Moderator Christian Clerici "Unser Plymouth Barracuda ist ein echtes Monster"

TV-Star, Triathlet, Autonarr: Der Moderator Christian Clerici hat ein Faible für schnelle Fahrzeuge. Mit SPIEGEL ONLINE spricht er über seine Freundschaft mit Airbrush-Künstler Knud Tiroch, seinen Plymouth Barracuda - und sein selbstdesigntes Fahrrad im Hot-Rod-Look.


SPIEGEL ONLINE: Herr Clerici, wie kommt man als Moderator der romantischen TV-Show "Herzblatt" ins Rennteam eines ausgewiesenen Bad Boys wie Knud Tiroch?

Christian Clerici: Ich ließ seinen Sohn mein Rennauto fahren, einen Sierra Cosworth. Und wurde dabei Knuds bester Freund.

SPIEGEL ONLINE: Der Sierra ist ein Rallye-Autos aus den Achtzigern. Wir dachten, Herr Tiroch steht eher auf US-Muscle-Cars

Clerici: Stimmt. Knud weigerte sich sogar, in den Sierra einzusteigen. Aber sein Sohn Dominic wollte in meinem Wagen unbedingt ein Rennen auf dem Hockenheimring bestreiten. Schon nach wenigen Runden hatte der Cosworth einen Motorschaden. Es war vernichtend. Totalschaden. Auf der Heimfahrt nach Wien sagte ich überhaupt nichts mehr. Irgendwann hatte Knud Mitleid und meinte, er habe in seiner Halle noch so ein altes Cuda-Kastl stehen, das könnten wir zusammen herrichten.

SPIEGEL ONLINE: Ein Cuda-Kastl, was ist das?

Clerici: Das habe ich auch erst später kapiert. Das Cuda-Kastl ist ein All American Racing Plymouth Barracuda von 1970. Ein echtes Monster. So haben wir angefangen. Knud spendete die Karosserie, machte die ganzen Lack- und Design-Arbeiten, und ich kaufte die Innereien ein.

SPIEGEL ONLINE: Wo bekommt man für solch einen Wagen noch Ersatzteile?

Clerici: In Amerika, dort gibt es seit den siebziger Jahren Firmen, die jedes Tuning-Teil auf Lager haben. Jetzt fährt der Cuda mit einem 6,6-Liter-Mopar-Performance-Maschine, 500 PS und einer Auspuffanlage von Sebring.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie denn ein Schrauber?

Clerici: Wir haben natürlich einen Rennmechaniker. Aber ich bin ein totaler Tüftler und weiß im Kern, worum es geht. Ich habe ein Jahr lang eine Lehre als Automechaniker gemacht und viereinhalb Jahre Erdöltechnik studiert ...

SPIEGEL ONLINE: ... und haben anscheinend bei Knud Tiroch richtig Blut geleckt?

Clerici: Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Wir sind ein kleines Team und schaffen gemeinsam einzigartige Dinge. Wir bauen zurzeit auch ein Triathlonfahrrad und haben uns einen 200 Quadratmeter großen Hangar hingestellt. Damit habe ich mir einen Jugendtraum erfüllt und ein Werkstattbüro eingerichtet.

SPIEGEL ONLINE: So ein klassisches Werkstattbüro mit Matratze und Kühlschrank voller Bier?

Clerici: Ja, genau so. Mit Dusche, Autoheften und Playstation - wie man es sich ein Leben lang erträumt.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie im vergangenen Jahr auch Rennen gefahren?

Clerici: Kein einziges. Wir sind mit dem Wagen zu früh rausgefahren. In Monza ist uns bei 280 km/h Kolben Nummer sieben komplett um die Ohren geflogen.

SPIEGEL ONLINE: Und nach dieser Erfahrung bauen sie jetzt lieber ein Fahrrad?

Clerici: Nein, das ist für den Ironman, an dem ich in den vergangenen Jahren zweimal teilgenommen habe. In dieser Zeit fuhr ich tolle Räder - nur: Die fuhr jeder. Das Bike, das wir jetzt bauen, wird das absolute Hightech-Rad. Mit Komponenten aus den Edelschmieden Cucuma und Xentis und handdesignt von Knud Tiroch.

SPIEGEL ONLINE: Versprechen Sie sich einen Leistungszuwachs mit dem Rad?

Clerici: Nein. Ich bin in meinem zweiten Ironman im ersten Drittel gelandet. Für Profis ist das Ergebnis ein Witz, für mich als Quereinsteiger ein sensationeller Erfolg. Es ist bei meinem Level in Wahrheit nicht entscheidend, was für ein Fahrrad ich fahre. Die hohen Geschwindigkeiten, die mit unserem Rad möglich sind, kann ich auf lange Distanzen nicht halten.

SPIEGEL ONLINE: Und warum dann das Ganze?

Clerici: Weil ich Individualist bin! Ich möchte etwas haben, was sich von der Masse abhebt. Von dem Fahrrad wird es nur 15 handsignierte Einzelstücke geben. Das Rad bekommt das Hot Rod-Hangar-Design: Ein mattschwarzes Fahrrad, das von vorne bis hinten brennt. Ich werde beim nächsten Ironman als mattschwarzer Athlet auf einem mattschwarzem Hot-Rod-Bike starten.

SPIEGEL ONLINE: Ironman, Autorennen, TV - klingt nach ziemlich viel Stress.

Clerici: Das Training für den Ironman ist ein Halbtagsjob, da muss ich mich gut organisieren. Aber wenn ich morgens zwei Stunden laufen war, hab ich den Kopf frei. Da höre ich mir die Probleme in Redaktionskonferenzen ganz gelassen an. Und Rennfahren ist für mich absolute Entspannung. Im Kreis zu fahren hat für mich etwas Meditatives.

SPIEGEL ONLINE: Dann war Michael Schumacher unentspannt?

Clerici: Man muss das unterscheiden. Ich fahre nicht auf professioneller Ebene. Rennfahren ist mein Hobby, mir fehlt der Druck. Trotzdem bin ich kein Pazifist auf der Rennstrecke, ich möchte schon vorne mitfahren.

SPIEGEL ONLINE: Was sind Sie denn für ein Fahrer?

Clerici: Ein umsichtiger, schließlich fahre ich ein Auto, das wir mit Herz und Liebe gebaut haben. Auf diesem Niveau gibt es nicht viele Rennwagen. Bei 310 Stundenkilometer muss vor der Kurve einer nachgeben. Sechs Fahrer passen nicht gleichzeitig durch.

SPIEGEL ONLINE: Und, geben Sie nach?

Clerici: Ich fahre als zweiter.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind ein TV-Mann, macht das Hot-Rod-Hangar-Team auch Fernsehen?

Clerici: Wir haben einen Pilotfilm gedreht, der Anfang April auf DMAX lief. Da wird gezeigt, wie aus dem Cuda-Kastl ein Rennwagen wird.

SPIEGEL ONLINE: Ein Schrauberfilm - ähnlich wie die Ludolfs auf Ihrem Schrottplatz?

Clerici: Genau, wie die Ludolfs, nur klug und schön.

Das Interview führte Andrea Reidl.



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