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Günstige Oldtimer: Opel Kadett D - der Volkswagen-Schreck

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Günstige Oldtimer: Opel Kadett D Der Schnäppchenschlitten

Wenig Geld, aber Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem, denn es gibt auch billigere Modelle. Wie den Opel Kadett D, einst meistverkaufter Benziner in Deutschland.
Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Großvaters abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Allgemeines zum Modell: Als der Kadett D vor 40 Jahren auf den Markt kam, begann bei Opel eine neue Ära. Der Kompaktwagen war 1979 das erste Modell der Rüsselsheimer mit Frontantrieb. Viele Anhänger der Traditionsmarke rümpften deshalb die Nase - sie wertschätzten den klassischen Heckantrieb auch bei Modellen wie Rekord, Ascona oder Manta.

"Doch die Zeit war einfach reif für Frontantrieb", sagt Andreas Vollmer von der Alt-Opel Interessengemeinschaft. Italienische und französische Hersteller hatten bereits in den Sechziger- und Siebzigerjahren darauf umgestellt, auch Volkswagen feierte mit dem Golf Absatzerfolge. Ford sollte sich mit dem Escort bald einreihen.

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Günstige Oldtimer: Opel Kadett D - der Volkswagen-Schreck

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Und auch der Opel Kadett D überzeugte rasch. Die Antriebstechnik mit quer verbauten Motoren vergrößerte das Platzangebot im Innenraum spürbar. "Auch die Fahreigenschaften des Kadett D wurden damals in Fachzeitschriften sehr gelobt", sagt Vollmer. Die Motorenpalette wurde durch OHC-Aggregate ergänzt. Diese komplett neu entwickelten Verbrenner mit obenliegender Nockenwelle leisteten mehr und verbrauchten weniger.

Opel setzte beim Kadett D auf das zeitgemäße Fließheck, wie VW beim Golf. Neben der Limousine stand ein Kombi zur Verfügung. Kombis hatte Opel schon bei den Vorgängermodellen im Programm. VW bot den ersten Golf-Kombi erst Anfang der Neunzigerjahre an. "Der Kombi war vom Nutzwert praktisch unschlagbar", sagt Vollmer, der selbst einen braunen Kadett D Caravan besitzt. Dessen Ladevolumen reichte sogar an das des damaligen VW Passat Variant heran, der in einer höheren Fahrzeugklasse angesiedelt war.

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Ein Standard-Kadett kostete anfangs 10.745 D-Mark. Fahrer mussten sich mit rauen Stoffsitzen begnügen, ein Radio war Sonderausstattung. Mit der Version Luxus gab es mehr Zierteile und innen weniger nacktes Blech, auch die Stoffsitze waren feiner gewebt. In der Topausstattung Berlina durfte man auf Velourssitzen Platz nehmen. Beim Edel-Caravan "Voyage" war der Laderaum mit Veloursteppich ausgeschlagen, außerdem war der Familienkombi besser gedämmt.

1981 übertrumpfte der Opel Kadett D den VW Golf bei den Absatzzahlen und wurde der meistverkaufte Benziner in Deutschland. 1982 reichte Opel einen Diesel nach, der sich mit seinen 55 PS allerdings als schwerfällig erwies.

Die Benziner waren spritziger. Bereits mit dem 1,3-Liter-Motor und 60 PS war man flott unterwegs, schließlich lag das Fahrzeuggewicht der Limousine nur bei etwa 900 Kilogramm. Wer es sportlich haben wollte, wählte den Kadett SR mit 75 oder 90 PS. Dazu kam beim SR ein Tuning-Kit ab Werk, darunter Alufelgen, Sportfahrwerk, Kotflügelverbreiterungen, Sportsitze und Verspoilerung.

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Foto: Magic Car Pics/ REX/ Shutterstock

Noch einen drauf legte 1983 der Kadett GTE. Mit der 1,8-Liter-Maschine und 115 PS machte der dem Golf GTI Konkurrenz, wurde aber nur ein Jahr lang angeboten. Schon 1984 - nach nur fünf Jahren Bauzeit - wurde der Kadett D nach 2,1 Millionen verkauften Exemplaren vom Nachfolgermodell Kadett E abgelöst.

Warum ausgerechnet der? Kein Wunder, dass Mercedes oder Porsche viele Oldtimer-Veranstaltungen dominieren. Die Fahrzeuge waren oft Zeit ihres Lebens gehätschelte Garagenwagen, dementsprechend viele Exemplare sind bis heute erhalten. Der Opel Kadett D ist dagegen heute ein Exot, obwohl er mehr als zwei Millionen Mal gebaut wurde. Er war ein Gebrauchswagen, von dem man sich nach ein paar Jahren wieder trennte, wenn mehr Reparaturen anfielen. Den Rest erledigte der Rost. Die meisten Kadetten nächtigten unter der Laterne. Umso aufregender, wenn man heute einen übrig gebliebenen D-Kadett auf der Straße sieht. Dann werden für viele Kindheitserinnerungen wach: "In so einem bin ich groß geworden" oder "So etwas hat mein Vater auch gefahren" - solche Kommentare höre man oft, sagt Kadett-Fan Andreas Vollmer. Für den Opel Kadett D spricht auch seine unkomplizierte Technik. Keine Steuergeräte, keine komplizierte Elektronik - beim D kann man vieles selbst reparieren. Die Motoren sind für einige Hunderttausend Kilometer gut. Außerdem belegt der Wagen, dass Oldtimerfahren kein Reichenhobby sein muss. Der Kadett D kann das ideale Einstiegsauto in die Klassikerszene sein - denn die Gefahr, ein Groschengrab zu erhalten, ist angesichts der niedrigen Anschaffungs- und Unterhaltskosten sehr gering.

Verfügbarkeit: Das Angebot ist arg zusammengeschrumpft, und die gut erhaltenen Fahrzeuge befinden sich in Liebhaberhänden. Trotzdem kann man aber immer noch einen Kadett D finden, vor allem bei den Limousinen mit den kleineren Benzinern hat man noch etwas Auswahl. Seltener sind Kombis. Gute SR- oder GTE-Modelle tauchen nur selten auf und sind teuer.

Ersatzteilversorgung: Bremsen, Benzinpumpe, Lichtmaschine: Gängige Verschleißteile sind einfach und teils zu Schnäppchenpreisen zu bekommen. Schwieriger wird es beim Blech. Neue, originale Kotflügel sind so gut wie nicht mehr erhältlich. Zwar gibt es Reproteile, doch deren Passgenauigkeit ist dürftig. Die Alternative ist, sich gebrauchte Originalteile in der Szene zu suchen. Allerdings steigen auch dort die Preise. Nach Dekorteilen wie Zierleisten muss man oft länger fahnden. Sehr gesucht sind auch Fensterschachtleisten und Federbeindomlager.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Satz Bremsbeläge vorne: ca. 50 Euro
  • Satz Bremsscheiben vorne: ca. 20 Euro
  • Lichtmaschine: ab 100 Euro
  • Kotflügel vorn: neu ca. 200 Euro, gebraucht 50 bis 100 Euro

Schwachstellen: Die lassen sich einfach auf den Punkt bringen: Rost, Rost, Rost. Es gibt wenige Teile beim Kadett D, die nicht anfällig sind für Korrosion. Radläufe, Endspitzen, Türunterkanten, die braune Pest kann überall lauern. Dramatisch wird es, wenn sie im Radkasten hinter den Federbeindomen blüht. Die Stelle ist schwer zugänglich und die Reparatur aufwendig. Auch Rost unter den vorderen Kotflügeln kann ein K.-o.-Kriterium sein, wenn er auf die A-Säule übergegriffen hat. Einen Kadett D besichtigt man deshalb idealerweise auf der Hebebühne. Die Technik indes erweist sich insgesamt als recht unkompliziert. Die Motoren neigten einmal zu eingelaufenen Nockenwellen, bei den verbliebenen D-Kadetten sind diese aber meist schon ersetzt. Die 1,3-OHC-Motoren sind sogenannte Freiläufer, bei einem Riss des Zahnriemens droht also kein kapitaler Motorschaden.

Preis: Der Opel Kadett D gehört zu den wenigen Oldtimern, die man noch für unter 1000 Euro bekommt, allerdings nicht immer fahrbereit. Für 1500 Euro gibt es auf dem Markt bereits Limousinen mit gültiger HU-Plakette. Kombis oder Luxusversionen wie ein Berlina kosten einen Aufschlag. Gesucht und deshalb deutlich teurer sind die Sportmodelle SR und erst recht der GTE. Hier können auch mal 10.000 Euro und mehr aufgerufen werden.

Anlaufstellen im Internet:

Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

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Foto: Torge Schäfer
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