Versteigerung Rolls-Royce Phantom 5 Ceausescus verbotener Schlitten

Für manche Autos muss man einfach mehr bieten: SPIEGEL ONLINE zeigt Fahrzeuge mit berühmten Vorbesitzern und Raritäten, die versteigert werden. Diesmal: Der Traumwagen eines Diktators, den er nie fahren durfte.

Robin Adams / RM Sotheby's

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Unterm Hammer: Ein Rolls-Royce Phantom V State Landaulet von Mulliner Park Ward, Baujahr 1967.

Warum mitbieten? Ob Hochzeit, Militärparade oder Supermarktparkplatz - staatstragender als in diesem Rolls-Royce kann man gar nicht vorfahren. Bei Bedarf kann man sich der begeisterten Menge auch stehend zeigen, die Ausführung als sogenanntes Landaulet mit festem Dach über den Vordersitzen und einem Stoffverdeck für die Rückbank macht es möglich.

Genau aus diesem Grund entschied sich auch der rumänische Diktator Nicolae Ceausescu im Jahr 1966 für den Wagen, einen von nur fünf als Landaulet gebauten Rolls-Royce Phantom V. Der selbst ernannte "Führer" ("Conducator") der Sozialistischen Republik Rumänien hatte eines der brutalsten Regime des Ostblocks errichtet. Während weite Teile der Bevölkerung in Armut lebten, bestellte Ceausescu bei Rolls-Royce den bis dahin teuersten Phantom V.

Fernseher und Cocktailkabinett inklusive

Der Diktator entschied sich für fast alle verfügbaren Sonderausstattungen: Die Rückbank kann angehoben oder abgesenkt werden, um sich an die jeweiligen Passagiere anzupassen. Vor der Rückbank thront ein Holzschränkchen, in dem ein Fernseher und ein Cocktailkabinett verbaut sind. In den Armlehnen verstecken sich die Schalter für die Klimaanlage des hinteren Abteils - und damit es zumindest in der Staatskarosse des sozialistischen Rumäniens nicht so ungleich zuging, orderte Ceausescu immerhin auch noch die Klimaanlage für das Abteil des Chauffeurs.

Mit einer Neonbeleuchtung und einem klimatisierten Weinkühler war der Wagen auch für die Abnahme nächtlicher Paraden bestens geeignet. Am Ende kostete die Staatskarosse knapp 20.000 britische Pfund - damals eine gigantische Summe für ein Auto, so kostete damals beispielsweise ein neuer Ford Escort nur 666 Pfund. Und auch heutzutage wären umgerechnet rund 390.000 Euro immer noch ein stolzer Preis.

Ein Auto für Kapitalisten

Am Ende lieferte Rolls-Royce ein typisches Kapitalistenauto hinter den Eisernen Vorhang - das passte zum Wohnsitz des rumänischen Potentaten, das selbsternannte "Genie der Karpaten" lebte in einem Palast mit 80 Zimmern, Wandmosaiken und Spiegeln aus Muranoglas.

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Rolls-Royce Phantom Landaulet: Eine Rückbank voller Zeitgeschichte

Das protzige Landaulet war dem großen sozialistischen Bruder Rumäniens dann aber zu viel: Dem sowjetischen Politbüro in Moskau missfiel Ceausescus neues Gefährt. Der Rolls-Royce blieb mehr als ein Jahr ungenutzt in der Garage, bis er schließlich nach England zurückgeschickt wurde. Für Rolls-Royce war das kein Problem, der Hersteller fand einen neuen Käufer. Das Ehepaar Heath aus Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania kaufte den Wagen und machte ihn damit zum einzigen Exemplar, das an einen privaten Käufer ausgeliefert wurde.

Eine Staatskarosse für jeden Tag

Der Phantom verschwand in den USA jedoch nicht in einer Sammlergarage, das Ehepaar Heath nutzte den Wagen dreißig Jahre lang im Alltag auf den Straßen der Stahlstadt Pittsburgh und spulte mit ihm rund 188.000 Kilometer ab. Und auf einigen dieser Kilometer wurde der nicht gerade alltägliche Rolls-Royce auch für seinen ursprünglichen Zweck eingesetzt: Im Jahr 1975 kontaktierte die Regierung von Bermuda das Ehepaar Heath. Ein Staatsbesuch der englischen Königin stand an - allerdings hatte der Staat kein adäquates Fahrzeug für den royalen Gast. Die Bermudas wollten sich deshalb das ursprünglich für den rumänischen Diktator gebaute Landaulet borgen und die Heaths im Gegenzug als Ehrengäste an den Festlichkeiten teilhaben lassen.

Die sagten sofort zu und hielten die Fahrten der Queen im halboffenen Rolls-Royce auf Filmaufnahmen fest. Der Wagen überzeugte derart, dass er acht Jahre später den Cayman Islands, die sich vor einem Besuch der Queen mit dem gleichen Problem plagten, empfohlen wurde. Die Heaths sagten erneut zu, und so fuhr die englische Königin auch bei ihrem Besuch der Caymans im Jahr 1983 im exklusiven Landaulet.

Doch Elizabeth II. war nicht der einzige royale Passagier in diesem Wagen: 1978 nahm die Oscarpreisträgerin und Fürstin von Monaco, Gracia Patricia, bei einem Besuch in Pittsburgh im offenen Abteil des Rolls-Royce Platz. Im Jahr 1992 wurde der Wagen schließlich Teil einer privaten Sammlung, war jedoch gelegentlich noch Teil von Paraden. Und als ob ein Ostblock-Potentat, die Königin von England und eine Oscar-Preisträgerin noch nicht genug Zeitgeschichte für eine Rückbank wären, nahm auch noch Buzz Aldrin, der zweite Mensch auf dem Mond, bei einer Hollywood-Weihnachtsparade im Fond des Wagens Platz.

Zuschlag! Das Auktionshaus Sotheby's versteigert die unrestaurierte Luxuskarosse am 18. Januar in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona und erwartet einen Preis zwischen einer und anderthalb Millionen US-Dollar - wer repräsentieren will, muss wohl zuerst investieren.



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
GLBluecher 16.01.2019
1. Nur der Schönheit weih ich mein Leben!
Ein Auto aus einer Epoche, als noch Eleganz und das typische Aussehen einer Marke die Entwicklung des Automobils bestimmten. Kein Windkanal, keine Aufprallvorschriften, Sicherheitsmaßnahmen für Fußgänger etc beeinflußten die Entwicklung Autos mußten schön sein und in der Oberliga des Autobaus vor allem auch elegant und repräsentativ. Und dieser Rolls ist die Spitze der Eleganz. Ein Auto mit einer absolut eigenen Handschrift!
Windukeit 16.01.2019
2. Sicherlich ein Auto aus der Epoche automobiler Eleganz...
Zitat von GLBluecherEin Auto aus einer Epoche, als noch Eleganz und das typische Aussehen einer Marke die Entwicklung des Automobils bestimmten. Kein Windkanal, keine Aufprallvorschriften, Sicherheitsmaßnahmen für Fußgänger etc beeinflußten die Entwicklung Autos mußten schön sein und in der Oberliga des Autobaus vor allem auch elegant und repräsentativ. Und dieser Rolls ist die Spitze der Eleganz. Ein Auto mit einer absolut eigenen Handschrift!
...aber eben auch ein Auto aus einer Epoche mit 3mal sovielen Verkehrstoten bei nur einem Fünftel des heutigen Fahrzeugbestandes (in D, weltweit wird dies noch extremer sein). Von Bleibenzin etc. möchte ich da gar nicht sprechen. Heute sind Autos nunmal kein Luxus mehr und nur noch Massenprodukte sind überlebensfähig.
LauraD 16.01.2019
3. Da schließe ich mich gerne an
Und für die Berufsnörgler, die ich, wohl mangels besserer Beschäftigung, hier unmittelbar erwarte: Ein Auto, daß eine so lange Zeit, unrestauriert(!), vom 21 Schicht-Lack (inklusive der von Hand aufgetragenen Zierlinien) und dem Interieur aus Wolle und Connolly-Leder bis hin zum bekannt fast unzerstörbaren Motor, in diesem Zustand übersteht, ist ein derartiger Inbegriff von "Nachhaltigkeit", daß die Diskussion (die ich unmittelbar erwarte) um 4, 5 Liter mehr oder weniger Verbrauch völlig obsolet erscheint. Tatsächlich denke ich seit Jugendtagen, in denen ich das Glück erleben durfte, bei meiner englischen Gastfamilie einen Aston Martin Vantage sowie einen, damals schon recht betagten, Rolls genießen zu dürfen, daß diese Form der Mobilität mit die angenehmste Art von praktizierter Nachhaltigkeit darstellt: Der Großteil der Umweltbelastung eines Fahrzeugs fällt ja bekanntermaßen bei der Herstellung an. Also, Ihr, die Ihr euch nicht von Eurem Auto fahren, bevormunden und ausspionieren lassen wollt: Alte Porsche sind inzwischen völlig außerhalb jeder Kosten-/Nutzenrechnung - moderat alte Jaguare, Rolls, Bentley, Daimler oder auch Humber sind, wenn man es geschickt anfängt, billig zu haben. Und können, mit eigenem Wissen und vom Fachmann/Fachfrau gepflegt, noch vererbt werden! Übrigens: Auch die Sicherheit, gerade eines Rolls, wird gerne unterschätzt: Breschnew bspw hat mehrere schwere Unfälle mit seinem Rolls überlebt - und die Fahrzeuge waren teilweise danach sogar noch reparabel. Zwar mag die Parkplatzsuche gelegentlich etwas länger dauern - der zeitlose Stil, den man dabei vermittelt, ist unbezahlbar.
mescal1 16.01.2019
4. Mir gefällt er absolut nicht,
aber über Geschmack kann man nicht streiten. Aber über was man reden und diskutieren darf ist doch hier die so viel zitierte und gelobte "craftsmanship" bei RR. Schaut mal die Fotos 14 und 15 und 17 an. Im Bild 14 hängt die rechte Tür unter der Plakette doch weit runter, so als ob die Scharniere lose wären. Im Bild 15 schaut mal auf die nicht fluchtenden gelben Linien, auf die hintere Tür, die zu weit gegenüber der vorderen noch oben verschoben ist. Im Bild 17, der Ausschnitt für die Instrumente, war da der Lehring mit der Stichsäge dran? Links über dem Tacho, etwas zu weit gesägt? Der ganze Ausschnitt passt auch nicht sauber auf die darunter liegende Instrumententafel. Einfach schlecht. Bei VW, BMW, Audo, Mercedes wäre das aber ein Aufschrei, Grund für Wandlung :-)
sam-berlin 16.01.2019
5. Ach ja...
...das waren Zeiten, als Rolls-Royce noch schöne Autos gebaut hat. Wer sich die aktuellen Modelle, denen so jegliche Eleganz abgeht, anschaut, wird schon wehmütig. Neulich einen Silver Wraith Black Badge gesehen. Also schön ist wirklich anders. Ich habe noch ein Prospekt des Phantom VI zuhause, das ich dankenswerterweise als Zehnjähriger von Auto Becker bekommen habe. Wie oft ich darin mit großen Augen geblättert habe....
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