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Aufgemotzte Pick-up-Trucks: Ruß aus vollen Rohren

Foto: B&M Pulling Updates

Aufgemotzte Pick-up-Trucks Dreckschleudern gegen "Natur-Nulpen"

In den USA ist ein perfides Hobby entstanden: Fahrer von Pick-up-Trucks modifizieren ihre Autos, damit die mehr dreckige Auspuffgase in die Luft blasen. Mit den sogenannten Coal Rollers wollen sie Umweltschützer und -politiker provozieren.

Am Anfang des verstörenden Videos blickt eine Person im Plüschhundkostüm in die Kamera. Sie steht auf dem Gehweg. "Rauchst du?", fragt ein Mann, der als Beifahrer in einem Pick-up-Truck sitzt und die Kamera hält. Kaum hat das große Kuscheltier genickt, gibt der Fahrer des Wagens Gas - und lässt die kostümierte Person in einer schwarzen Rußwolke stehen. Kurz darauf kriegen Radfahrer eine Ladung Auspuffqualm ab. Und Kinder. Und Demonstranten. Und natürlich wird auch der Fahrer eines Toyota Prius verkohlt, als er im Stau neben einem "Coal Roller" steht.

"Coal Roller", "Kohlewalzen": So nennen die Fahrer ihre getunten Pick-up-Trucks. Sie verstehen sich als Anti-Umweltaktivisten. Einmal Vollgas genügt, und schon ärgern sie ihre Feinde schwarz.

"Diesels Rolling Coal on PEOPLE 2014" heißt ein neuer Coal-Roller-Clip , auf YouTube wurde er schon rund 150.000-mal geklickt. Dutzende solcher selbst gedrehter Filmchen mit Titeln wie "World's Sickest Coal Rollers"  oder "Prius Repellent"  ("Prius-Abschreckung") kursieren im Web. Zu sehen sind dicke Pick-up-Trucks, die dreckige Abgasschwaden ausstoßen. Akustisch untermalt werden die Streifen von Countrymusik, Gangsta-Rap, Kraftausdrücken oder dem Gekicher der Täter hinterm Steuer.

Dreckschleudern aus Überzeugung

"Rolling Coal" ist offenbar der letzte Schrei in konservativen Ecken Amerikas. Zu Dutzenden berichten US-Medien dieser Tage über die neue "Subkultur" auf Landstraßen in Wisconsin, Iowa oder Alabama. Dort motzen Leute ihre Pick-up-Trucks zu rollenden Dreckschleudern auf. Sie tun es aus Protest gegen Klimaschützer und gegen die Umweltpolitik des Weißen Hauses.

Schon ab 500 Dollar sind ein spezieller Auspuff und die Zubehörteile für die Umrüstung zum schwarzen Raucher zu haben, schreibt das Onlinemagazin "Slate" . Dabei wird der Motor so modifiziert, dass mehr Kraftstoff als normal eingespritzt wird. Weil dieser nicht komplett verbrennt, stäubt eine Wolke aus schwarzen Rußpartikeln aus den Rohren - die umso fetter wird, wenn zusätzlich der Dieselpartikelfilter außer Betrieb gesetzt ist.

Letzteres ist in den USA verboten, die Regeln zur Luftverschmutzung sind in vielen US-Bundesstaaten aber relativ lax. Texas etwa bestraft Fahrzeugbesitzer erst dann, wenn ihre Gefährte länger als zehn Sekunden "übermäßigen Rauch" ausstoßen.

Zorn und Qualm gegen die "Nature Nuffies"

Ursprünglich kommt Rolling Coal aus dem Motorsport: Beim "Truck Pulling" müssen Pick-ups tonnenschwere Gewichte so schnell und so weit wie möglich über eine vorgegebene Strecke ziehen. Die Teilnehmer versuchen ihre Fahrzeuge stärker zu machen, indem sie den Motoren mehr Kraftstoff zuführen. Der schwarze Rauch ist dabei nur ein Nebeneffekt.

Jetzt aber wird Gasgeben zum politischen Statement gegen US-Präsident Barack Obama und seine Klimapolitik - obwohl dieser bisher vor allem den CO2-Ausstoß der Kohlekraftwerke ins Visier nimmt. Im Allgemeinen richtet sich der Zorn und Qualm gegen die "Nature Nuffies", die "Natur-Nulpen" mit ihren "Reisbrennern", wie die Truck-Trolle die verhassten Hybridautos aus Fernost nennen.

Solche Aktionen machen fassungslos, aber sie sind leider nicht neu. Wenn der World Wildlife Fund  (WWF) einmal im Jahr zur Earth Hour aufruft und Staaten, Unternehmen, Haushalte weltweit für eine Stunde die Beleuchtung reduzieren, dann fahren Tausende US-Amerikaner ihren Energiekonsum absichtlich nach oben - aus Trotz. Diese Human Achievement Hour genannte Gegenaktion hat das Competitive Enterprise Institute (CEI)  ausgerufen - eine Lobbygruppe, die unter anderem von der Öl- und Kohleindustrie, Google und Facebook gesponsert wird und vermeintliche staatliche "Überregulierung" bekämpft.

Die Human Achievement Hour sei eine "Antwort auf den kontraproduktiven Öko-Linksextremismus", erklärt CEI-Stratege Marc Sribner. Rolling Coal bezeichnet er als eine kleine Subkultur. Das Gros der Trucker habe nichts damit zu tun, das Thema wird seiner Ansicht nach von "verzweifelten Journalisten" aufgeblasen.

Die "Kunst des Coal Roll"

Tatsächlich sind die Coal Rollers aber mehr als ein Medienphänomen. Auf Trucker-Websites wie dieselhub.com  kursieren detaillierte Anleitungen über die "Kunst des Coal Roll", offerieren Händler Spezialteile zum Extremrauchen. Die "Rollin' Coal"-Community auf Facebook hat gut 15.000 Mitglieder. Und auf Tumblr und Instagram hat die Onlinenachrichtenagentur "Vocativ"  bereits mehr als 150.000 Posts zum Thema gezählt.

Dass bis zu 21.000 US-Bürger laut einer Studie der Nichtregierungsorganisation Clean Air Taskforce vorzeitig an Dieselabgasen sterben, scheint die Trucker-Trolle kaum zu stören. Sie haben andere Probleme. Eine Gallone Diesel (3,78 Liter) reiche nach dem Umbau nur noch zehn bis zwölf Meilen (rund 16 bis 19 Kilometer), zitiert "Slate" einen Pick-up-Aktivisten - das entspricht einem Durchschnittsverbrauch von 20 Liter pro hundert Kilometer: "Vorher habe ich 20 Meilen herausgekriegt." Vielleicht sollte Barack Obama doch mal die Kraftstoffsteuer erhöhen.