Renault Sport Spider Roadster radikal

Renault konnte auch mal ganz anders. Während heute vor allem Kleinwagen und Familienautos feilgeboten werden, gab es vor nicht allzu langer Zeit noch Spielzeuge wie den Sport Spider. Vor zehn Jahren wurde das Auto eingestellt - SPIEGEL ONLINE gab jetzt noch einmal Gas.

Tom Grünweg

Es muss wohl irgendwann in der Formel-1-Saison 1994 gewesen sein. Renault steuerte auf den Titel in der Konstrukteurswertung zu, und in Paris wurde die Idee zu einem neuen Sportwagen geboren. Das Auto sollte den Vollgas-Glamour auf die Serienmodelle übertragen. Kaum ein Jahr später stand auf dem Autosalon in Genf der Entwurf eines offenen Zweisitzers ohne Scheiben, Dach und Innenleben. Und im Herbst 1995 kam der stürmische Sprinter als Renault Sport Spider tatsächlich in den Handel. Es gibt die Flunder, die eigentlich für die Rundstrecke gedacht ist, bald auch mit Straßenzulassung - und kleiner Frontscheibe. Der Spaß ist rasch vorüber: Nach vier Jahren Bauzeit und kaum 2000 Exemplaren ist es mit der Raserei auch schon wieder vorbei.

Zehn Jahre nach dem Produktionsende hat SPIEGEL ONLINE jetzt noch einmal die Flügeltüren aufschwingen lassen, den Zweiliter-Motor angeworfen und mit dem scharfen Renault eine heiße Runde gedreht. Das kann man durchaus wörtlich nehmen, denn der Vierzylindermotor im Heck heizt den Insassen so heftig ein, dass schon nach wenigen Metern das schweißnasse Hemd am Rücken klebt. Zugleich fühlt man sich hinter der kleinen Scheibe nackt und verletzlich. Und mehr Fahrtwind bekommt man sonst nur als Motorradfahrer ab.

Der Motor stammt aus der Mégane-Familie. Er leistet zwar lediglich 147 PS und 185 Nm, doch weil Renault das Chassis aus Aluprofilen geschweißt hat und rund um die beiden schraubstockgleichen Recaro-Sitzschalen alles fehlt, was man nicht zwingend braucht, bringt der Spider nicht einmal 1000 Kilogramm auf die Waage. So ist die Maschine stark genug, um das Auto in 6,9 Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen und bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 215 km/h voranzutreiben. Dabei klebt der Renault dank des tiefen Schwerpunkts und des strammen Fahrwerks auf der Straße - vorausgesetzt man hantiert zupackend am schwergängigen Lenkrad.

Entwickelt und gebaut wurde der Spider damals von der Renault-Sportabteilung in Dieppe. Exotische Modelle haben bei den Spezialisten dort eine gewisse Tradition. Die begann vor 60 Jahren mit einem Fünffach-Sieg des auf 17 PS getunten 4CV beim Bergrennen auf den Mont Ventoux; aus Dieppe stammt auch maßgeblich der Renault Alpine und kleine Verrücktheiten wie der Renault R5 Turbo mit 160 PS oder der Clio V6 mit einem bis zu 254 PS starken Sechszylinder-Aggregat an Stelle der Rückbank. Aktuell entstanden dort der Twingo RS (133 PS) sowie der Clio RS (201 PS), und in Kürze soll der Mégane mit 250 PS an den Start rollen.

Die Idee des Rudimentär-Roadsters lebt weiter

Die Idee eines maximal gestrippten Sportwagens kommt derzeit auch bei anderen Herstellern an. So hat Mercedes den Ausverkauf des Supersportwagens SLR mit der Sonderedition von 75 Exemplare des Puristen-Roadsters Stirling Moss beflügelt; zum Preis von knapp 900.000 Euro pro Auto. Dass es auch für einen Bruchteil dessen geht, beweist der britische Kleinserienhersteller Lotus mit dem 55.000 Euro teuren 2-Eleven. Auch Mazda liebäugelt mit dem spartanischem Konzept und stellt auf der IAA in Frankfurt den Roadster MX-5 als Studie Superlight vor. Das simple Kalkül: Wenn der Wagen ohne Dach und Scheiben etwa 100 Kilo weniger wiegt, dann ist er nicht nur flotter als das Serienmodell, sondern auch deutlich sparsamer - und passt damit perfekt in die Zeit.

Dass Mazda eine Serienfertigung kategorisch ausschließt, mag die MX-5-Fans enttäuschen. Doch für Freunde des radikale reduzierten Fahrens hält das Internet Trost bereit: Allein auf den gängigen Portalen stehen derzeit knapp zwei Dutzend Renault Sport Spider zum Verkauf. Auf ein Schnäppchen darf man allerdings kaum hoffen. Kostete der Neuwagen zur Markteinführung gut 50.000 Mark, werden die Gebrauchten jetzt später für Preise zwischen 25.000 und 50.000 Euro gehandelt - zum Teil sogar deutlich teurer. Dafür allerdings sehen sie auch tiptop aus. Denn zumindest Rost ist beim Spider kein Thema: Die Karosserie ist aus Plastik.

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