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Autos unterm Hammer: DER Porsche

Foto: Gooding & Company

Porsche 917 aus "Le Mans" Der Mietwagen von Steve McQueen

Für manche Autos muss man einfach mehr bieten: SPIEGEL ONLINE zeigt Fahrzeuge mit berühmten Vorbesitzern, die versteigert werden. Diesmal: Ein Porsche, der bei Rennen, Dreharbeiten und einem Trauerzug im Einsatz war.
Auction Heroes

Die teuersten Autos der Welt sind oft keine Neuwagen, sondern gebrauchte: Oldtimer, die sich in Händen reicher Sammler befinden oder nach langer Vergessenheit plötzlich aus Scheunen wieder auftauchen. Für den gewöhnlichen Auto-Enthusiasten bleiben diese Fahrzeuge unerreichbar, nur mit ganz viel Glück bekommt man sie mal zu Gesicht. In seltenen Momenten ergibt sich aber die Gelegenheit, etwas über diese Traumwagen zu erfahren: wenn sie versteigert werden.

Bevor die Autos zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten wieder verschwinden, werden die alten Storys über sie neu erzählt oder sogar Geheimnisse gelüftet. Je schillernder die Geschichte eines Autos, desto höher sein Marktwert. Die glamourösesten Fahrzeuge stellen wir in einer Serie in loser Reihenfolge vor. Sie sind unsere Helden unterm Hammer - die Auction Heroes .

Unterm Hammer: Ein Porsche 917, Chassis-Nummer 024, von 1970.

Warum mitbieten? Tja, wo soll man beginnen - es gibt so viele gute Gründe. Einer der wichtigsten ist die Modellgeschichte des 917: Das Rennauto, 1968 von der Ingenieur-Legende Hans Mezger entwickelt, bescherte dem Sportwagenhersteller Porsche die damals lang ersehnten Erfolge im Motorsport. Auch wenn dazu angeblich eine kleine Dreistigkeit von Ferdinand Piëch nötig war.

Piëch war Ende der Sechzigerjahre zum Entwicklungschef von Porsche aufgestiegen. In dieser Funktion, so geht die Legende, führte er Kommissaren der Motorsportbehörde Fia 25 Exemplare des 917 vor. Das war die Mindeststückzahl an Rennwagen, die damals für eine Zulassung gebaut werden mussten. Weil die vorhandenen Bauteile aber nicht für alle 25 Wagen ausgereicht haben sollen, steckten unter einigen der Karosserien Bremsklötze aus Holz. Auch bei den luftgekühlten 4,5-Liter-Zwölfzylindermotoren herrschte demnach Knappheit - manche der sogenannten Homologationsmodelle hatten deshalb 0 statt 520 PS, weil der Motorraum schlichtweg leer war.

Piëch selbst bezeichnete diese Präsentation mal als größtes Risiko seines Lebens. Der gewagte Bluff sollte sich allerdings lohnen - die Kommissare segneten alles ab, der 917 durfte auf die Rennpisten, und ab 1969 fuhr Porsche damit der Konkurrenz davon.

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Autos unterm Hammer: DER Porsche

Foto: Gooding & Company

Der größte Erfolg mit dem 917 gelang dem Hersteller gleich 1970 bei den 24 Stunden von Le Mans - mit dem ersten Triumph für Porsche bei einer der wichtigsten Motorsportveranstaltungen der Welt. Seit 1960 hatten Ferrari und Ford das Langstreckenrennen dominiert, doch fortan sollte keine dieser beiden Marken mehr einen Gesamtsieg erreichen; stattdessen legte Porsche 1970 den Grundstein für einen bis heute gültigen Siegesrekord in Le Mans.

Der jetzt zur Versteigerung stehende 917-024 kam beim Rennen 1970 nur als Testwagen zum Einsatz. Aber dafür ist sein weiterer Lebenslauf umso glamouröser: Denn er spielte eine Rolle beim legendärsten Motor-Epos der Filmgeschichte.

Das kam so: Nach dem Einsatz als Testwagen verkaufte Porsche den 917 an den Werksfahrer Jo Siffert. Der Schweizer wiederum vermietete das Auto an die Produktionsfirma Solar Productions. Die hatte der Hollywoodstar Steve McQueen gerade frisch gegründet, und sie diente nur einem Ziel: Einen Film über die 24 Stunden von Le Mans zu schaffen.

Steve McQueen mit zwei Porsche 917 am Set von "Le Mans"

Steve McQueen mit zwei Porsche 917 am Set von "Le Mans"

Foto: Porsche Archiv/erschienen im Buch "Unser Le Mans"

Das Ergebnis war zunächst desaströs. McQueen verschliss bei den Dreharbeiten 1970 zwei Regisseure und trieb die Produktionskosten in irrwitzige Höhen - unter anderem, weil er statt billiger Requisiten Original-Rennwagen wie den 917-024 rankarren ließ. In den Kinos floppte "Le Mans" dann, kaum jemand interessierte sich damals für den PS-Porno mit Überlänge.

Mittlerweile gilt es als ein Meisterwerk - der Stellenwert von "Le Mans" im Genre des Motorsportfilms ist vergleichbar mit dem von "Rio Bravo" bei Western. Für die in dem Film verwendeten Autos bedeutete dieser späte Erfolg eine enorme Wertsteigerung: Fahrzeuge, die sich mit Steve McQueen in Verbindung bringen lassen, diesem Säulenheiligen aller Petrolheads, bilden mittlerweile so etwas wie eine eigene Kategorie bei Auto-Auktionen. Der Porsche 911 beispielsweise, den er als Michael Delaney in "Le Mans" als Privatwagen nutzt, kam vor sechs Jahren für rund 1,4 Millionen Dollar unter den Hammer.

Kleiner Schönheitsfehler bei 917-024: Es gilt zwar als sicher, dass das Exemplar sowohl für mehrere Filmszenen als auch als Kamerawagen bei "Le Mans" zum Einsatz kam - aber am Steuer saß nicht Steve McQueen. Für die Rennszenen musste er sich von dem Porsche-Piloten und -Techniker Herbert Linge doubeln lassen.

Was den Wagen aber von vielen anderen 917ern unterscheidet - und ihn besonders macht - ist die Gulf-Oil-Lackierung. Das blasse Hellblau mit leuchtendem Orange ist mehr als nur eine Farbkombination: Als Motorsport-Referenz ist es so ikonisch, dass die Bemalung als optisches Tuning durchgeht.

Zuschlag! Der Porsche 917-024 war einige Jahrzehnte von der Bildfläche verschwunden, ehe er Anfang der Nullerjahre in einer Scheune bei Paris wieder zum Vorschein kam. Danach wurde er unter anderem an der Technischen Hochschule Aachen restauriert.

Schon 2014 war eine Versteigerung im Rahmen der Luxusauto-Schau Concours d'Elegance am Pebble Beach in Kalifornien angekündigt, damals zog das Auktionshaus Gooding & Company das Los jedoch kurz vor der Veranstaltung ohne Angaben von Gründen zurück. Jetzt soll er im August an gleicher Stelle tatsächlich unter den Hammer kommen. Laut Gooding & Company  ist der 917-024 in der Zwischenzeit nochmals restauriert worden.

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Wurde 2014 im Vorfeld der Versteigerung kein erwarteter Erlös genannt, geht das Auktionshaus nun von 13 bis 16 Millionen Euro aus. Das wäre eine Rekordsumme: Das bislang höchste Gebot für einen Porsche liegt bei 10,2 Millionen Euro - so viel zahlte ein Bieter im Jahr 2015 für einen 956er, es handelte sich um das Siegerauto von Le Mans 1983.

Bevor Sie jetzt aber leichtfertig mehr als 13 Millionen Dollar ausgeben wollen, sollte Ihnen die tragischste aller Anekdoten zu diesem Porsche nicht verschwiegen werden: Jo Siffert, der den Wagen 1970 an Steve McQueen vermietete, starb ein Jahr später bei einem Unfall während eines Rennens. Sein Begräbnis wurde damals live im Schweizer Fernsehen übertragen, mehr als 50.000 Menschen gaben ihm das letzte Geleit. An der Spitze des Trauerzugs: 917-024.

cst