Günstige Oldtimer Alfa Romeo 164 Bella Macchina braucht keinen Soundchip

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Alfa Romeo 164, die sportive Limousine mit den Kult-Motoren.

Alfa Romeo

Von Haiko Prengel


Günstige Oldtimer
    Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

    Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Allgemeines zum Modell

Eingefleischte Alfisti rümpften die Nase, als 1987 der Alfa Romeo 164 erschien. Ganz untypisch für die Traditionsmarke aus Italien rollte die neue Limousine der oberen Mittelklasse mit Vorderrad- statt Hinterradantrieb an. Dafür entschädigte der Wagen mit sahnigen Motoren und einer gehobenen Ausstattung.

Der 164 sollte so das Überleben der Traditionsmarke Alfa Romeo sichern, die in den 1980er Jahren wirtschaftlich am Boden lag. 1986 folgte die Übernahme durch Fiat, der 164 war noch davor geplant worden.

Technisch basierte der 164 auf der Tipo-4-Plattform wie Lancia Thema, Fiat Croma und Saab 9000. Die Geschwister waren bei Italdesign entstanden und 1987 schon einige Jahre auf dem Markt. Für den 164 ließ Alfa Romeo das Karosseriekleid dagegen bei Pininfarina entwerfen. Das Ergebnis war eine schnittige Keilform praktisch ohne jede Rundung.

Durch den Frontantrieb fiel der Getriebetunnel kleiner aus. Dadurch wurde mehr Platz im Innenraum frei, auch das Kofferraumvolumen war ordentlich. "Der 164 ist ein schöner Reisewagen", unterstreicht Thomas Bücker, Typreferent für den 164 beim Alfa-Romeo-Club Deutschland.

Die Kunden seien gut betuchte Individualisten gewesen, die einmal etwas anderes wollten als BMW 5er oder Mercedes E-Klasse: nämlich ein schickes italienisches Design mit sportlicher Technik und guter Ausstattung. So waren elektrische Fensterheber vorne beim Alfa 164 Serie (beim Mercedes W124 kurbelte man in der Basisausführung per Hand). Dazu gab es eine Zentralverriegelung mit Infrarotfernbedienung, Alufelgen und Heckrollo.

Auch die Motoren mussten die Konkurrenz zu BMW und Mercedes nicht scheuen. Die rotzigen Twin-Spark-Vierzylinder (mit leistungssteigernder Doppelzündung) waren vom Alfa 75 bekannt und mit knapp 150 PS schon keine Leichtmatrosen. Ein Zwei-Liter-Turbo bot 175 PS. Wer es sich leisten konnte, wählte den großen V6-Motor. Die Drei-Liter-Aggregate mit 180 PS begeistern noch heute mit seidenweichem Lauf und angemessener Power für die anderthalb Tonnen schwere Limousine. Mit der Modellpflege 1992 (alle 164 hießen von da an "Super") kam das Top-Modell QV (Quadrifoglio Verde) hinzu: Der 24-Ventil-Sechszylinder leistete 232 PS und beschleunigte den Alfa Romeo auf bis zu 245 km/h. Die 2,5-Liter-Diesel-Version (der Selbstzünder kam von VM Motori) durfte sich Anfang 1987 sogar schnellster Serien-Diesel-Pkw der Welt nennen. Exoten sind heute die Allrad-Versionen Q4, die nur rund 1.200 Mal gebaut wurden.

Warum ausgerechnet der?

Schon die Twin-Spark-Vierzylinder sind zornig, aber der Sound eines "Arese-V6" kann süchtig machen. So heißt der kernig-röhrende Drei-Liter-Sechszylinder, der zu den legendären Alfa-Romeo-Maschinen gehört und auch im164 verbaut wurde. Moderne Autos bekommen Soundchips und Klappenauspuffe, damit sie nach etwas klingen. Darüber können Alfa-164-Fahrer nur lachen.

Mit Klimaanlage und bequemen Ledersitzen macht das Reisen (nicht nur das Rasen) auch heute noch Spaß mit dem Italiener - zumal der Viertürer mit seinem großzügigen Platzangebot auch prima als Familienauto taugt. Nur mit dem Frontantrieb muss man sich arrangieren. Wer sein Auto auch gerne mit dem Gaspedal lenkt, wählt lieber einen Hecktriebler. Aber will man mit einer edlen Limousine wie dem Alfa Romeo 164 driften?

Verfügbarkeit

Trotz knapp 270.000 verkaufter Exemplare (Produktionsende war 1997) ist der 164 selbst auf Alfa-Romeo-Treffen selten geworden. Dennoch wird man in den Gebrauchtwagenportalen recht schnell fündig. Selbst Sechszylinder-Modelle sind bezahlbar. Hohe Laufleistungen über 200.000 Kilometer sind allerdings die Regel. Gehätschelte Wagen aus Erst- oder Zweithand sind selten.


Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

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Günstige Oldtimer: Bock auf Blech? Bitte hier lang

Ersatzteilversorgung

Verschleißteile wie Bremsen oder Nebenaggregate der Motoren sind noch gut zu bekommen. Hier zahlt sich die gemeinsame Plattform mit den anderen Tipo-4-Modellen aus. Bei Blech, Interieur und Zierrat wird es schwieriger. Clubs und Foren können weiterhelfen. Ganz schlecht sieht es bei Ersatz für den wenig gebauten Q4-Allrad aus. Viele Teile sind nicht mehr lieferbar, mit der speziellen Elektronik sind Werkstätten heute meist überfordert.

Ersatzteilpreise (beispielhaft)

  • Kotflügel vorne, gebraucht: ab 50 Euro
  • Satz Bremsscheiben vorne: ab 80 Euro
  • Wasserpumpe: ca. 100 Euro
  • Zahnriemenwechsel beim V6: ab 800 Euro in Werkstätten

Schwachstellen

So schlimm wie der ältere Bruder Alfasud rostet der 164 zwar nicht. Korrosion an Radläufen, Federtellern und dem Hinterachsrahmen machen dennoch oft Probleme. Nerven können auch Ausfälle der Bordelektrik - bei Hunderten Steckverbindungen kann die Fehlersuche dauern. Aufwendig ist der Wechsel der Zahnriemen, der alle fünf Jahre fällig ist. Zudem werden die Kunststoffe im Alter hart und brüchig. Die Alfa-Motoren indes sind bei normaler Wartung für 300.000 Kilometer und mehr gut.

Preis

Ab etwa 1.500 Euro gibt es fahrbereite Exemplare, mitunter sogar mit gültigem HU-Siegel.

Diverse Baustellen sind in dieser Preisregion wahrscheinlich. Auch gepflegtere V6 kann man für unter 5.000 Euro finden. Liebhaberstücke mit Allrad (Q4) werden mit 15.000 Euro und mehr gehandelt.

Anlaufstellen im Internet

insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
davyjones 22.09.2019
1. Oha,
da ist der Autor aber sowas von nicht auf der Höhe der Zeit. 232 PS und 245 km/h Spitzengeschwindigkeit? Wenn das Frau Thunberg liest...Ist aber ein schönes Beispiel für den Umgang der Medien mit dem Thema Klimaschutz. Vorne wird die Welt gerettet und in der Schmuddelecke darf der Autofan seine Bedürfnisse befriedigen.
bloßmolwassage 22.09.2019
2. Um Himmels willen,
Zitat von davyjonesda ist der Autor aber sowas von nicht auf der Höhe der Zeit. 232 PS und 245 km/h Spitzengeschwindigkeit? Wenn das Frau Thunberg liest...Ist aber ein schönes Beispiel für den Umgang der Medien mit dem Thema Klimaschutz. Vorne wird die Welt gerettet und in der Schmuddelecke darf der Autofan seine Bedürfnisse befriedigen.
wieviel km jährlich fährt der Käufer solch eines Alfas mit dem Wagen wohl jährlich?
romeov 22.09.2019
3. @davyjones
...so ändern sich die Zeiten, früher hatten die Jungs Benzin im Blut, heute eher laktosefreie Getränke und Bio-Müsli zum Frühstück. Dafür bekommen sie einen hysterischen Anfall, wenn es keinen Zugang zum WELAN gibt.
Alter Falter 22.09.2019
4.
Jo. Bella Machina. Alter stinkender Alfa gut. Kleiner SUV böse. So ticken die Medien.
dorfdödel 22.09.2019
5. Schön,
das es solche Autos noch gibt. Den würde ich noch jeden Tag bewegen, trotz Thunfisch und Co. Meine "Laufleistung" ist mittlerweile so hoch das ich das Ende des Planeten eh nicht mehr mitkomme und die "letzten Kilometer" will ICH meinen Spass. Dazu gehören auch solche hervorragenden Fahrzeuge. Meine Karre ist übrigens 30 Jahre alt und mit jeden Tag länger wir auch mein CO2 Abdruck besser, nur um das mal zu erwähnen.
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