Fotostrecke

Verbrauchswerte von Plug-in-Autos: Wer's glaubt, fährt selig

Foto: Volvo
Michail Hengstenberg

Plug-in-Autos Der Hybrisantrieb

Die Autoindustrie hat den Plug-in-Hybrid für sich entdeckt. Und das, obwohl er teuer und ineffizient arbeitet. Der Grund dafür ist simpel: Mit dem Konzept können die Konzerne schön beim Spritsparen schummeln.

Endlich ist die Autoindustrie zur Vernunft gekommen - könnte man meinen. Konzerne, die jahrelang mehrheitlich den Hybridantrieb als faulen Kompromiss verteufelt haben, scheinen plötzlich einsichtig. Denn fast jeder große Hersteller hat inzwischen Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge im Programm und feiert das als wichtigen Schritt auf dem Weg zum Mobilitätswandel.

Schön wäre es. Doch der Plug-in-Hybrid ist nicht mehr als ein fauler Kompromiss.

Bei ihm wird der Akku an Bord zuerst mit Strom aus der Steckdose geladen. Das ermöglicht, je nach Akkugröße, eine elektrische Reichweite von bis zu 50 Kilometern. Der Plug-in-Hybrid schleppt deswegen, ähnlich wie ein Elektromobil mit Range-Extender, alle Nachteile zweier Antriebssysteme an Bord mit sich herum: Die hohen Kosten und das hohe Gewicht, was fast noch wichtiger ist beim elektrischen Fahren.

Warum also forcieren fast alle Unternehmen trotzdem das Plug-in-Konzept? Weil es ihnen zurzeit vor allem dabei hilft, ihre CO2-Bilanz zu frisieren.

Fabelhafte Verbrauchswerte

Bislang werden die Plug-in-Hybride bei der Berechnung des Durchschnittsverbrauchs unverhältnismäßig stark begünstigt. Dabei wird die elektrisch zurückgelegte Strecke mit einem Verbrauch von Null angesetzt. Auf dem Papier steht so am Ende des Testzyklus ein wahrlich fabelhafter Verbrauchswert. Und das im doppelten Sinne:

  • Zum einen, weil auch bei der Herstellung des Stroms CO2-Emissionen anfallen - zumindest dann, wenn dieser nicht aus regenerativen Quellen stammt. Diese Emissionen müssten berücksichtigt werden. Doch der aktuelle Testzyklus unterschlägt sie einfach.
  • Zum anderen schlicht deshalb, weil auch ungeachtet dessen der Realverbrauch mit dem errechneten Wert nicht ansatzweise übereinstimmt.

Bestes Beispiel: Der aktuelle C 350e von Mercedes. Auf dem Papier wird dem Kunden ein Durchschnittsverbrauch von 2,1 Litern vorgegaukelt. Für ein 1,8 Tonnen schweres Luxusauto, das in der Spitze 250 Km/h läuft, wohlgemerkt. Der Realverbrauch pendelte sich bei unserem Test bei sechs Litern ein, selbst bei moderater Fahrweise (Stromverbrauch noch nicht einmal mit eingerechnet). Das schafft übrigens ein ganz normaler Diesel, der dann allerdings deutlich weniger in der Anschaffung kostet.

Den Herstellern scheint dies egal. Mit den Fantasiewerten des Testzyklus konfrontiert, lautet ihre Antwort grundsätzlich, dass der NEFZ der einzige Zyklus sei, der einen einheitlichen Vergleich aller Fahrzeuge ermögliche. Für sie ist der Wert auf dem Papier entscheidend. Denn mit dem (theoretisch) niedrigen Verbrauch des Plug-in-Hybrids können sie den hohen Verbrauch ihrer Sechs- und Achtzylindermotoren subventionieren. Und umgehen Strafzahlungen wegen zu hohen Flottenverbrauchs.

Es gäbe eine Lösung - aber die ist nicht dreist genug

Wäre ein tatsächlich niedriger Verbrauch das erklärte Ziel, es gäbe eine technische Antwort. Und eine erprobte obendrein: Den Vollhybrid. Er hat nur einen kleinen Akku an Bord, der nicht an der Steckdose geladen werden kann. Stattdessen wird in ihm die wertvolle Bewegungsenergie des Autos durch Rekuperation gespeichert, statt sie in Form von Bremswärme verpuffen zu lassen. Mit der so zurückgewonnenen Energie können Strecken bis zu zwei Kilometer rein elektrisch zurückgelegt werden, oder aber der Verbrennermotor wird beim Beschleunigen unterstützt.

Der Akku ist klein, deswegen ist er günstig und nimmt nicht viel Platz weg. Das System ist simpel, aber effizient - es spart Benzin. Trotzdem kommt es immer seltener zum Einsatz, denn es hat einen Haken: Mit ihm kann man nicht so leicht die CO2-Bilanz beschönigen.

Keine Frage, die Plug-in-Hybride sind technisch beeindruckende Automobile. Und vermutlich sind sie vorzügliche Botschafter der Elektromobilität: Weil sie den Nutzern die Vorzüge des elektrischen Fahrens (das lautlose Gleiten) sanft vermitteln, nicht mit dem fundamentalistischen Eifer und den Einschränkungen bei der Reichweite, die reine Elektrofahrzeuge mit sich bringen.

Auf Knopfdruck Geisterfahrer

Aber man merkt den Autos in vielen Fällen eben an, dass sie nur Mittel zum unheiligen Zweck sind. Und nicht aus Überzeugung entstanden. Die Idee einer neuen, einer nachhaltigeren Mobilität, die Idee von einem Mobilitätswandel kann nur funktionieren, wenn dahinter auch ein echter Sinneswandel steckt.

Dieses Umdenken findet nur unter dem entsprechenden politischen Druck statt. Erst die strengen CO2-Grenzwerte haben die Hersteller dazu gebracht, sich intensiv mit Maßnahmen zur Verbrauchsreduzierung zu beschäftigen. Insofern wäre es nur konsequent, Schlupflöcher wie die Berechnung der Plug-in-Hybride schnell zu stopfen.

Die Zeit wäre auch für die Hersteller günstig: Durch die Digitalisierung bietet sich gerade jetzt die Möglichkeit, den Wert eines Autos ganz anders zu besetzen. Weg mit der alten Maxime vom größer, schneller, besser! Weg mit den Angaben des Spurtvermögens von null auf hundert und der Spitzengeschwindigkeit als feste Größen in der Kommunikation neuer Modelle!

Dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist, dafür steht auch der Mercedes C 350e exemplarisch. Um die Kunden, die den Plug-in-Hybriden bislang allgemein (zu Recht) zurückhaltend begegnen, zu begeistern, bietet das Fahrzeug (und etliche andere Luxus-Plug-ins ebenfalls) ein vollkommen absurdes Feature: den Sport-Modus.

Da wird all die komplexe, teure Technik, die eigentlich Benzin sparen soll, dazu eingesetzt, das Auto in Sportwagenmanier zu beschleunigen - bei selbstverständlich exorbitantem Benzinverbrauch.