Opel Genève Concept Herzstillstand

Die Autogeschichte ist voll von irren Studien, die begeisterten und doch verschwanden. Dieses Mal präsentieren wir einen hinreißenden Opel-Sportwagen von 1975, den ein plötzlicher Tod dahinraffte.

Opel

Noch heute sieht man auf den ersten Blick: Mit diesem Auto wollte Opel mal so richtig aufdrehen. Leider drehte sich jedoch gar nichts bei der Studie Opel Genève Concept, die 1975 auf dem Autosalon in Genf zwar die Blicke auf sich zog, schon zu diesem Zeitpunkt allerdings keinerlei Chance auf eine Serienrealisierung mehr hatte. Was war passiert?

Um das zu verstehen, muss man in den November 1970 zurückblenden. Damals blätterte das amerikanische Opel-Mutterhaus General Motors die Summe von 50 Millionen US-Dollar hin, um die Lizenz zum Bau von Wankelmotoren zu erhalten. GM plante groß, spätestens 1975 sollte das erste Serienmodell mit Kreiskolbenmotor auf die Straße kommen. Angeblich wurden 1973 sogar alle weiteren Entwicklungen an Hubkolbenmotoren gestoppt - so gewaltig waren die Erwartungen an die Wankeltechnik.

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06.06.2019, 13:31 Uhr
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Der Wankelmotor, den GM als Ersatz für die bis dato gebauten V8-Aggregate vorgesehen hatte, war viermal kleiner, lediglich halb so schwer, bestand aus einem Drittel weniger Bauteilen und entwickelte eine doppelt so hohe Literleistung. Das Problem: Er soff noch mehr Sprit und stieß damit auch mehr Schadstoffe aus. Spätestens mit der Ölkrise von 1973 wurde das zu einem massiven Problem, eine Lösung war nicht in Sicht. Weshalb GM nach der überschwänglichen Hinwendung zur Wankeltechnik nun die rigorose Abkehr vollzog: Am 24. September 1974 verkündete der damalige GM-Chef Ed Cole den vollständigen Rückzug von allen Wankel-Aktivitäten.

Ein Sportwagen, zum Stillstand verdammt

Opel traf diese Nachricht wie ein Schlag. Denn in Rüsselsheim war speziell für den neuen Wankelmotor ein Sportwagen konzipiert worden, der so schneidig und rasant aussah wie kaum ein Opel vor ihm. GT/W hieß das Projekt bis dahin - das Auto sollte nämlich eine neuer Opel GT werden, nur eben mit Wankelmotor, daher das "W". Jetzt hatten die Opel-Leute einen fantastisch aussehenden Zweisitzer mit Klappscheinwerfern, geduckter Silhouette und wuchtig geblähten Radhäusern, aber er war zum Stillstand verdammt.

Immerhin durfte die Studie wie ursprünglich geplant ihre Weltpremiere auf dem Autosalon in Genf im Frühjahr 1975 feiern. Sozusagen als Stilübung der Designer und Ausweis der Gestaltungskraft bei Opel. Nur der Name wurde geändert, das Auto hieß nun schlicht und deskriptiv Opel Genève Concept.

Das Auto blieb ein Einzelstück. Fahren lernte es aber dennoch. Denn irgendwie klemmten die Opel-Ingenieure den 5,4-Liter-V8-Motor aus dem Opel Diplomat vor die Hinterachse des Autos. So wurde aus dem als Wankel-Straßenfeger begonnenen Projekt ein Mittelmotor-Unikat mit 230 PS Leistung. Heute steht das Konzeptauto im Opel-Museum in Rüsselsheim.

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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
eduard.finger 20.07.2019
1. geil!
den Wagen mit Minimalausstattung ( behaglich/intelligent/schlank/solide/günstig) und E-Antrieb! auf gehts!!
teichenstetter@gmail.com 20.07.2019
2. Hätte was werden können
Nur leider ist bei der Studie weder eine Heckklappe vorgesehen, keine Aussenspiegel und keine Türgriffe. Ohne Stoßfänger Vorne und Hinten war man wahrscheinlich aus Designersicht seiner Zeit weit voraus, aber das wäre ebenso niemals verkaufbar gewesen. Der Wankelmotor ist bei seinem klugen Konzept nun leider niemals richtig wirtschaftlich umsetzbar gewesen. Frage mich, was aus dem Auto hätte werden können, wenn man es kommerzialisiert hätte.
upalatus 20.07.2019
3.
Als aktuellen Entwurf aus dem Hause Premium (bmw-audi-beliebig) gäbs diese leicht unperfekten Highlights auf der Bodyseite nicht: sie wären automatisiert hochklinischperfekt weggebügelt. Aber gerade die aus händischer Arbeit und Können resultierenden Ungenauigkeiten in einer Form machten die Autos von seinerzeit augenangenehmer. Heut, auch weil man die Supergenauwerkzeuge dafür hat, hängen die Menschen in wirksamer Mehrheit einem selbstbeschneidenden Perfektionismus nach. Dabei selber perfekt sein wollen und dadurch auch langweiliger geworden.....
ThieryMZ 20.07.2019
4. Die Frage wäre,...
....ob man dem Wankel mit den heutigen elektronischen Möglichkeiten wie Einspritzung nicht doch eine Ökonomie hätte anerziehen können....
RalfBukowski 20.07.2019
5. Ja, der hätte was werden können...
Heckfenster zur Klappe machen, Aussenspiegel und Türgriffe anschrauben. Die Stoßfänger waren integriert, wie man sieht (ähnlich wie beim 69er Pontiac GTO an der Front, war das damals bereits möglich). Der Wankel war wohl nicht durchsetzungsfähig, aber wenn man es nach der Ölkrise mit einem ordentlichen Hubkolbenmotor gebaut hätte (nicht, dass ich den 5,4 Liter nicht mögen würde, aber doch etwas zu antik für das Auto), wäre das evtl. auch was geworden.
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