Rallye-Legende PPIHC Mit Vollgas dem Himmel entgegen

Der Pikes Peak International Hill Climb in Colorado fordert Mensch und Maschine heraus. Denn das Ziel des höchstgelegenen Motorsportrennens der Welt befindet sich auf 4300 Metern Höhe. Die Fahrer kämpfen mit 156 Kurven - und dünner Luft.

Von Coralie Simon-Vermot, Colorado Springs


Dunkel ragt der Pikes Peak über die Ebene. Von der Startlinie auf rund 2860 Metern Höhe lässt sich kurz nach 5 Uhr das Ziel der Rennfahrer – die Bergspitze – bloß erahnen. Kurz vor dem Pikes Peak International Hill Climb (PPIHC) stehen an diesem Morgen Testläufe an. Kurz nach Sonnenaufgang werden die Motorräder, Motorradgespanne und Quads zur untersten Etappe der 12,42 Meilen (20 Kilometer) langen Strecke starten.

Der PPIHC oberhalb von Colorado Springs im US-Bundesstaat Colorado gilt mit einer Rennstrecke zwischen rund 2860 und 4300 Höhenmetern als höchstgelegenes Autorennen der Welt. Seit 1916 wird die Strecke von Fahrzeugen wettkampfmäßig bezwungen und ist somit nach dem Indy 500 das zweitälteste Autorennen der Vereinigten Staaten. Bis vor wenigen Jahren war die Straße, die ansonsten Touristen zum Gipfel bringt, größtenteils geschottert. In der Zwischenzeit wurde gut die Hälfte asphaltiert, was dem "Race to the Clouds" etwas von seiner Abenteuerlichkeit geraubt hat – aber nur etwas.

Beim 85. Rennen starten an diesem Samstag Autos, Lastwagen, Motorräder, Quads und Motorradgespanne in neun Klassen zu einem Rennen, das in seiner Form und Schwierigkeit einzigartig ist. Insgesamt 156 Kurven müssen die Teilnehmer meistern. Speziell im oberen Teil, wo die Schotterstraße beginnt, bilden die zahlreichen Richtungswechsel eine Herausforderung für die Fahrer und ein intensives Spektakel für das Publikum. Die Kurve "Bottomless Pit" kitzelt besonders an den Nerven, da die Bergflanke an dieser Stelle um mehr als 1800 Meter steil in die Tiefe abfällt.

Steigungen und Gefälle von bis zu zehn Prozent und ein Anstieg um rund 1,5 Kilometer tragen zur Dramatik bei. In dichtem Wald wird das Rennen gestartet, um hoch über der Baumgrenze auf dem stumpfen, kiesigen Gipfel zu enden. Die dünne Luft setzt dabei nicht nur den Teilnehmern Grenzen, sondern verringert auch die Leistung der Motoren – auf dem Gipfel um entscheidende 30 Prozent.

Die Testläufe an diesem Morgen verlaufen in relativer Abgeschiedenheit. Während am Renntag Tausende Zuschauer den Gipfel stürmen, ist das Publikum bei den Tests am frühen Morgen spärlich. Begehrter Aussichtspunkt ist der kalte und windige "Devil’s Playground" über der Baumgrenze, der uneingeschränkte Sicht auf einen großen Straßenabschnitt bietet. Auch am Tag des Hill Climb muss früh aufgestanden werden. Das Tor öffnet um 4 Uhr und nach 8 Uhr wird niemand mehr vorbeigelassen, damit pünktlich um 9.30 Uhr gestartet werden kann. Einmal auf dem Berg steckt man fest, bis die Straße je nach Verlauf der Rennen zwischen 15 und 18 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben wird.

In allen neun Klassen werden dem Publikum die neuesten Errungenschaften der Motorsport-Technologie und Automobil-Ingenieurkunst in imposanter Kulisse und auf herausfordernder Route vorgeführt. Die Klasse der "Super Stock Cars" zählt zu den am härtesten umkämpften - mit Autos im Stil der Nascar-Modelle. Seit dem ersten Durchführungsjahr kämpfen in der "Open Wheel"-Klasse Rennautos aller Couleur vom Indy-Wagen bis zum Dünenbuggy um den Sieg. Der Rekord in dieser Klasse von Robby Unser (10:05:85, 1994) liegt dabei weniger als zwei Sekunden von Rod Millens Weltrekord mit seinem Toyota Celica 4WD auf dieser Strecke (10:04:06, 1994, "Unlimited"-Division). Die Bestzeit der ersten Durchführung von 1916 wurde damit fast halbiert.

2006 lag der Japaner Nobuhiro Tajima mit seinem 940-PS-Suzuki in der "Unlimited"-Kategorie bei der Zwischenzeit vor derjenigen des Weltrekords, bevor ihn ein Schneesturm stoppte. Die nachmittäglichen Sommergewitter der Region waren dann auch der Grund für die Entscheidung, den Start der Rennen zeitlich vorzuverlegen. Tajima reist dieses Jahr wieder nach Colorado und sorgt mit seinen Rekord-Ambitionen für eine spannende Ausgangslage, die ganz dem diesjährigen Motto entspricht: "Break the Record."



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