Schönes Ding - Peugeot Vroomster Rollendes Bügeleisen

Die Automobilgeschichte ist voll von irren Studien, die erst begeisterten und dann doch verschwanden. SPIEGEL ONLINE zeigt die verrücktesten Visionen. Diesmal: der Peugeot VrooMster - ein Hybrid der etwas anderen Art.

Peugeot

Von Martin Wittler


Mobilität neu denken - diese Aufforderung ist mal wieder hochaktuell in der Autobranche. Sie war es aber schon vor knapp 20 Jahren. Denn unter genau dieses Motto stellte im Jahr 2000 der französische Autobauer Peugeot eine kleine, besonders bunte Fahrzeugflotte beim Autosalon in Paris vor: die "City Toyz" (Stadtspielzeuge). Größter Hingucker des Quartetts war das Modell Vroomster - ein Zweisitzer-Hybrid, der die besten Eigenschaften von Motorrad und Auto miteinander verbinden sollte.

Ein kurzer Schwenk zurück in die Zeit, als der Vroomster plötzlich in die Autowelt preschte: AOL war damals noch eines der wichtigsten Unternehmen der Welt, die Deutschen gingen an ihren Rechnern auf Moorhuhn-Jagd und Wikipedia war noch nicht Schulreferatsquelle Nummer eins. Die Online-Enzyklopädie ging nämlich erst ein Jahr später online. Peugeot zeigte sich also ausgenommen innovativ, als das Unternehmen auf dem Pariser Autosalon für einen offenen Online-Designerwettbewerb warb - und eigens dafür die vier City Toyz-Concept Cars entwerfen ließ. Unter ihnen war auch der Vroomster: ein fidel-flottes Fahrzeug im Format 3,16 Meter Länge, 1,52 Meter Breite und 1,36 Meter Höhe.

Das Beste aus Motorrad und Auto

Der Vroomster sollte genau wie die anderen drei City Toyz nie in Scharen über den Asphalt rollen. Vielmehr ging es Peugeot darum, die Fantasie der Onlinedesigner im angekündigten Wettbewerb anzuregen und deren Spieltrieb zu kitzeln. So verband der Vroomster die Eigenschaften eines Kleinwagens mit denen eines Motorrads. Augenscheinlich wird der Motorrad-Einfluss bereits dadurch, dass der Beifahrer genau wie auf einem Motorrad hinter dem Fahrer sitzt. Auch bei der Positionierung der Tankvorrichtung zwischen den Beinen des Fahrers lässt sich der Motorrad-Einfluss nicht leugnen. Gesteuert wurde der französische Zweisitzer mit einer mittig angebrachten Konstruktion, die Autolenkrad und Motorradlenker kombinierte. Bei manch einem Fan der Serie "Knight Rider" könnte sie Erinnerungen an das Lenkraddesign des Sportwagens K.I.T.T. hervorrufen.

Armatur und Cockpit hingegen waren schlicht gehalten und erinnerten eher an die Ausstattung eines Tretboots. Doch selbst Michael Knight alias David Hasselhoff hätte mit Blick auf die Dachkonstruktion des Vroomsters nicht schlecht gestaunt. Die riesige Windschutzscheibe neigte sich nämlich in geschwungener Form über die beiden Fahrzeuginsassen und bildete so auch das Dach des Zweisitzers. Um den Einstieg des Beifahrers zu erleichtern, ließ sich die Scheibe sogar umklappen. Von außen betrachtet hatte der Vroomster durchaus Ähnlichkeit mit einem Bügeleisen auf Rädern.

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Schönes Ding: Peugeot Vroomster: Vorbild Spaßmobil

Als Antrieb war ein 1,6-Liter Motor verbaut, der eine Leistung von 109 PS entwickelte. Seinerzeit gehörte dieser Motor beispielsweise auch zur Antriebspalette des Peugeot 206. Auffällig am Vroomster waren die länglichen, spitz zulaufenden Frontscheinwerfer. Zusammen mit der Kohlefaser-Karosserie und dem kleinen Kühlergrill verpassten sie dem Wagen eine Frontpartie, die in Erinnerung bleibt. Ob der Vroomster sich selbst gerade im Spiegel erblickt hat und deshalb so erschrocken ausschaut? Alle vier City-Toyz sind heute im Besitz des Museums "L'Aventure Peugeot" im französischen Sochaux.

Der Design-Wettbewerb, den Peugeot im Jahr 2000 startete, erfreute sich übrigens großer Beliebtheit und wurde bis ins Jahr 2008 alle zwei Jahre auf dem Autosalon in Paris fortgesetzt. Jedes Gewinnermodell wurde im Folgejahr in Originalgröße gebaut und diente wiederum den Nachwuchsdesignern des nächsten Wettbewerbs als Vorbild. So gesehen steckt ein kleines bisschen Peugeot Vroomster wohl auch in vielen anderen Konzeptautos, die in dieser Zeit am Computer entstanden.

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Schönes Ding: Die skurrilsten Auto-Designstudien


insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
chk_23 25.08.2019
1.
Zitat aus dem Artikel: "Augenscheinlich wird der Motorrad-Einfluss bereits dadurch, dass der Beifahrer genau wie auf einem Motorrad hinter dem Fahrer sitzt." Der Verfasser ist wahrscheinlich zu jung (oder unerfahren), aber den Messerschmidt Kabinenroller sollte er kennen: https://de.wikipedia.org/wiki/Messerschmitt_Kabinenroller
seine-et-marnais 25.08.2019
2. Vorwärts in die Vergangenheit
Der Vroomster erinnert mich dann doch schon stark an den Messerschmidt der Nachkriegsjahre. Wie wärs mit einer 'rassigen' Version von Janus, Goggo und Lloyd (wer den Tod nicht scheut fährt Lloyd). Darüber hinaus, ein 'Spassautokonzept' bei den ständigen Fahrverboten ist wohl nicht mehr zeitgemäss.
tpro 25.08.2019
3.
Zitat von chk_23Zitat aus dem Artikel: "Augenscheinlich wird der Motorrad-Einfluss bereits dadurch, dass der Beifahrer genau wie auf einem Motorrad hinter dem Fahrer sitzt." Der Verfasser ist wahrscheinlich zu jung (oder unerfahren), aber den Messerschmidt Kabinenroller sollte er kennen: https://de.wikipedia.org/wiki/Messerschmitt_Kabinenroller
Das dachte ich mir eben auch. Aber während der Peugeot Vroomster eine Designstudie war, fuhren der Messerschmidtt Kabinenroller oder die BMW Isetta tatsächlich als Gebrauchsfahrzeug durch Deutschland.
syracusa 25.08.2019
4.
Zitat von chk_23Zitat aus dem Artikel: "Augenscheinlich wird der Motorrad-Einfluss bereits dadurch, dass der Beifahrer genau wie auf einem Motorrad hinter dem Fahrer sitzt." Der Verfasser ist wahrscheinlich zu jung (oder unerfahren), aber den Messerschmidt Kabinenroller sollte er kennen: https://de.wikipedia.org/wiki/Messerschmitt_Kabinenroller
Autorenbashing scheint in den SpOn Foren immer beliebter zu werden, und dafür scheint manchem kein abwegiger Gedanke zu weit. Der Autor hat nicht behauptet, dass dieses Designelement im Peugeot Vroomster das erste mal in der Weltgeschichte eingeführt wurde. Und ja: auch beim Messerschmitt Kabinen*roller* verweist die Sitzanordnung auf einen Motorroller.
tpro 25.08.2019
5.
Zitat von syracusaAutorenbashing scheint in den SpOn Foren immer beliebter zu werden, und dafür scheint manchem kein abwegiger Gedanke zu weit. Der Autor hat nicht behauptet, dass dieses Designelement im Peugeot Vroomster das erste mal in der Weltgeschichte eingeführt wurde. Und ja: auch beim Messerschmitt Kabinen*roller* verweist die Sitzanordnung auf einen Motorroller.
Der erste Motorroller (Vespa) kam 1946 auf den Markt. Da war das Konzept des Hintereinandersitzens schon lange geboren. Nämlich u.a. aus Messerschmidt-Jagdflugzeugen. "....Autorenbashing scheint in den SpOn Foren immer beliebter zu werden, und dafür scheint manchem kein abwegiger Gedanke zu weit...." Mit Verlaub: wenn ein Autor Blödsinn schreibt oder Hintergründe wegläßt, darf man das schon kritisieren. Andernfalls reagiert man wie Oma Müller "Es steht in der Zeitung und deshalb ist es wahr".
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