Porsche 911 von Diego Maradona wird versteigert Das Auto Gottes

Für manche Autos muss man einfach mehr bieten: Der SPIEGEL zeigt Fahrzeuge mit berühmten Vorbesitzern und Raritäten, die versteigert werden. Diesmal: Ein Porsche, in dem Diego Maradona durch Sevilla raste.
Breit wie ein Turbo: Diego Maradonas Carrera-Cabrio im Werksturbolook

Breit wie ein Turbo: Diego Maradonas Carrera-Cabrio im Werksturbolook

Foto: Bonhams

Unterm Hammer: Ein Porsche 911-Cabrio, Baujahr 1992, im seltenen Werksturbolook.

Warum mitbieten? Es gibt ein paar grundlegende Fragen, bei denen sich der wohlhabende Teil der Menschheit schnell in zwei Gruppen sortiert. Meer oder Berge, Porsche oder Ferrari, Pelé oder Maradona? Falls Sie sich bei den hinteren beiden Optionen sofort für Porsche und Maradona entscheiden, könnte dieser Wagen das ideale Wochenendvehikel für Sie sein.

Denn das silberne Carrera-Cabrio wurde im November 1992 an eben jenen Diego Maradona erstmals ausgeliefert. Der im vergangenen Jahr verstorbene Fußballer, der vielen als der größte Kicker aller Zeiten gilt, spielte damals beim FC Sevilla, nachdem er zuvor mehrere Jahre bei der SSC Neapel verbracht hatte. Dort war der »Goldjunge« ein Volksheld.

Der Argentinier führte den Außenseiter unter anderem zu zwei italienischen Meisterschaften. Doch nach dem Halbfinale der Weltmeisterschaft 1990 zwischen Gastgeber Italien und Argentinien in Neapel (3:4 nach Elfmeterschießen) entfremdeten sich Fans und Maradona voneinander. 1991 verließ er schließlich Italien, nachdem bei einer Dopingprobe Kokain gefunden worden war.

Nach Ablauf der Sperre sicherte sich 1992 der FC Sevilla die Dienste Maradonas, der Klub bezahlte knapp fünf Millionen Euro Ablöse an die SSC Neapel. In der Hauptstadt Andalusiens wurde der Spielmacher euphorisch empfangen: Er wurde zum Kapitän ernannt, mietete die Villa von Juan Antonio Ruiz Roman, dem berühmtesten Stierkämpfer des Landes – und gönnte sich das silberne Porsche-Cabrio.

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Der Wagen aus Maradonas vergessener Saison

Foto: Bonhams

Am 6. November erhielt er den Wagen, bei dem es sich trotz des unscheinbaren Äußeren aber nicht um ein beliebiges Exemplar handelt. Insgesamt entstanden dem Auktionshaus Bonhams zufolge nur 1200 Exemplare dieser Variante des Modells 964, eines Carrera-2-Cabriolets im sogenannten Werksturbolook. Dabei handelt es sich gewissermaßen um einen 911 mit Schulterpolstern: Die breitere Karosserie, das Fahrwerk sowie Räder und Bremsanlage stammen vom 911 Turbo 3.3. Der Wagen hat dadurch ein markantes Äußeres, aber nicht die gleiche Leistung wie die Turbovariante. Ausreichend stark war er trotzdem, der 3,6-Liter-Sechszylinder im Heck leistet 250 PS und 310 Newtonmeter.

Die schöpfte Maradona offenbar gern aus, er ging mit dem Gaspedal des 260 km/h schnellen Porsches jedenfalls weniger zärtlich um als mit dem Ball. So wurde die Fußballlegende laut Bonhams einmal von der örtlichen Polizei gestoppt, weil er eine rote Ampel missachtet hatte und mit 180 km/h durch die Innenstadt raste. Der Wagen steht somit auch für Maradonas lockeres Verhältnis zu Regeln aller Art. Unvergessen, wie er im WM-Viertelfinale 1986 den Ball mit der Hand ins Tor der Engländer beförderte und hinterher davon sprach, es sei wohl die Hand Gottes gewesen.

In Sevilla ging es für Maradona nicht nur hinterm Steuer furios los, sondern auch sportlich – unter anderem mit einem 3:1-Sieg im Vorbereitungsspiel gegen Bayern München. Eine Erfolgsgeschichte wie in Neapel wurde die Verbindung zwischen Maradona und dem Klub aus Südspanien jedoch nicht. Der Argentinier, der mit dem 911 häufig zum Training des FC Sevilla fuhr, machte auch in Spanien vor allem durch seinen ausschweifenden Lebensstil Schlagzeilen. Trotz einzelner gelungener Partien und seiner Rückkehr in die Nationalmannschaft 1993 endete seine Zeit in Sevilla nach nur einer Saison – und damit auch die Zeit mit dem silbernen Cabrio.

Mit einer Laufleistung von 7500 Kilometern wurde der 911 im September 1993 verkauft und ging seitdem durch mehrere Hände. Mittlerweile hat der Wagen knapp 123.000 Kilometer auf der Uhr – und ist ein besonderes Relikt von Maradonas nahezu vergessener Saison beim FC Sevilla, seiner letzten in Europa.

Zuschlag! Das Auktionshaus Bonhams versteigert den silbernen 911 vom 3. bis zum 10. März und erwartet einen Preis von rund 175.000 Euro. Angesichts des stolzen Preises könnte ein Aspekt Interessenten trösten. Denn Maradonas Porsche wird 2022 30 Jahre alt und kommt damit für ein H-Kennzeichen infrage – damit spart der Besitzer immerhin bei Steuer und Versicherung.

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