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Renault 4: Der Unvergessliche

Foto: Renault 4 Club Deutschland

Günstiger Oldtimer - Renault 4 Nummer 4 lebt

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Renault 4, der in einer Kategorie mit heutigen Kleinwagen mithält.
Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Großvaters abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat – und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Allgemeines zum Modell

Minimalismus auf Rädern kam 1961 auf den Markt - in Form des Renault 4. "Vier Reifen und ein Lenkrad, mehr gab es eigentlich nicht", sagt Wolfgang Ludwig vom Renault 4 Club Deutschland. So liefen die ersten Modelle jahrelang ohne Außenspiegel, Sicherheitsgurte oder Kopfstützen vom Band.

Immerhin bekamen R4-Käufer ein vollwertiges Ersatzrad ab Werk dazu. Und eine Kurbel, denn bis 1970 konnte der Kleinwagen bei schwächelnder Batterie von Hand angedreht werden.

Klingt altbacken, dabei war der R4 fortschrittlich - als erster Renault mit Frontantrieb. Dazu kam eine moderne Einzelradaufhängung. Der Clou waren allerdings das kastenförmige Design und die große Heckklappe.

Fünftürer wie den Renault 4 gab es vor 60 Jahren fast keine auf dem Markt. Kombis waren Handwerkerfahrzeuge, Familien mit Platzbedarf fuhren Limousine. Der R4 bot dagegen Kombiformat, kostete aber nur so viel wie ein Kleinwagen.

Als Antrieb musste lange ein 750 (später 850) ccm großer Vierzylinder mit 27 Pferdestärken reichen. Erst 1978 ergänzte ein 1,1 Liter großes Aggregat die Palette. Dieser Motor kam vom R5, wurde in seiner Leistung aber auf 34 PS bei 4000 Umdrehungen gedrosselt. "Das ist für einen Benziner dieser Größe recht wenig, deshalb gilt dieser Motor als sehr langlebig", erklärt Experte Ludwig.

Das Karosseriekleid des R4 blieb über Jahrzehnte fast unverändert, "Facelifts" beschränkten sich im Wesentlichen auf einen anders gestalteten Kühlergrill. Mit einer Sonderedition versuchte Renault ab Mitte der Sechziger, den R4 Frauen schmackhaft zu machen: Beim Modell Parisienne verzierte ein Korbmustergeflecht die Seitenflanken. Das Design kreierte Renault mit dem Magazin "Elle".

Später versuchte Renault, den Absatz mit Sondereditionen wie Jogging (mit Radio und Glasausstelldach serienmäßig) weiter anzukurbeln. Dazu wurden einige Extras Serie, zum Beispiel ein Außenspiegel rechts. Eine Servolenkung oder ABS waren dagegen bis zum Produktionsende 1992 nicht lieferbar, geschweige denn elektrische Fensterheber, Klimaanlage oder Automatikgetriebe.

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Renault 4: Der Unvergessliche

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Warum ausgerechnet der?

Mehr als 30 Jahre lang hielt sich der Renault 4 ohne große Änderungen auf dem Markt. Heute gelten Fahrzeugmodelle oft nach wenigen Jahren als veraltet.

Während viele Fahrer den R4 über Generationen praktisch fanden, überzeugten Laufkultur und Motorenvielfalt weniger. Heute kann man mit dem Wägelchen nur deshalb einigermaßen im Verkehr mitschwimmen, weil er leer nur knapp 700 Kilogramm wiegt. Allenfalls mit dem 1,1-Liter-Motor sind Autobahnpassagen drin. Die 34 PS sind zwar nicht viel, aber das Drehmoment bewegt sich auf dem Niveau heutiger Kleinwagen.

Für R4-Puristen ist der kleinere Motor mit 750 oder 850 ccm empfehlenswerter. Mit dem Aggregat fährt sich der Wagen authentischer und klingt auch typischer. "Hohlblechernd", sagt Marcus Radde, ebenfalls langjähriger R4-Fahrer.

Bei aller Sympathie habe er dennoch den Eindruck, dass Renault den R4 heute als Schmuddelkind sehe, sagt Radde. Den Franzosen seien nach dem Ende des Bestsellers Prestige und Komfort bei ihren Autos wichtiger geworden. Der R4 stehe für Minimalismus - damit wollte sich keiner mehr brüsten. Dabei gibt es auch heute noch Billigautos. "Aber Renault würde den R4 heute als Dacia verkaufen, nicht mehr als Renault."

Verfügbarkeit

Das Angebot ist ordentlich, zumal nach wie vor Fahrzeuge aus Frankreich und Kroatien importiert werden, wo der Renault 4 ebenfalls beliebt war. Spürbar angezogen haben die Preise. "Vor 15 Jahren wurden R4 noch für kleines Geld angeboten, und die Leute waren froh, wenn man ihnen den Wagen abnahm", sagt Wolfgang Ludwig. Heute tummelten sich viele Händler auf dem Markt. Mitunter würden Restaurierungsobjekte für überzogene 5000 Euro angeboten.

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Ersatzteilversorgung

Bei Renault braucht man eher nicht nachzufragen, der Hersteller hat die meisten Ersatzteile für den R4 nicht mehr verfügbar. Dafür gibt es Spezialhändler. Bei ihnen ist sogar das Chassis als komplettes Ersatzteil zu haben. Wenn das Grundgerüst eines R4 durchgerostet ist, kann man das Auto neu aufbauen.

Ersatzteilpreise (beispielhaft)

  • Kotflügel vorne neu: circa 30 Euro

  • Satz Bremsbeläge vorne: circa 50 Euro

  • Satz Reifen: circa 150 Euro

  • Chassis neu: circa 2000 Euro

Schwachstellen

Rost setzt vielen Renault 4 arg zu. Vor allem Motorträger, Hinterachsaufnahmen, Schwellerenden sowie die Anschraubkanten der Kotflügel sind anfällig. Auch das Bodenblech gammelt mitunter weg. Im Winter kämpft man gegen beschlagene Scheiben, weil aus der Heizung bloß ein laues Lüftchen weht. Praktisch alle R4 werden im Alter undicht, Feuchtigkeit dringt ein. Praktisch also, dass der Boden nicht mit Teppich, sondern mit Gummimatten ausgelegt ist. "Trotzdem kommt man meist nicht drum herum, einige Ablauflöcher in den Unterboden zu bohren", sagt Experte Wolfgang Ludwig. Die Technik gilt als robust. Mit normaler Pflege sind die Motoren für eine Viertelmillion Kilometer gut.

Preis

Die Zeiten sind vorbei, als man einen fahrbereiten Renault 4 noch für ein paar Hundert Euro bekam. 3000 Euro muss man heute schon für ein Exemplar in gebrauchtem Zustand hinlegen. Ein schöner und gepflegter Wagen kann das Doppelte kosten. Ältere Baujahre oder rostfreie, ungeschweißte R4 - vielleicht sogar noch aus Frankreich, kratzen an der 10.000-Euro-Marke.

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