Peugeot 304 Cabrio S, Baujahr 1973 Kleiner weißer Löwe

Für einen vermeintlichen Schnäppchenpreis kaufte sich SPIEGEL-ONLINE-Leser Christof Lenhard französisches Lebensgefühl auf vier Rädern. Sein Peugeot 304 entpuppte sich als Fahrzeug mit kleinen und großen Macken - dennoch liebt er den Wagen heiß und innig.


Das Durchschnittsalter der rund 46 Millionen Pkw in Deutschland liegt bei knapp acht Jahren, einige Autos sind noch deutlich älter. SPIEGEL ONLINE testet mit Hilfe der Leser, wo die Stärken und Schwächen des Altmetalls liegen. Diesmal berichtet Christof Lenhard über seinen Peugeot 304, Baujahr 1973.

"Kunst und Krempel" nennt der Bayerische Rundfunk seine Sendung, in der Kunstexperten ahnungslosen Laien erklären, ob sie auf dem Flohmarkt ein wertvolles Schnäppchen gemacht haben oder eben das Gegenteil. Mein weißer Peugeot 304 Cabrio S, Jahrgang 1973, Laufleistung 180.000 Kilometer, gehört in die Kategorie "Krempel" - leider. Ich wollte ein Cabrio, ein bisschen französisches Lebensgefühl und dafür wenig Geld ausgeben. Da ich seinerzeit wenig Ahnung von Autos hatte, blätterte ich 5000 Mark für das erstbeste Fahrzeug hin, das ich in den Kleinanzeigenspalten fand.

Schon bald fielen mir einige seltsame Details auf: Die Felgen waren weiß und die eigentlich verchromten Typenschilder waren schwarz lackiert. Das was ich für eine historische Erscheinung gehalten hatte, waren nachgerüstete Hosenträgergurte. Doch erst als ich die Halterung für die Sonnenbrille vom Armaturenbrett entfernte und darunter ein Aufkleber mit einem Playboy-Häschen zu Vorschein kam, wurde mir klar: Mein Auto war auf halbstark umgerüstet worden.

Skurrile Erscheinung

Das Peugeot 304 Cabrio und sein nahezu identischer Vorgänger, das 204 Cabrio, gehörten zu den skurrilen Erscheinungen der siebziger Jahre. Übertroffen werden sie in dieser Kategorie wohl nur durch den Citroën Ami 6. Das 304 Cabrio ist das einzige Auto, das in der Seitenansicht völlig symmetrisch ist: Der Kofferraum ist fast genauso lang wie die Motorhaube.

Der Wagen mit dem Löwen im Kühlergrill wartet mit raffinierten Details auf: Die Armaturenbrettbeleuchtung ist stufenlos regelbar, was eigentlich völlig nutzlos ist, da es selbst in der höchsten Stufe nur matt beleuchtet wird. Die Automatikgurte geben ein Gefühl von Sicherheit, obwohl bei einem Überschlag die nur zwei Finger breite A-Säule sofort abknicken dürfte.

Der Clou ist aber das vollversenkbare Faltdach. Dank Verzicht auf den Überrollbügel gehörte das Peugeot 304 Cabrio zu den wenigen offenen Fahrzeugen der Siebziger mit glatter Seitenlinie. Sehr praktisch: Ähnlich wie beim Citroën 2 CV lässt sich der vorderste Teil des Daches vom Fahrersitz aus öffnen und für die kleine Frische zwischendurch zurückklappen.

Alte Blessuren

Wenn das Verdeck geöffnet ist, vergesse ich die vielen Sorgen, die der "kleine Peu" (wie meine Söhne ihn liebevoll nennen) immer wieder macht. Existenzbedrohlich ist der gespachtelte Radlauf hinten links. Natürlich ist mein Vorbesitzer dafür verantwortlich. Und leider darf bei einer selbsttragenden Karosserie der Radlauf nicht gespachtelt sein. Zweimal habe ich damit trotzdem schon den deutschen TÜV überstanden und nach einem Umzug in die Schweiz auch schon einmal die hiesige "Motorfahrzeugkontrolle".

Beim letzten Mal ging es allerdings schief. Plötzlich rief der Prüfer "so en Seich". Das ist Berndeutsch und heißt auf Hochdeutsch noch etwas mehr als: "So ein Mist". Dann holte er seinen Hammer heraus und schlug die ganze Spachtelmasse ab. Ich musste unterschreiben, dass ich den Radlauf innerhalb von zwei Wochen fachgerecht reparieren lasse.

Natürlich habe ich das nicht gemacht und gehofft, dass mir mal jemand reinfährt und dann die Reparatur bezahlen darf. Aber es ist nichts passiert. Alle zwei Jahre müssen Autos in der Schweiz eigentlich geprüft werden. Allerdings erst auf schriftliche Aufforderung – aber ich habe Glück und warte jetzt schon seit drei Jahren. Löwenglück.



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Schwabenelch, 23.07.2007
1.
Die Gier der gutverdienenden Länderfinanzminister ist der Tod vieler Youngtimer. Dieser gute Artikel zeigt wieder einmal: Oldtimer sind auch Kulturgut, aber die Gier der gutverdienenden Länderfinanzminister ist der Tod vieler Youngtimer. So viele Youngtimer zwischen 20 und 30 Jahre gabs wirklich nicht. Und mit dem Elektronikschrott in den aktuellen Fahrzeugen gibts bald noch weniger ältere Autos. Schade, auch die lustigen Subarus verschwinden so fast alle in der Schrottpresse. Und die Autohersteller freuen sich noch zusätzlich, wenn die Fanatiker der Deutschen Umwelthilfe es noch schaffen, für alle Fahrzeuge vor 1994 über das Vehikel Feinstaubplakette die Innenstädt zu verbieten. Oldtimer sind auch Kulturgut, aber Umweltfanatiker, Finanzminister sehen es halt anders.
Edgard 23.07.2007
2. Feines Auto!
Aus erster Hand gekauft hat mich meine Justine nie enttäuscht, im Gegenteil: Auch ich habe mal eine Hochpreis-Limousine aus dem Dreck gezogen - deren Besitzer wollte sich erst vor Lachen biegen, kam dann aus dem Stauen nicht mehr heraus - und der Rest des Abends war für mich kostenlos. Im Schnee mit Winterpneus zog sie fröhlich ihre Bahn und an den anderen vorbei, und die Fahrt über die Pässe nach Italien (drei Personen, ein Teil des Gepäcks aus Platzgründen auf dem Dachträger)war eine Freude; uns fiel damals auf, wie viele Justy's in Östereich fuhren. Innenraumbedingt haben sich dann irgendwann unsere Wege getrennt; ich würde einen Original-Justy oder einen gleichartigen Nachfolger sofort wieder kaufen (der heutige sogenannte Justy ist m.E. eine Enttäuschung und viel zu teuer), ohne elektronischen Schnick-Schnack und mit kleinem, aber feinen Motor. Ersatzweise täte es notfalls aber auch ein Opel Kadett C.... Einziger Wermutstropfen: Der leidige Werkstatt-Ärger mit Phantasie-Preisen für die einfachsten Ersatzteile, leider gabs den Ölfilter auch nur dort.
chamechaude 24.07.2007
3. Traumauto für Bastler und Unkomplizierte
nach langen Jahren mußte ich mich nun auch von meinem treuen Justy trennen. Ein SUPERSPITZEN Auto, so wie es einfach nicht mehr gebaut wird. Obwohl es doch so einfach wäre... Klar hatte er mit seinen 17 Jahren schon so manches Zipperlein, aber meist reichte der Austausch eines Teils im Wert von 5-20 Euro um ihn wieder für die nächsten Monate zum Laufen zu bringen. Und dank des einfachen Aufbaus waren so gut wie alle Reparaturen auch von mir selbst durchführbar. Der Benzinfilter gab allerdings auch mir eine Nuß zu knacken auf, doch dank der Libero-Fan-Homepage und der dort aufgefundenen Zeichnung ging das auch für schlappe 5 Euro (und inkl. einer kleinen Benzindusche nachts mit Stirnlampe auf dem Parkplatz) über die Bühne. Als dann mal gar nichts mehr vorwärts ging und von allen Experten schon der Schrottplatz vorgeschlagen wurde, hat mir mein kompetenter und nie um allerlei gebrauchte Ersatzteile verlegener Subaruhändler (Geheimtip: er befindet sich in Seeon) per Ferndiagnose den Zündfinger (ca. 15Euro) zugeschickt, und schon ging es weiter... Nach guten 300.000 km war der Benziner nicht tot zu kriegen! Sein Aus war dann in diesem Frühjahr der Rost, zu teuer die Reparatur für so ein altes Auto... Und doch, egal wie alt, es war einfach ein praktisches Auto. Umzug? Kein Problem, Rückbank umgeklappt und dank der eckigen Geometrie ließ es sich stapeln und schichten nach Vergnügen. MTB Tour in den Bergen? Vorderrad raus und im Nu sind zwei Räder mitsamt der Fahrer verstaut. Kein Campingplatz gefunden und Regen? Der flache große Kofferraum gibt nach Umklappen der Rückbank für zwei Personen ein notdürftiges Bett ab. Fünf Personen und drei Schlitten? Paßte rein, nur bei der 16%igen Steigung ist man in Versuchung in den 1. Gang (mit Zwischengas) zurückzuschalten. Und dann natürlich immer mal wieder das Vergnügen einen BMW auf eisiger Strecke souverän zu überholen, im kniehohen Schnee einzuparken und mit einem Grinsen wieder rauszufahren... Gut, mein neues Auto fährt 160km/h und hat Klimaanlage, Servolenkung und sonstigen Schnickschnack (endlich beim Ausparken im Winter nicht gleichzeitig Gas geben und bremsen müssen, damit er nicht abstirbt), aber obwohl die Außenabmessungen viel größer sind, ist es schon ein logistisches Problem ein Fahrrad im Kofferraum zu verstauen, und dann noch zwei? Unmöglich ohne auch das Hinterrad abzuschrauben! Leider baut Subaru keine brauchbaren Autos mehr, wahrscheinlich läßt sich mit solchen Erfolgsmodellen einfach kein Umsatz machen! Niedriger Kaufpreis, so gut wie keine Wartungskosten (wenn man regelmäßig Öl und Wasser nachfüllt) und kleine Reparaturen selbst durchführen kann/will, und dann auch nur alle 20 Jahre einen Neuwagen verkaufen?! Nein, dann doch lieber (rein ökonomisch gesehen) ein schickes Auto bei dem nach 6 Jahren die elektrischen Fensterheber kaputt sind und deren Reparaturkosten den Restwert des Wagens übersteigt, so daß dem rechnenden Käufer nur ein Neuwagen erschwinglich scheint! Es lebe die Konsumgesellschaft!
Mocs, 25.07.2007
4. Ja, die "alten Asiaten"
von der Politik von der Strasse "besteuert" - leider. Wenn ich an das Barockschloss mit dem Namen "Toyota Crown" denke, die fantastischen(und hierzulande immer unterschätzten) Toyota Camry, die "Z-Serie" von Datsun, die Daihatsu Charmant und Charade.... da wird mir ganz warm ums Herz. Alles verschwunden - zugunsten von High-Tech-Gimmicks, sich selbst zersetzenden Siliziumchips und unschraubbarer Technik. Schade
senf_dazugeber 28.07.2007
5.
Mein erstes Auto war ein ´82er Honda Civic, ist leider wegen zuviel Rost nicht mehr durch den TÜV gekommen. Der Justy stand auch mal in der engeren Wahl, aber da legte ich mir dann den nächsten Honda zu, den ersten Prelude, BJ 80, toll! Derzeit fahre ich mit Freude einen BMW 316 Compact, BJ 94, ohne Klima, ohne el.Fensterheber, ohne Rückfahr- Brems und sonstigen Assistenten und ohne großen Durst aber mit Kat, viel Ladefläche und bislang nur Verschleißreparaturen. So hoffe ich noch auf viele gemeinsame Jahre.
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