Günstige Oldtimer: Ford Probe Ein Sofa zum Cruisen

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Ford Probe, der einst den legendären Mustang ersetzen sollte.

René Schumacher/ Felix Ullmann

Von Haiko Prengel


Günstige Oldtimer
    Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

    Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Allgemeines zum Modell: Als der Ford Probe vor 30 Jahren in den USA auf den Markt kam, stand er vor einer schweren Aufgabe. Das neue Sportcoupé sollte in der Modellpalette die Lücke zum höher angesiedelten Mustang schließen und das legendäre Pony Car sogar mittelfristig ablösen.

Doch daraus wurde nichts. Nicht nur, weil der Probe anfangs mit vergleichsweise mickrigen Vierzylindermotoren - ein Mustang verfügte über acht Töpfe - vom Band im Ford-Werk Flat Rock in Michigan rollte. Hinzu kam, dass der Probe mit seinen hübschen Klappscheinwerfern im Grunde nur ein verkappter Mazda war.

Bei der Entwicklung des Probe kooperierte Ford eng mit dem japanischen Hersteller. Der Probe teilte sich eine Fahrzeugplattform mit dem Mazda 626 teilten, auch die Motoren waren identisch: ab 1988 zunächst ein 2.2-Liter-Vierzylinder mit 115 PS und ein 2.2-Liter-Turbo mit 147 PS. 1990 kam der einzige richtige Ford-Motor - ein Dreiliter-V6 mit 12 Ventilen und 141 PS - dazu.

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Ford Probe: Sportcoupé mit Alltagsnutzen

Zu den deutschen Ford-Händlern kam der Probe ab 1989 und füllte eine noch größer klaffende Lücke im Produktportfolio des Herstellers: Seit dem Produktionsende des erfolgreichen Capri im Jahr 1986 hatte Ford Deutschland kein Sportcoupé mehr im Programm. Opel feierte derweil mit dem Calibra Erfolge, VW bot den Corrado an.

Bei den Motoren hielt Ford durchaus mit der Konkurrenz mit. Der 2.2-Liter-Turbo wurde mit 147 PS und einer Top Speed von 225 km/h angegeben. "Der Motor streut aber sehr weit, es wurden auch Aggregate mit 190 PS gemessen", sagt René Schumacher aus Ludwigslust, der seit fast 20 Jahren Ford Probe fährt.

Beim Fahrwerk zeigt sich, dass der Probe ein US-Auto ist. Das Coupé fährt sich ziemlich weich. "Ich sage immer: Zwischen weich und Sofa", sagt Schumacher. Das Fahrwerk im Probe ist in drei Stufen elektrisch verstellbar, das war vor 30 Jahren ein Highlight. US-Fahrzeuge waren auch mit Automatikgetriebe verfügbar, was das Sänftengefühl noch steigerte. Importe für den europäischen Markt verfügten dagegen über ein Schaltgetriebe. Eine Automatik war auch gegen Aufpreis nicht erhältlich. Dafür waren Komfortextras wie elektrische Fensterheber oder eine verstellbare Lenksäule serienmäßig, Schaltknauf und Lenkrad stets edel mit Leder überzogen.

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Autojahrgang 1989: Neues Jahr, neue Oldtimer

Zum Modelljahr 1993 brachte Ford eine neue Modellgeneration des Probe heraus. Fortan teilte sich der Wagen Technik und Plattform mit dem Mazda MX-6. Der Vierzylinder-Sauger schrumpfte auf zwei Liter Hubraum, brachte es dank Vierventiltechnik aber wieder auf 115 PS. Dazu gesellte sich ein mondäner 2,5-Liter-V6 mit 24 Ventilen und nun 163 PS. Mit einem Verkaufspreis von 42.000 Mark war der Probe 24V aber kein Schnäppchen.

Auch im Design unterschied sich der neue Probe vom Vorgänger. Während die erste Generation kantig markant daher kommt, ist die zweite Generation eher rund designt.

Technisch bot die erste Serie neben einem in der Härte verstellbarem Fahrwerk auch automatische Gurte, die beim Einschalten der Zündung Fahrer und Beifahrer anschnallen. Dies war Voraussetzung für die Zulassung ohne Fahrerairbag in den USA. Die zweite Generation bot zwar kein verstellbares, dafür aber ein technisch deutlich ausgereifteres Fahrwerk als der Vorläufer. Doch weder mit der ersten noch der Nachfolgeversion konnte der Ford Probe eine breite Käuferschaft überzeugen. 1997 wurde die Produktion eingestellt.

Warum ausgerechnet der? Klappscheinwerfer waren Ende der Achtziger eigentlich schon aus der Mode. Umso cooler ist es, wenn man heute mit einem Ford Probe die Frontlichter ausfährt und mit der Lichthupe freundlich blinzelt. "Da freuen sich Kinder auf Straße heute noch darüber", sagt René Schumacher. Apropos Kinder: Obwohl als 2+2-Sitzer konzipiert, ist der Ford Probe durchaus alltagstauglich. Sofern die Mitfahrer nicht allzu groß sind, taugt das Sportcoupé als Reiseauto für vier Personen.

In den Kofferraum passen laut Schumacher sieben Cola-Kisten - und wenn man die Rücksitzbank umklappt, sogar ein Kühlschrank oder das ein oder andere Möbelstück. Dank der potenten Motoren schwimmt der Ford Probe heute noch problemlos im Verkehr mit. Wer es besonders entspannt haben möchte, sucht nach einem US-Modell mit V6 und Automatik: Das Cruising-Gefühl ist unschlagbar.

Ob nun die erste oder die zweite Generation die bessere Wahl ist, darüber streitet sich die Probe-Gemeinde. Fahrer des ersten Probe schwören auf den Turbo Motor. Zweier-Fahrer meinen, dass der V6 der beste Motor sei. Wer einen haltbaren Motor mit viel Drehmoment und Reserven sucht, ist mit dem Einser GT Turbo gut bedient. Wer einen kultivierten Motor mit Leistung will, für den ist der V6 24V eine gute Wahl. Wer ein Alltagsauto mit zeitloser Optik bevorzugt, ist mit dem 16V-Modell der zweiten Generation gut beraten.

Verfügbarkeit: Die Verkaufszahlen des Probe waren damals recht übersichtlich. Im ersten Produktionsjahr verkaufte Ford 226.000 Stück weltweit, danach gingen die Absatzzahlen aber merklich zurück. Ähnlich war es beim Probe 2: Von knapp 193.000 im Jahr 1992 auf zuletzt 22.000 im Jahr 1997. Gute Autos der ersten Modellgeneration sind daher rar geworden, die der zweiten werden noch recht häufig angeboten.

Beim Zustand von Karosserie und Technik ist die Bandbreite groß. Viele Ford Probe wurden als Gebrauchsautos heruntergeritten. Gepflegte Ersthandautos aus der Garage sind selten. Eine Fahrzeughistorie mit Reparaturbelegen ist Gold wert, oft entpuppen sich vermeintliche Schnäppchen als Resterampen mit Reparaturstau - das hat der Probe mit vielen anderen Oldtimern gemein.

Ersatzteilversorgung: Dank der vielen Gemeinsamkeiten mit den Mazda-Pendants finden sich gängige Verschleißteile für den Ford Probe wie Motor oder Bremsanlage noch ohne Probleme - auch über Mazda oder den Aftermarket. Schwieriger wird es bei Ersatz fürs Blech. Kotflügel sind neu nicht mehr lieferbar. Ähnlich sieht es bei Zierleisten und anderem Dekor sowie Interieurteilen aus. Hier ist man auf Hilfe von Clubs und Foren angewiesen. Außerdem haben etliche Teilehändler noch Material aus Schlachtautos parat.

Die Szene ist zwar überschaubar und recht durchwachsen, neben einem Kern aus eingefleischten Fahrern, die sich über die Jahre kennengelernt haben, gibt es aber immer wieder Neueinsteiger, die sich vom relativ günstigen Anschaffungspreis der Fahrzeuge haben locken lassen.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Satz Bremsscheiben und -beläge vorne: ca. 120 Euro
  • Zahnriemensatz mit Wasserpumpe: ca. 200 Euro
  • Kupplung: ca. 120 Euro
  • Kotflügel vorn: gebraucht ca. 80 Euro

Schwachstellen: Rost bereitet beiden Modellgenerationen des Ford Probe Probleme. Oft gammelt der Schweller weg. Tipp von Experte Schumacher: Vor der Hinterachse mit dem Daumen gegen den Schweller drücken. Wenn es hier knirscht, ist der Verfall vermutlich weit fortgeschritten. Auch die Längsträger im Motorraum und die Domlager faulen mal durch. Beim Probe II quittieren im Alter oft die Zündverteiler ihren Dienst. Die Motoren sind robust, insbesondere der Turbo im Probe I kann eine Menge ab - vernünftige Pflege vorausgesetzt. Beim Probe II neigen die Aggregate ab etwa 160.000 Kilometern zu erhöhtem Ölverbrauch. Daher regelmäßig Ölstand überprüfen, bei zu wenig Schmierung droht ein Motorschaden.

Preis: Wer bei Onlineauktionen 500 Euro hinblättert, kann schon morgen Ford Probe fahren. Fragt sich nur wie lange, denn diese Autos haben oft Wartungsstau. Seriösere Exemplare sind ab etwa 1500 Euro zu finden, auch erstaunlich wenig Geld für einen Youngtimer. Gepflegte Schätzchen werden auch mal für 3000 bis 4000 Euro angeboten, aber solche Autos müssen dann wirklich gut sein.

Anlaufstellen im Internet:

Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
Testtubebaby 26.05.2019
1. Warum nicht gleich das Schwestermodell?
Der Mazda MX-6 ist das weitaus besser verarbeitete und weniger rostanfällige Fahrzeug. Dazu hat er -aus meiner subjektiven Sicht- ein erheblich gelungeneres Design. Ich fuhr vor Jahren einen MX-6 2.0 von 160.000-220.000km. Keinerlei Probleme in der Zeit, außer intervallmäßigem Zahnriemen/Wasserpumpe-Wechsel. Mit Eibach-Fahrwerk ist der MX-6 dazu eine echte Kurvensau mit sehr direkter Lenkung und macht richtig Spaß bei moderatem Spritverbrauch. Für ein Sportcoupé erhebliche Zuladungsmöglichkeiten wegen der umklappbaren Rückbank. Der Probe wie auch der MX-6 werden in vernünftigem Zustand beide recht selten angeboten, wer einen MX-6 ergattern kann, hat in der Regel aber das pflegeleichtere Fahrzeug.
romeov 26.05.2019
2. Der Anfang
...vom Untergang der amerikanischen Automobilindustrie.
suedniedersachse 26.05.2019
3. Absurd.
Der Probe ist das, was der Name suggeriert: ein Test. Nicht erfolgreich verlaufen. Hässliches Design, furchtbares Interieur und kein Fahrwerk, welches einen Namen verdient. Ruhe in Frieden. Aber RUHE!
Fragende_Leere 26.05.2019
4. Ich musste beim Artikel schmunzeln:
Es gab damals eine Bankwerbung, in welcher der Probe als Negativbeispiel enthalten war; echte Hipser wären die Bausparer. In einer Reaktion auf das Video wurde der Probe als funky 6-Zylinder dargestellt, während die Bausparer die Langeweile kultiviert haben. Schade, dass es solche Fahrzeuge heute nicht mehr gibt
bibabuzelmann 26.05.2019
5. @ suedniedersachse /BEitrag 3. Absurd.
Zitat von suedniedersachseDer Probe ist das, was der Name suggeriert: ein Test. Nicht erfolgreich verlaufen. Hässliches Design, furchtbares Interieur und kein Fahrwerk, welches einen Namen verdient. Ruhe in Frieden. Aber RUHE!
Ja, ein Grund für die schlechte Akzeptanz wird der Name gewesen sein. Wie doof muss man damals gewesen sein, ein "Probeauto" zu kaufen? Da werden Millionen für Marketing investiert und dann so ein Fauxpas. Da wäre man besser beim Namen Capri geblieben.
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