Peugeot Eclipse, Baujahr 1936 Die Idee vom versenkbaren Stahldach

Hardtop-Cabriolets sind inzwischen nichts Besonderes mehr, doch als Peugeot 1934 das Modell Eclipse präsentierte, war dessen versenkbares Blechdach eine Sensation. 454 Exemplare wurden gebaut, nur wenige sind bis heute erhalten geblieben. Eines davon kann nun endlich wieder fahren.


Mercedes SL, BMW 507, Rolls-Royce Phantom, Cadillac Eldorado - wer an prunkvolle offene Autos mit Glamour und Geschichte denkt, dem kommen einige Typen in den Sinn. Einen Peugeot findet man in solchen Aufzählungen allerdings selten. Das ist ungerecht, denn kaum eine andere Firma hat in der Frischluft-Szene so deutliche Spuren hinterlassen wie die Marke aus Frankreich.

Dabei sind es nicht die Stückzahlen von Typen wie dem offenen 504 oder 205, die bedeutsam sind, sondern der Erfindergeist des Peugeot-Entwicklers George Paulin. Er war es nämlich, der bereits in der dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Idee vom versenkbaren Stahldach hatte und sie 1934 auf dem Pariser Autosalon auf den Fahrwerken der Baureihen 601, 401 und 402 vorstellte.

Nach Deutschland kamen die Frischluft-Limousinen erst 1936, und zwei Jahre später wurde deren Produktion auch schon wieder eingestellt. So entstanden von einem der wichtigsten Autos der Cabrio-Geschichte lediglich 454 Exemplare.

Nach jahrelanger Pause fährt der Cabrio-Klassiker wieder

"Weltweit gibt es vielleicht noch ein Dutzend Fahrzeuge, und in Deutschland höchstens drei", sagt Heinz Grund, der über den Fuhrpark der deutschen Peugeot-Zentrale in Saarbrücken wacht. "Keines der Autos ist fahrbereit", ergänzt er und lächelt. "Bislang zumindest galt das."

Denn nach mehr als vier Jahren Restaurierung hat Peugeot Deutschland ein Auto vom Typ Eclipse wieder flott gemacht. Auf Hochglanz poliert gehörte der Scheunenfund aus dem Elsass bereits zu den Ausstellungsstücken auf der Expo in Hannover, doch an der technischen Substanz wurde bis vor wenigen Wochen gewerkelt. "Wir mussten allein einen Zentner Gips vom Blech kratzen, mit dem das Auto gespachtelt und geglättet worden war", erinnert sich Grund. Jetzt ist der Wagen wieder fit. Begleitet von SPIEGEL ONLINE ging das sandfarbene Modell jetzt auf eine zweite Jungfernfahrt.

Das Dach bereits im Kofferraum verstaut, der Lack poliert, die hinteren Räder sittsam verkleidet, das weinrote Leder mit der wunderschönen Patina von der Sonne gewärmt und die beiden gegen die Fahrtrichtung angeschlagenen Türen weit geöffnet, will es die Eclipse noch einmal wissen. Dabei gibt sich die Grande Dame viel weniger zickig, als man es nach derartiger Misshandlung über Jahrzehnte erwarten würde. Schon beim zweiten Versuch mit dem Starterknopf im weinrot lackierten Armaturenblech meldet sich der Vierzylinder zu Wort. Ein kurzes Hüsteln, ein freundliches Röcheln, dann läuft der Reihenmotor wie am ersten Tag.

Wo bitte geht es zum nächst niedrigeren Gang

Da hat der Fahrer schon mehr Mühe. Zwar sinkt man hinter dem riesigen Lenkrad auf der weichen Lederbank ein, als säße man in einem Lounge-Sessel und die meisten Bedienelemente sind rasch begriffen. Doch das Schalten ist eine Kunst für sich. Drei Gänge liegen auf dem Pistolenknauf, der wie bei der Ente von Citroën neben dem Lenkrad hervorlugt. Und keiner von ihnen ist richtig synchronisiert: Raufschalten geht leicht. Aber auf dem Rückweg knarzt und knirscht es schmerzlich.

Der offene Peugeot nimmt das locker und schnurrt einfach weiter über die Hügel. Zwar leistet der im wuchtigen Bug fast verloren wirkende Zweiliter-Motor lediglich 58 PS und hat mit den 1,4 Tonnen Gewicht etliche Mühe. Doch geruhsam gleitet die Eclipse so gediegen dahin, als säusele unter der geflügelten Haube ein weitaus größeres Aggregat.

Tempo wird unwichtig in diesem wunderbaren Auto mit den beiden Dreiersofas für sechs Fahrgäste. Wer hier einen Platz ergattert, dem reicht das laue Lüftchen allemal, das durch die Eclipse weht. 30, 40, 60, 80 km/h - so geht es dahin. Und wer will schon wissen, ob die alte Dame wirklich noch mehr schafft? Bis 150 jedenfalls reicht die Skala des Tachos.

Das Schließen des Verdecks ist ein Kraftakt

Nur gut, dass es heute trocken bleibt. Wo man beim aktuellen Peugeot 308 CC nur aufs Knöpfchen drücken muss, um die Sommergäste unter die Haube zu bringen, ist beim Eclipse noch schwere Handarbeit gefragt. Zwar gab es damals ein paar wenige Exemplare mit Elektroantrieb, aber in diesem Exemplar muss man aussteigen, zwei große Schrauben am hinteren Kotflügel lösen, den Kofferraumdeckel zurückklappen und dann zu zweit das Metalldach Marke Scheunentor nach vorne stülpen. Spätestens danach sieht man eine weitere Parallele zwischen gestern und heute: Eben noch eine elegante Cabrio-Schönheit, geht nun viel vom Charme der Eclipse durch die unförmigen Proportionen verloren. Darin sind ihr die neuen Autos 207 CC und 308 CC näher, als es Peugeot lieb ist.

Das Modell Eclipse war ein horrend teures Auto. Der Neupreis von 1936, damals 36.000 französische Francs, entspricht heute einer Kaufkraft von etwa 150.000 Euro. Darüber kann Peugeot-Mechaniker Heinz Grund nur lachen: Die wenigen Exemplare, die heute alle paar Jahre mal gehandelt werden, kosten mittlerweile fast das Doppelte.

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