Porsche 924S, Baujahr 1987 Purist mit kleinen Aussetzern

Ein fast ungetrübtes Vergnügen: Mit dem 924S fand SPIEGEL-ONLINE-Leser Frank Muschalle seinen Traumporsche. Nur ein technisches Problem schmälerte das Fahrerlebnis - doch die Suche nach einer Lösung schweißte Fahrer und Auto noch enger zusammen.

Das Durchschnittsalter der rund 46 Millionen Pkw in Deutschland liegt bei knapp acht Jahren, einige Autos sind noch deutlich älter. SPIEGEL ONLINE testet mit Hilfe der Leser, wo die Stärken und Schwächen des Altmetalls liegen. Diesmal berichtet Frank Muschalle aus Berlin-Wilmersdorf über seinen Porsche 924S aus dem Baujahr 1987.

Frank Muschalle:
Es war keine Liebe auf den ersten Blick. Als Porsche den 924 im Jahr 1976 auf den Markt brachte, war ich acht Jahre alt und ein Autofreak. Der 924 hatte nur vier Zylinder und mit 125 PS war man beim Autoquartettspiel auch nicht gerade vorne.

Schnitt.

2001 wohne ich in Berlin-Wilmersdorf und breche jedes Frühjahr in Begeisterung aus, wenn die Freaks ihre Youngtimer anmelden und zur Veredelung des Berliner Straßenbilds beitragen. Irgendwann - meine Frau und ich hatten unseren Volvo Kombi längst verkauft - fing ich an, mich auch wieder nach Autos umzuschauen. Wenn in Berlin alle Mercedes fahren, dann musste es bei mir ein Porsche sein, aber keiner, den alle wollen. Nach mehreren negativen Testerlebnissen mit Porsche 928ern probierte ich dann mal einige 924er aus. Und dann einen 924S. Das "S" muss man hier besonders betonen, denn statt 125 hat dieser je nach Baujahr immerhin 150 oder sogar 163 PS unter der Haube! Mit seinem nougatbraunen Metalliclack wirkte er auf Anhieb sehr edel und die Probefahrt überzeugte vollends. Höchstgeschwindigkeit ganzklar über 220 km/h und eine Beschleunigung, bei der man auch heute noch auf der linken Spur mithalten kann.

Porsche fährt man für sich selbst

Innen gibt es Porsche pur, keinen Schnickschnack. Fensterheber mechanisch. Kein Airbag. Kein Heckscheibenwischer. Und kein rechter Außenspiegel. Aber eine 1a-Straßenlage und Beschleunigung. Man hat das Gefühl in einem puren Sportwagen zu sitzen.

Was ich nach dem Kauf schnell kapierte: Man fährt einen Porsche nicht für andere, sondern für sich selbst. Man will nicht tausend Leute um sich herum, sondern die Straße für sich. Das macht süchtig! Wenn (wenn!) er anspringt und dezent aufheult, lacht das Herz. Im Gegensatz zu vielen anderen Coupes und Roadstern sitzt man in einem Porsche auch mit 1,87m Körperlänge ganz entspannt.

So kann ich stundenlang die Avus  rauf und runter cruisen, an der Tribüne und dem alten Rennturm mit dem Mercedesstern auf dem Dach vorbei und frage mich, wann in Berlin endlich wieder Autorennen gefahren werden? Immerhin war es der letzte deutsche Kaiser, der mit dem Bau der Avus, samt Steilkurve, die deutsche Automobilbranche in Schwung brachte!

Sicher im Winter, anfällig im Sommer

Und was ich nicht glauben wollte, inzwischen aber bestätigen kann: Der 924S ist ein sparsamer Porsche. Man fährt ihn leicht mit acht Litern Super Benzin pro 100 km. Auch im Winter macht der Wagen viel Spaß, denn das Transaxleprinzip (Motor vorn, Getriebe hinten) versetzt den 924 in eine sichere Straßenlage - auch bei Neuschnee.

Im Sommer hingegen, als die Temperaturen tropisch wurden, hatte unser Kleiner hin und wieder Probleme mit dem Anspringen. Noch schlimmer: Nach längeren Autobahnfahrten ging er an der nächsten roten Ampel einfach aus und wollte erst wieder, wenn sein Blutdruck etwas heruntergekommen war. Was ich zunächst für Divaallüren hielt, wuchs sich zu einem echten Problem aus. Fuhr ich auf eine Ampelkreuzung zu, begann das große Zittern.

Ich durchforstete Onlineforen. Es kamen zig Ursachen in Frage. Ich lernte alles über die die alte Bosch-Einspritzanlage L-Jetronic, erfuhr, was ein Luftmengenmesser ist, wo man gebrauchte Motronic Steuergeräte bekommt und so weiter. So wechselte ich nacheinander Bauteile der Zündanlage und der Einspritzanlage aus - aber nichts besserte sich.

Da meine Frau und ich trotzdem nicht auf unsere Sucht verzichten wollten, lernten wir die regionalen Unterschiede von Autofahrermentalitäten gründlich kennen: Wir blockierten mit halbstündigem Stillständen die Linksabbiegerspuren bedeutender Großstädte wie Berlin, Gelsenkirchen, Dortmund, Rügen, Zürich und Luzern. Besonders beliebt war ich an Kreuzungen, an denen sich Restaurants befanden. Nicht selten lernte ich andere Porsche-, VW- und Audifahrer kennen, die mir von ähnlichen Problemen in den neunziger Jahren erzählten. Die seien bei ihnen erst nach Jahren (nach Jahren!) endlich abgestellt worden.

Vertracktes Problem

Die Mechaniker waren ratlos - weil der Wagen sich dort keine Blöße geben wollte und stets zuverlässig ansprang. Ich war nach zahlreichen Versuchen mit freien Werkstätten schließlich im Porschezentrum Berlin gelandet und ein freundlicher ehemaliger Besitze eines 944 half mir, wo er nur konnte. Richtig beeindruckend waren die ADAC Engel, die innerhalb von Sekunden feststellen, ob es am Zündfunken oder an der Benzinpumpe hapert.

Irgendwann gab mir im PFF-Onlineforum  ein Experte den entscheidenden Tipp: Es könnten die Impulsgeber für die Drehzahlmessung sein. Und in der Tat, die waren völlig abgeschliffen. Seitdem ist Ruhe und der Wagen hat vor kurzem sogar eine 2500-Kilometer-Tour von Berlin über den San Bernadino bis hinunter nach Mailand ohne Mucken hingelegt.

In dem Auto kann man stundenlang fahren, ohne dass man es satt wird. Ich habe in diesem ersten Porschejahr unendlich viel über alte Einspritzanlagen und Motorelektronik von Bosch gelernt. Ich weiß so viel über diese Baureihe, dass es mir intim vorkommt. Ich möchte mich von unserem 924S nicht mehr trennen, denn ich fühle mich für seine Gesundheit verantwortlich.

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