Piaggio Ape 600 MP, Baujahr 1975 Ein Dreirad für große Jungs

Klein, eine geräumige Ladefläche und ein genialer Wendekreis: SPIEGEL-ONLINE-Leser Fritz Scheuermann hat einen typisch italienischen Mini-Laster von Piaggio restauriert. Das flinke Dreirad erfreut jetzt nicht nur ihn, sondern auch den Besitzer eines italienischen Restaurants.


Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Fritz Scheuermann über das Leben mit seiner Piaggio Ape 600 MP, Baujahr 1975.

Den Sommer 1976 verbrachte ich mit der Familie in Italien, in Riccione. Ich war damals sieben Jahre alt und kann mich daran erinnern, dass das Hotel in einer Einflugschneise des Flughafens lag und der Strand überfüllt war. Und die lustigen und knatternden Dreiräder, die in der Lage waren, nahezu alles zu transportieren, konnte ich ebenfalls nicht vergessen. Sogar der Gelati-Mann fuhr damit den Strand auf und ab und bot sein Eis feil. Beim Anblick des kleinen Dreirades in Genua, dessen grüner Lack von der südlichen Sonne ganz stumpf geworden war, musste ich im Sommer 2008 wieder an den Kindheitsurlaub denken. Genau so haben sie damals auch ausgesehen, die Kleinlaster von Piaggio mit einem Zylinder, 187 Kubikzentimeter Hubraum und rund 10 PS Leistung - und nach verbranntem Zweitaktöl gerochen. Arrivederci, sagte ich in Gedanken zu dem Grünling, wir sehen uns wieder.

Anfang Januar 2009 wurde meine über das Internet gekaufte Piaggio Ape 600 MP, Baujahr 1975 in München angeliefert. Allerdings verhinderten die heftigen Minustemperaturen schon im Vorfeld ein Aufkommen von sommerlichen Gefühlen, die ich mit der Knatter-Biene verbinde. Die erste Bestandsaufnahme nach dem Abladen ergab: Der Lack war gut, das Bodenblech porös und meine Frau voller Zweifel. Die Ape sprang zwar sofort tuckernd an, doch mir war klar, dass in den folgenden Wochen viel Arbeit vor mir liegen sollte.

Ein marodes Bodenblech und nur ein Vorbesitzer

Zunächst einmal musste ich alle Ein- und Anbauten demontieren. Und die Ladefläche und natürlich das Bodenblech mit der löchrigen Konsistenz erforderten eine intensive Behandlung. Lichtblicke waren -neben der problemlosen Ersatzteilbeschaffung - der Motor und das Getriebe sowie die Tatsache, dass die Ape nur einen einzigen Besitzer hatte. Laut beiliegendem Serviceheft ließ er alle Inspektionen bei Piaggio in Genua durchführen.

Das marode Bodenblech zu tauschen, war recht einfach, ebenso die Durchsicht und die Überholung der Bremsen. Jedoch wollte ich so viel alte Substanz wie möglich erhalten. Man darf der Ape die letzten 34 Jahre, die sie auf ihren kleinen zehn Zoll Rädern gelaufen hat, schon ansehen.

Im Frühjahr 2009 war es so weit: TÜV-Abnahme und die erstmalige Zulassung in Deutschland. Nun kamen die Erinnerungen an meine Kindertage in Grado, Trento oder Riccione beim Ausknattern mit der Ape, die ich in Anlehnung an den Erstbesitzer Antonio genannt habe, so richtig an die Oberfläche.

Und praktische ist das Gefährt auch heute noch. Man kann fast alles transportieren: etwa alte Gartenabfälle, Sperrmüll und Brennholz. Und wenn ich mit Antonio bei Gino, meinem Stamm-Italiener, vorbeischaue, erinnert er sich bei einem gemeinsamen Espresso an seine eigene Kindheit.

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insgesamt 3 Beiträge
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smokeonit 04.05.2009
1. danke
Netter Artikel und Fotos;) hoffe Sie haben viel Spass mit der Ape und das sie lange bei Ihnen bleibt;)
Mo2 04.05.2009
2. Entzückend
Ja, diese "Scheesen" haben mich auch schon immer fasziniert, sooo praktisch, preiswert und lustig anzusehen. Hier in Hamburg fahren auch ein paar rum. Mit meinen 192 cm würde ich aber leider wie Affe auf Schleifstein aussehen, schon das Finden geeigneter 4- und 2-Räder ist für mich eine Herausforderung. Aber vielleicht im nächsten Leben ;-) Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit dem Teil!
MarkH, 05.05.2009
3. ooo
Zitat von sysopKlein, eine geräumige Ladefläche und ein genialer Wendekreis: SPIEGEL-ONLINE-Leser Fritz Scheuermann hat einen typisch italienischen Mini-Laster von Piaggio restauriert. Das flinke Dreirad erfreut jetzt nicht nur ihn, sondern auch den Besitzer eines italienischen Restaurants. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,621652,00.html
ja .. so einfach kann es sein, Autoliebhaber glücklich zu machen
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