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03. Dezember 2007, 14:29 Uhr

Rangier-Rambos

Phänotypologie des Einpark-Idioten

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Sie stellen sich quer, Fahrbahnmarkierungen liegen unter ihrer Wahrnehmungsschwelle: Parkplatz-Rambos sind eine global verhasste Spezies, die inzwischen auf mehreren Internetseiten an den Pranger gestellt wird. SPIEGEL ONLINE hat versucht, die Einpark-Legastheniker zu typologisieren.

Schief steht der Jeep in der Pampa, das rechte Räderpaar ruht auf einem Baumstamm, das linke steht im Schlamm. Wie der Fahrer es fertigbrachte, den Wagen in diese Position zu bekommen - ein Mysterium. In einer Parkbucht steht ein Kastenwagen - Schnauze, Heck und Chassis okkupieren insgesamt drei Plätze. Andernorts parkt ein silberner Rolls-Royce mitten in der Einfahrt und blockiert ein gesamtes Parkhaus.

Park-Idioten sind Legion, und meist kommen sie ungestraft davon. Nur selten wird jemand in flagranti erwischt, wie etwa Britney Spears: Am 6. August rammte die Pop-Prinzessin auf einem Parkplatz in Los Angeles beim Einparken ein anderes Auto. Mehrerer Paparazzi waren zugegen, doch Spears fuhr einfach weg.

Damit auch weniger bekannte Rangierer an den öffentlichen Pranger kommen, haben mehrere Blogger der Parkplatz-Mafia den Krieg erklärt. Sie ziehen aus mit der Kamera, knipsen schief geparkte Autos, und stellen das Ergebnis für alle sichtbar ins Netz.

"Ich park' wie ein Idiot"

Carlos Segura, Betreiber der Webseite CarType, ist einer von ihnen. Titel seiner Bilderstrecke: "I park like an idiot". "Ich war schon immer genervt von schlechten Einparkern", sagt Segura SPIEGEL ONLINE. "Sie beschädigen andere Fahrzeuge oder blockieren, indem sie schief stehen, mehrere der wenigen verfügbaren Plätze."

Der schlechte Benimm an der Parkbucht entsteht Seguras Meinung nach zum Teil aus Arroganz, zum Teil aus Ignoranz. "Manche Leute denken einfach nicht darüber nach, was sie ihren Mitmenschen zumuten; anderen ist das eigene Fehlverhalten bewusst, nur die Mitmenschen sind ihnen egal", glaubt er.

Seine eigenen vier Autos, behauptet der Autonarr aus Chicago, habe er noch nie schief eingeparkt: "Ich hätte viel zu viel Angst, dass jemand sich ärgert und meinen Wagen beschädigt."

Busse auf dem Meeresgrund

Sind Seguras Bilder ein mehr oder weniger ernsthafter Versuch, Park-Rambos durch Entblößung zur Einsicht zu bewegen, zieht ein anderer Blogger das Thema ins Cartooneske: Seine Galerie zeigt neben herkömmlichen Parkidioten auch Polizeiwagen auf Behindertenparkplätzen und Flugzeuge, die auf dem Meeresgrund parken oder sich in Hochspannungsleitungen verheddert haben.

Alle Wagen wurden, Photoshop sei dank, mit neongelben Stickern verunziert. Darauf steht in Balkenschrift: "Ich park' wie ein Idiot" - auch auf dem Unterwasserbus. Das ist erstens absurd und zweitens werbewirksam: Für 30 Dollar kann man hundert Aufkleber bestellen. Gleichzeitig hält das Blog die Leser an, die Sticker nicht auf Autos zu pappen - das ist schließlich strafbar.

Auch auf deutschen Webseiten kann man sich die Eskapaden der Parkplatz-Rambos ansehen: Die Webseite Kunstparker.de sieht in dem Chaos am Straßenrand sogar einen künstlerischen Aspekt: "Kunst ist per Definition sinnfrei", schreiben die Seitenmacher. "Parken hat aber den klar umrissenen Zweck, sein Auto zur weiteren Verwendung abzustellen. Kunstparker sind demzufolge Menschen, die auf die eine oder andere Weise sinnfrei Parken und so den – vielleicht – ästhetischen Anspruch des Vorgangs so weit verstärken, dass der Sinn völlig abhanden kommt."

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