foto:

Mitsubishi

Günstige Oldtimer: Mitsubishi Pajero Der Bergdoktor

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Mitsubishi Pajero, der auch Operationen in wüstem Gelände meistert.
Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Großvaters abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat – und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Allgemeines zum Modell

Mit dem Pajero zeigte Mitsubishi, dass sich auch reinrassige Geländewagen als Massenmodelle eignen. Von dem kantigen Hobel konnten die Japaner über drei Millionen Einheiten verkaufen, davon einige Hunderttausend in Deutschland. Los ging es hierzulande 1983, lange vor dem SUV-Boom. Damals waren Offroader noch ein Nischen-Produkt für Förster, Jäger und Alpenmilch-Bauern. Mit Leiterrahmen, Untersetzungsgetriebe und Differenzialsperre war der erste Pajero (L040) so geländegängig wie ein Land Rover oder eine Mercedes G-Klasse, kostete aber nur die Hälfte bis ein Drittel davon.

Als günstiger Oldtimer ist heute die 1990 eingeführte zweite Modellgeneration des Pajero interessant: Der dreitürige V20 und der fünftürige V40 mit sieben Sitzen. Frühe L040 sind rar und der zweite Pajero ist ohnehin das bessere Auto, jedenfalls wenn man ein Exemplar mit dem damals sensationellen Super-Select-4WD-Antrieb ergattert.

Beim neuen Pajero ließ sich der Allradantrieb an- und abschalten - und das während der Fahrt bei bis zu 100 km/h Geschwindigkeit. Möglich machte dies eine sogenannte Visco-Kupplung, die für ein optimales Kräfteverhältnis zwischen Vorder- und Hinterachse sorgt. Mit dem Super-Select-System konnten Pajero-Fahrer durchs Gelände wühlen und im nächsten Moment den Allradantrieb abschalten, um auf ebener Landstraße um die Kurven zu brettern. Oder man fährt im Winter mit Hinterradantrieb, bemerkt plötzlich, dass es glatt wird auf der Straße und schaltet während der Fahrt auf 4WD-Drive um. "Das Super-Select war damals das Nonplusultra. Das haben selbst heute die meisten Geländewagen nicht", sagt Stefan Kühner, Kfz-Meister und Experte für Mitsubishi aus dem thüringischen Eisfeld.

Immer auf dem Laufenden bleiben?

Fahrberichte, Analysen, aktuelle Nachrichten: So verpassen Sie keine Artikel aus der Rubrik Mobilität des SPIEGEL.

So aktivieren Sie Ihre Benachrichtigungen

Super-Select kostete beim Pajero Aufpreis, die Einsteigerversion GL bot bloß ein "Easy-Select" mit zuschaltbarem Allradantrieb und ohne Differenzialsperre. Der besser ausgestattete Pajero GLX hatte verbreiterte Radläufe, auf Wunsch auch eine Klimaanlage und bot Super-Select und Differenzialsperre hinten gegen Aufpreis. Das Spitzenmodell GLS ließ sich auch mit Schiebedach und Ledersitzen ausstaffieren. 90 Prozent aller Pajeros wurden mit Anhängerkupplung bestellt, denn die Wildkatze – dafür steht die zoologische Bezeichnung Pajero – konnte mächtig was wegziehen: der V20 2,7 Tonnen, bis 3,3 Tonnen Anhängelast der große V40.

Dafür sorgten robuste Diesel- und Benzinmotoren, bei den Selbstzündern zunächst ein 2,5-Liter-Diesel mit etwas schwächlichen 99 PS (später 115) und Zahnriemen. Besser passt der 1992 eingeführte 2,8 Turbodiesel mit Ladeluftkühler, der 125 PS bietet und wegen Steuerketten-Antriebs der Nockenwelle zudem wartungsarm ist. Nachteil bei den Diesel-Motoren: In Umweltzonen dürfen sie nicht hinein, ein Partikelfilter lässt sich aber nachrüsten.

Bei den Benzinern ist der 3,0 V6 mit 150 PS ein robuster Geselle, der durchaus seine 400.000 Kilometer schaffen kann. Mit dem Facelift 1997 gab es eine Leistungsspritze auf 177 PS beim kurzen V20 und auf 181 PS beim V40. Beliebtester Motor ist der große 3,5 V6 DOHC mit 208 PS und satten 300 Newtonmetern Drehmoment. 1997 kam eine Nockenwelle pro Zylinderkopf raus und der Motor leistete nur noch 194 PS bei dafür 313 Nm.

Dass der Pajero so ein großer Erfolg wurde, lag wohl daran, dass er ein so guter Allrounder war. Mit seiner Rahmen-Konstruktion und dem praktisch einzigartigen Allradsystem taugte er nicht nur als vollwertiger Geländewagen, sondern machte auch auf der Straße eine gute Figur – insbesondere die ab 1994 angebotene schicke Cabrio-Version.

Dazu kamen sensationelle Erfolge als Rallyewagen, unter anderem bei der Paris-Dakar, wo das Auto ein Dutzend Siege einfuhr. 2001 gewann Jutta Kleinschmidt auf einem Pajero als erste Frau die berühmte Rallye.

Fotostrecke

Günstige Oldtimer: Bock auf Blech? Bitte hier lang

Foto: Renault

Zu dem Zeitpunkt war bereits die dritte Modellgeneration, der Pajero V60, auf dem Markt. Der kam aber nicht mehr so gut an. Hardcore-Fans war der Aufbau zu rund, dazu kam eine fehlerhafte Technik durch anfällige Stellmotoren. 2002 legte Mitsubishi den bewährten V20 daher noch einmal für drei weitere Jahre neu auf. Diesen "Pajero Classic" gab es aber nur mit dem kleinen 2,5 Turbodiesel, auch der Super-Select-Allradantrieb war nicht verfügbar.

Warum ausgerechnet der?

Man kann sich schon fragen, warum heute in den Großstädten so viele Geländewagen herumfahren. Fakt ist, dass der Mitsubishi Pajero die Offroad-Nische in ein Volumensegment verwandelte. Dabei ist der Pajero V20/V40 noch Geländewagen pur. Dank des Leiterrahmens ist die Karosserie nur aufgeschraubt, man kann sie zum Reparieren kurzerhand abnehmen. Dazu kommt das geniale Super-Select-System. "So eine Visco-Bremse ist heute noch ein sehr großer Pluspunkt bei Geländewagen", sagt Fachmann Kühner. Zum Auslaufmodell wird der Pajero trotzdem. Mitsubishi hat sich entschlossen, ihn nach fast 40 Jahren Modellgeschichte 2021 einzustellen. Als Neuwagen ist die vierte und letzte Modellgeneration V80 schon nicht mehr erhältlich. Aber man kann ihn als Klassiker fahren, laut Mitsubishi handelt es sich schließlich um eine Allrad-Ikone: "Mit einem Pajero fahren Sie immer auch ein Stück Offroad-Geschichte."

Verfügbarkeit

Die meisten gebauten Mitsubishi Pajero sind längst den Rost-Tod gestorben. Wegen der hohen Stückzahlen gibt es aber noch viele Veteranen, auch wenn man nach einem rostfreien Exemplar vergeblich suchen wird. Dafür findet man noch Kandidaten mit allen Motorisierungen, wobei die langen Pajeros mit dem 3,0-Liter-V6 überwiegen. Auffällig viele Pajeros mit Automatikgetriebe haben überlebt, vielleicht weil diese eher gemütlich gefahren wurden.

Ersatzteilversorgung

Verschleißteile wie Bremsen, Reifen oder Abgasanlagen sind problemlos erhältlich. Auf Ersatz für die fast immer rostenden Tanks haben sich Händler aus Polen spezialisiert. Mitsubishi kann noch mit verstellbaren Stoßdämpfern für die GLS-Modelle aufwarten, verlangt dafür aber 600 Euro pro Stück. Die meisten GLS-Fahrer rüsten daher auf normale Dämpfer um. Blechteile gibt es auch noch viele, etwa Reparaturbleche für Kotflügel und Radläufe zum Einschweißen. Das Gros der Türen ist dagegen gebraucht.

Ersatzteilpreise (beispielhaft)

  • Satz Bremsen vorne: ca. 260 Euro

  • Kotflügel gebraucht: ab 60 Euro

  • Zahnriemenwechsel: je nach Motorisierung zwischen 600 und 1.200 Euro

  • Tank (Repro): 350 Euro

Schwachstellen

Rost setzt allen Pajeros der zweiten Modellgeneration zu. Fast immer gammelt es unter den Plastikabdeckungen der Radläufe, auch Benzinleitungen und der Tank bleiben selten verschont. Bei Rost am Rahmengestell kennt man besser einen guten Karosseriebauer. Es sei aber ein Mythos, dass der Leiterrahmen nicht geschweißt werden könne, sagt Experte Kühner. Wenn die Karosserie wegen durchgefaulter Aufnahmepunkte durchhängt, nimmt man gleichwohl besser Abstand von seinem Wunsch-Pajero. Unauffällig sind in der Regel die verstärkten Getriebe und Differenziale bei den großen Pajero 2800 TD oder 3.0/3.5 V6. Die Motoren sind für hohe Laufleistungen gut, beim überforderten und überhitzen 2,5 TD brennt jedoch mal die Zylinderkopfdichtung weg. Der 2,8 TD läuft souveräner, hat aber oft Probleme mit der Einspritzpumpe. Eine neue kostet bei Mitsubishi 3.500 Euro, eine Überholung bei Bosch nur ein Drittel davon. Indiz für eine malade Pumpe ist, wenn das Motoröl nach Diesel riecht.

Preis

Fahrende Baustellen finden sich ab 1500 Euro, meist mit dem 2,5-Liter-Einsteigerdiesel unter der Haube. Ordentliche Exemplare kosten 3500 Euro aufwärts. Für topmotorisierte Pajero 3500 V6 oder gut ausgestattete Cabrios werden auch 8000 Euro und mehr verlangt.

Anlaufstellen im Internet

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.