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Opel Frontera - als Rüsselsheim einen Trend setzte

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Günstige Oldtimer - Opel Frontera Das SUV, das noch Gelände konnte

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Opel Frontera, SUV-Pionier mit viel Gespür fürs Gelände.

Allgemeines zum Modell

Mit der Vorstellung des Frontera trifft Opel 1991 ins Schwarze. Offroader sind damals noch Exoten auf dem deutschen Automarkt. Für Geländewagen wie Mercedes G-Klasse oder Land Rover interessieren sich überwiegend Förster, Jäger oder Landwirte. Mit Hinterrad- und zuschaltbarem Allradantrieb sowie einem Untersetzungsgetriebe wühlt sich der Frontera durch Matsch und Geröll. Zusätzlich kommt der Fun-Faktor dazu, der ein paar Jahre später das wesentliche Merkmal eines neuen Fahrzeugtyps sein wird: das Sport Utlitiy Vehicle, kurz SUV.

Sport trägt der Frontera bereits im Namen. So heißt die zweitürige Modellvariante, die ein bisschen aussieht wie ein Jeep: kurzer Radstand, viel Bodenfreiheit, das Reserverad an der Heckklappe montiert. Außerdem ist das Dach abnehmbar. Dazu kommt eine gediegene fünftürige Variante. Die große Frontera-Limousine hat einen längeren Radstand und erinnert an einen edlen Range Rover. Während sich der knackig-kurze Frontera Sport etwas holprig fährt, ist die Limousine mehr auf Komfort ausgelegt. Sie kann aber auch ackern: Die Zugkraft liegt bei bis zu 2,8 Tonnen.

Was beide Versionen eint, ist das gefällige Äußere: "Der Opel Frontera war deutlich mehr auf Freizeit und Spaß ausgelegt als darauf, Rehe zu jagen oder Bäume zu biegen", sagt Matthias M. Göbel von der Alt-Opel-Interessengemeinschaft.

Bei den Kunden kommt der Frontera gut an. Zu Beginn der Neunzigerjahre liegt der Marktanteil der Offroader in Deutschland bei nur 2,5 Prozent. Experten sagen jedoch einen Boom voraus, allein für 1993 rechnete man mit über 360.000 Neuzulassungen. Dass SUV das große Ding werden könnten, zeigen die Verkaufszahlen des Frontera. Zum Auslieferungsbeginn liegen bei Opel europaweit bereits über 20.000 Bestellungen vor.

Was nicht im Verkaufsprospekt steht: Im Kern ist der neue Offroad-Opel ein Isuzu. General Motors kooperiert seinerzeit mit dem japanischen Hersteller. Im britischen Luton laufen die ersten Frontera Sport als Lizenznachbauten des Isuzu MU, die Fünftürer als Kopien des Isuzu Wizard vom Band.

Statt mit einem bei Geländewagen damals üblichen Leiterrahmen wird der Opel Frontera mit einer selbsttragenden Ganzstahlkarosserie ausgerüstet. "Das war ein Alleinstellungsmerkmal, das Mercedes oder BMW bei ihren ersten SUV später übernahmen", sagt Experte Matthias M. Göbel.

Ein Großteil der Motoren im Frontera stammen dagegen aus Rüsselsheim, unter anderem vom Vectra und Omega. Basisaggregat ist der 2,0i mit 115 PS. Besser passt der 2,4i mit 125 PS sowie der ab 1995 angebotene 2,2i 16V mit 136 PS. Dazu gibt es mehrere Dieselvarianten, die auch gern bestellt werden. Die Wirbelkammerdiesel im 2.3 TD und 2.5 TDS leisten zwar nur 100 und 115 PS, haben aber deutlich mehr Drehmoment als die Benziner. Noch spritziger sind die 1998 eingeführten 2.2 DTI 16V mit Direkteinspritzung und bis zu 120 PS. Topaggregat bei den Benzinern wird 1998 ein 3,2 Liter großer V6 mit 205 PS. Er beschleunigt den Fünftürer auf über 190 km/h.

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Opel spendiert dem Frontera ein eigenständiges Cockpit. Elektrische Fensterheber und eine asymmetrisch teilbare Rückbank bei der Limousine sind Serie. Dennoch werden auch beim Frontera Probleme sichtbar, die alle Opel-Modelle der Neunziger prägen: einfache Materialauswahl, viel Kunststoff, Verarbeitungsmängel. Die Metalliclackierungen sind wolkig, der Korrosionsschutz dürftig.

Je populärer SUV werden - 1994 präsentiert Toyota den RAV4 -, desto mehr versucht Opel, den Frontera mit Sondermodellen zu pushen. Alaska Star oder Ocean Star beispielsweise bieten verschiedene Metallic- und Mineraleffektlackierungen. Sondereditionen wie Mistral enthalten zusätzliche Extras wie Frontschutzbügel, Sonnendach und farbige Trittbretter an den Seiten.

Die Modellpflege 1995 bringt eine neu konstruierte Starr-Hinterachse, die über Schraubenfedern und einen zusätzlichen Stabilisator verfügt. Zudem erhalten alle Modelle Gasdruckstoßdämpfer. Mit dem Facelift 1998 wird die Frontpartie geglättet, intern spricht man jetzt vom Frontera B. Diesmal wird die Vorderachse verfeinert, außerdem wird vorn und hinten die Spur verbreitert, um das Handling zu verbessern. 2004 endet die Produktion nach 13 Jahren. Das Nachfolge-SUV des Frontera war 2006 der in Südkorea produzierte Antara. Der hatte nur anfangs Allrad in Serie, später hatte die Basisversion Frontantrieb.

Warum ausgerechnet der?

Obwohl der Opel Frontera Mitte der Neunziger Europas meistverkaufter Offroader war, erfährt er von Liebhabern älterer Fahrzeuge heute wenig Zuneigung. Selbst in der Alt-Opel-Interessengemeinschaft mit 2600 Mitgliedern gibt es nur ein paar Frontera-Fahrer. "Als Klassiker wurde der Wagen lange stiefmütterlich behandelt", sagt Matthias M. Göbel. Die Alt-Opel-IG plane deshalb eine eigene Typengruppe für den Frontera, um das Modell angemessen zu würdigen.

Denn in Deutschland machte der Frontera den Offroader massentauglich. "Ja, im Grunde war er hierzulande das erste SUV", unterstreicht Göbel. Das Besondere: Obwohl der Frontera keinen Leiterrahmen hat, besteht die Karosserie auf unwegsamem Gelände. Dazu kommen Allradantrieb sowie das Untersetzungsgetriebe, das in den meisten modernen SUV fehlt: Es schaltet vordere und hintere Antriebswellen zusammen, was die Traktion bei Bergpassagen oder beim Anhängerziehen deutlich erhöht. "Der Frontera ist richtig geländegängig - dank Isuzu", sagt Göbel augenzwinkernd.

Besonders ist auch das Design. Der kurze Frontera Sport ist der klassische Fun-Offroader. Die große fünftürige Limousine war dagegen der Range Rover fürs Volk, den sich auch Normalverdiener leisten konnten. Als Grundpreis für die "Geländelimousine" rief Opel 1991 runde 38.000 Mark auf. Vor allem die gegenläufige C-Säule und das trapezförmige hintere Seitenfenster kommen gut an - diese Stilmerkmale verleiht Mercedes 1997 der neuen M-Klasse.

Ein ML 230 mit 150 PS hat wegen des Leergewichts von mehr als 1,9 Tonnen allerdings seine Mühen. Der Opel Frontera ist mit seinen mindestens 1,5 Tonnen dagegen fast ein SUV-Leichtgewicht, sodass selbst die mittleren Benziner ausreichende Fahrleistungen bieten und überdies sparsam sind.

Verfügbarkeit

In den Gebrauchtwagenportalen stehen Dutzende Frontera zum Verkauf. Die überwiegende Mehrzahl sind spätere Frontera B. Die Viertürer-Limousinen wurden oft mit Diesel bestellt, der Frontera Sport mit Benziner. Generell überwiegen Exemplare mit Fünfgang-Schaltgetriebe. V6-Modelle mit Automatik sind gesucht und vergleichsweise selten.

Ersatzteilversorgung

Für einen Fast-Oldtimer von Opel - die ersten Frontera kommen 2021 ins H-Kennzeichen-Alter - ist die Ersatzteillage recht gut. Omega-A-Fahrer haben es da schwerer. Gängige Verschleißteile sind für den Frontera fast alle erhältlich und für einen Klassiker recht günstig. Engpässe kann es bei Ersatz für Karosserie und Interieur geben. Hier helfen Klubs und Foren wie die Alt-Opel-IG oder das Opel-4x4-Forum weiter.

Ersatzteilpreise (beispielhaft)

  • Endschalldämpfer: circa 55 Euro

  • Satz Bremsen vorn: circa 120 Euro

  • Gasfeder Heckscheibe: circa 20 Euro

  • Kondensator Klimaanlage: circa 60 Euro

Schwachstellen

Wie bei allen älteren Opeln ist Rost ein Problem, insbesondere bei den ersten Frontera-Jahrgängen. Zu den neuralgischen Stellen gehören Radläufe, Schwellerspitzen und das Trägerblech der hinteren Stoßstange. Auch das Fahrwerk hat bei vielen Kandidaten gelitten. Ein Frontera wurde von seinen Besitzern selten geschont - sei es im Geländebetrieb oder beim Ziehen von schweren Anhängern. Gerissene Achsmanschetten und ausgeschlagene Führungen kommen oft vor, die Reifen an der Hinterachse sind schnell durch. Die Motoren können durchaus hohe Laufleistungen erreichen, sofern man regelmäßig den Zahnriemen wechselt. Auch von gerissenen Krümmern wird öfter berichtet. Die Scheinwerfer-Reflektoren erblinden im Alter. Auch die Elektrik macht manchmal Probleme, etwa die Steckdose der oft bestellten Anhängerkupplung.

Preis

Langsam ziehen die Preise an, aber auf bescheidenem Niveau: Ab 2000 Euro findet man fahrbereite Opel Fronteras. Meist besteht Handlungsbedarf, um länger Freude an diesen Autos zu haben. Gepflegte Exemplare kosten auch mal 4000 Euro, aber selbst gut ausgestattete, späte V6 kosten selten mehr als 6000 Euro

Anlaufstellen im Internet

frontera.de 
alt-opel.eu 
opel-classicparts.de 

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Anm. d. Red.: In einer ursprünglichen Version des Textes fehlte die Angabe des Leergewichts des Mercedes ML 230. Dieser Fehler wurde korrigiert.

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