Schönes Ding: Nissan Blade-Glider Japanische Luftnummer

Die Automobilgeschichte ist voll von irren Studien, die erst begeisterten und dann verschwanden. SPIEGEL ONLINE zeigt die verrücktesten Visionen. Diesmal: Der Nissan Blade-Glider, ein Elektroauto in Pfeilform.

Nissan

Von Martin Wittler


Wenn über Elektroautos gesprochen wird, ist die Reichweite meist zentrales Thema. In einer aktuellen Umfrage des Energiekonzerns E.on beispielsweise wünschten sich mehr als vierzig Prozent der Befragten Elektroautos, die mehr als 450 Kilometer weit fahren können. Logisch, dass die Autohersteller um jeden Kilometer zusätzlicher Reichweite ringen. Die Kehrseite dieser Reichweiten-Fixierung: Viele E-Autos werden dabei zu Schwergewichten. Denn je größer der Akku, desto schwerer ist er.

Im November 2013 wollte Nissan mit einem Konzeptauto beweisen, dass es auch anders geht. Auf der damaligen Tokyo Motor Show präsentierte das japanische Unternehmen die Studie Blade-Glider - einen auf Aerodynamik ausgelegten Elektrosportwagen mit exotischer Optik.

"Unser Ziel war es, die Fahrzeugarchitektur von Grund auf umzugestalten", sagte Francois Bancon, der damalige Chefstratege bei Nissan, bei der Präsentation des Blade-Glider-Konzepts. Und beim japanischen Elektroflitzer war in der Tat wenig so gestaltet, wie man das erwartet hätte, weil beim Blade-Glider die Aerodynamik alles bestimmte: Je geringer der Luftwiderstand ist, auf den der Wagen trifft, desto weiter kann der Blade-Glider mit einer Akkuladung fahren.

Techniktransfer aus dem Motorsport

So kam die aufsehenerregende Fahrzeugform zustande, eine Art Hightech-Faustkeil. Das Konzeptauto war vorn deutlich schmaler als hinten. Von oben betrachtet ergab sich so die Form einer Pfeilspitze. Auch unter dem Auto wurde der Luftführung große Bedeutung beigemessen: ein spezieller Unterboden aus Carbonfaser-Verbundstoff sollte besonders viel Abtrieb erzeugen.

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Schönes Ding: Nissan Blade-Glider: Japanische Luftnummer

Nissan griff beim Bau des Blade-Glider auf Know-how aus dem Motorsport zurück. Bereits ein Jahr vor der Präsentation des Blade-Glider-Fahrzeugkonzepts hatte Nissan - außer Konkurrenz - beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans mit dem Rennwagen-Prototyp "Delta Wing" teilgenommen. Der Wagen hatte, genau wie der Blade-Glider, eine vorn deutlich schmalere Spur als hinten. Zudem war das Gewicht des Le-Mans-Renners zu etwa 70 Prozent auf die Hinterachse verlagert - ein Technik-Clou, auf den auch die Konstrukteure beim Bau des Blade-Gliders setzten, um so ein besseres Kurvenhandling zu ermöglichen. Der Blade-Glider zeigte damit auch, dass der Techniktransfer vom Rennsport auf die Straße zumindest theoretisch möglich sein kann.

Als Antrieb waren beim Blade-Glider zwei Radnabenmotoren an den Hinterrädern verbaut. Der Stromspeicher, ein Lithium-Ionen-Akku, war ebenfalls möglichst weit im Heck platziert. Er stammte allerdings nicht aus dem Rennsport, sondern aus Nissans Elektro-Kompaktwagen Leaf.

"Eng verbunden mit der Freiheit eines Segelfliegers"

Bei Nissan beschrieb man das Konzeptfahrzeug als "eng verbunden mit der stillen Freiheit eines Segelfliegers". Das betraf sowohl die äußere als auch die innere Gestaltung. Dort, im Innenraum erweckten Instrumentierung und Lenkraddesign den Eindruck, als befinde man sich in luftiger Höhe im Cockpit eines Flugzeugs. Platz nehmen konnten im Konzeptwagen drei Personen. Die beiden Beifahrerplätze waren jeweils schräg versetzt hinter dem mittig positionierten Fahrer angeordnet. Durch diese Raumaufteilung konnten auch große Menschen in der zweiten Reihe ihre Beine ausstrecken. Der Einstieg erfolgte durch Flügeltüren. Das gläserne Kuppeldach ermöglichte den Fahrzeuginsassen einen 360-Grad-Rundumblick.

Kurz nach der Premiere der Studie stellte Nissan im November 2013 klar, dass der Konzeptwagen auf ein künftiges Serienmodell hinweisen würde. Bis heute jedoch fehlt von diesem angeblichen Serienmodell auf den Straßen jede Spur.

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06.12.2019, 02:54 Uhr
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Im Rennsport hingegen rollte nur ein Jahr später mit dem Nissan ZEOD RC ein technikverwandtes Gefährt - ebenfalls in Pfeilform - auf die Piste. Der Blade-Glider wiederum kehrte 2016 im Rahmen der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro noch einmal zurück - als überarbeiteter, voll funktionsfähiger Prototyp. Gleich zwei Exemplare kurvten zwischen den Sportstätten hin und her. Unterstützung erhielt Nissan bei der Antriebstechnologie von der englischen Firma Williams Advanced Engineering. Die beiden Prototypen sind derzeit auch bei Williams eingelagert - oder sie sind auf Tournee und werden bei Ausstellungen gezeigt.

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felisconcolor 19.11.2019
1. Der
Dreisitzer wäre genau nach meinem Geschmack. Sieht pfiffig aus und zeigt das Autos nicht wie Tupperdosen aussehen müssen und ist im Inneren trotzdem nicht so überladen mit irgendwelchen online Gimmicks die ich eh nie brauche. Und ist elektrisch... ach ja da war ja wieder das Problem geht überall nur nicht in Deutschland. Wäre halt blöd wenn ich das Ladekabel aus dem Küchenfenster quer über den Fussweg hängen lassen müsste. Gäbe bestimmt Mecker. Also verbrennen wir weiter fleissig Benzin und Diesel.
rgw_ch 19.11.2019
2. Konzeptfehler
Die Aerodynamik spielt bei den heutzutage mehrheitlich real gefahrenen Geschwindigkeiten keine entscheidende Rolle. Deshalb ist ja auch der Cw-Wert als kaufentscheidendes Kriterium generell weitgehend in Vergessenheit geraten, und SUVs setzen sich trotz der grossen Querschnittsfläche durch. Hingegen spielt die schlechte Raumökonomie der Pfeilform im Alltag eine grosse Rolle: Aussen Platzbedarf eines Rechtecks von der Breite der Hinterachse diktiert, innen Raumangebot von der Breite der Vorderachse diktiert. Daher würde höchstens jemand, der auch ein Trike kauft, so ein Auto kaufen. Und wieviele Trikes sieht man so durchschnittlich im Alltag? Gegen die Reichweitenangst helfen nicht krude Konzeptautos, sondern nur die zunehmende Alltagserfahrung: Je mehr Leute ein Elektroauto fahren, desto mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Reichweite gar kein so grosses Problem ist, wie man immer dachte...
akase93 19.11.2019
3. Segelfliegerfeeling...
das trifft den Nagel auf den Kopf. Wunderbares Design. Wäre ganz mein Geschmack. Den Sportschnickschnack würde ich optional anbieten und 190 muss er auch nicht bringen - wo soll er die denn auch fahren? Wenn nur die Reichweitenproblematik nicht wäre. optimal wäre, wenn man an jeder Tankstelle einen Austauschakku "tanken" könnte. das erfordert allerdings Absprachen bei den Herstellern bzgl. Kompatibilität. Was bei Batterien geht, kann ja auch bei Autos nicht so schwer sein. Wollen muss man. Dann wäre E-Mobil kein Problem.
Erika.Mustermann@spon.de 19.11.2019
4. Eine Frage in die Runde
Man stelle sich vor den Artikel nicht gelesen zu haben, den "Hersteller" des Prototypen nicht zu kennen. Welchem bekannten Automobilbauer würde man dieses Design zuordnen? Bisheriges, natürlich nicht repräsentatives, Ergebnis: 100% Stimmen für BMW. Fazit: Langweiliges Design, technisch kein Fortschritt.
MartinB. 19.11.2019
5. Jetzt nicht so die Überraschung...
Ich bin es langsam leid von der Autoindustrie immer wieder wilde "Konzepte" vorgelegt zu bekommen, die nur wiederholen, was seit _Jahrzehnten_ schon in Kleinserien gebaut wird. (Man google mal "CityEL". Den gibt es seit 1987...) Immer schön noch mehr Geschwindigkeit und / oder Reichweite, immer noch teurer, immer noch ein Konzept... Bringt endlich massentaugliche Fahrzeuge in Großserie! Mich (und die überwiegende Mehrheit) interessiert kein Supersportwagen, und kein Reichweitenwunder für hunderttausend Euro. Ich will ein Fahrzeug, mit dem ich zur Arbeit, zum Supermarkt, zu Freunden in der Nachbarstadt und wieder zurück komme, und das ich auch bezahlen kann.
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