Chauffeur-Ausbildung bei Rolls-Royce Mit Schirm, Charme und Limousine

Weiße Handschuhe, Ledersohle, Krawatte: Wer bei Rolls-Royce ein Chauffeurtraining absolviert, lernt viel über das perfekte Outfit und die richtigen Waffen bei der Paparazzi-Abwehr. Ein Besuch in der Hohen Schule des Autofahrens.

Rolls-Royce

Der Mann hat Manieren! Draußen sind es über 30 Grad, doch Andi McCann trägt das Hemd geschlossen, die Krawatte stramm mit einem doppelten Windsor-Knoten gebunden, darüber einen dunklen Anzug, und bevor es ernst wird, streift er weiße Handschuhe über: Die Arbeitskleidung eines Fahrlehrers sieht irgendwie anders aus.

Aber McCann ist auch kein normaler Fahrlehrer. Er lehrt bei Rolls-Royce die Hohe Schule des Autofahrens. Wo andere Instruktoren den perfekten Drift und den schnellsten Slalom vermitteln, trainiert er als Leiter des "White Gloves"-Programms die Chauffeure der vornehmen BMW-Tochter. Heute in Hongkong, morgen in Miami oder nächste Woche in Berlin - überall, wo die Briten ein Auto ausliefern, ist McCann im Einsatz und zeigt dem Personal, was den Unterschied zwischen einem Fahrer und einem Chauffeur ausmacht. Zu seinen Schülern zählen die Mitarbeiter exklusiver Autovermietungen, das Personal von Luxushotels und vor allem die Privatchauffeure der Kundschaft, die seine Einweisung als kostenlose Dreingabe erhalten. "Denn kaufen kann man diese Kurse nicht", sagt McCann.

Dabei wähnt er sich in einer guten Tradition. Firmengründer Sir Frederick Henry Royce gelte als Erfinder des werksseitigen Fahrertrainings, plaudert McCann aus der Historie. "Allerdings ging es damals vor allem um die Fahrzeugbedienung." Denn Royce hatte schnell erkannt, dass ein Auto nur so gut ist wie seine Fahrer - und deshalb früh in deren Ausbildung investiert.

Auf die Etikette kommt es an

Über Ölstand und Schmiernippel muss McCann heute nicht mehr referieren. Und auch sonst haben sich die Kursinhalte gravierend verändert. Zwar predigt er einen möglichst sanften und vorausschauenden Fahrstil, fordert Sicherheit, Souveränität und maximale Fahrzeugbeherrschung. "Doch worauf es wirklich ankommt in diesem Beruf, das sind die Etikette und das perfekte Auftreten", sagt McCann.

Dabei ist es mit der Kleidung alleine nicht getan. Ein guter Chauffeur sei "akkurat, präzise und trotzdem so unauffällig wie ein guter Geist, der eigentlich gar nicht da ist." Das beginne beim Vorfahren, das ein guter Chauffeur so plane, dass er genau drei Minuten vor der Zeit da ist, doziert der Chef-Chauffeur: "Nicht früher, weil sich der Fahrgast sonst gehetzt fühlen könnte. Und nicht später, weil er sonst an der Pünktlichkeit zweifeln würde."

Aber auch die Klimaausströmer sollten perfekt symmetrisch sitzen und das Lieblingsgetränk der Passagiere in den Becherhaltern vortemperiert sein. Außerdem brauche der Fahrer ein kleines Seidentuch, mit dem er die Rollen der Koffer abwischt, bevor er sie im Heck verstaut.

"Bloß keinen Blickkontakt"

Natürlich begrüßt der Chauffeur seine Fahrgäste, fragt nach Musikwünschen und informiert über die Ankunftszeit oder die Wetterbedingungen am Zielort. Aber danach hält er sich so vornehm zurück, dass er sogar demonstrativ den Innenspiegel zur Decke richtet. "Bloß keinen Blickkontakt mehr", sagt McCann. Den Passagieren müsse "absolute Privatsphäre" signalisiert werden.

"Die garantiert der geübte Chauffeur seinen Fahrgästen auch über die Fahrt hinaus, vor allem beim Aussteigen", doziert der Instruktor weiter und erzählt von Hollywood-Schönheiten, die mit ihren kurzen Kleidchen so ungelenk aus ihren Limousinen stolpern, dass sie leichte Beute der Paparazzi werden. "Mit dem richtigen Fahrer und dem richtigen Auto muss frau sich da gar keine Sorgen machen", sagt der Chef-Chauffeur. Gleichzeitig mit den Türen des Wagens lasse man noch einen schützenden Regenschirm aufgleiten: "So entsteht ein privater Kokon, in dem Madame ganz galant aus dem Auto steigen kann."

All das trainiert McCann mit seinen Schützlingen, wenn sie einen Tag lang mal als Fahrer und mal als Gast den Alltag des automobilen Hochadels simulieren. Wenn er damit durch ist, dann können sie vielleicht noch nicht besser Auto fahren. Aber sie haben einen perfekten Auftritt. Sie wissen, dass die Krawatte immer auf der Hälfte der Gürtelschnalle endet und dass man einen Rolls-Royce nur mit dünnen Ledersohlen fährt, weil alles andere auf den Pedalen quietschen könnte. Und sie haben gelernt, dass drei Minuten vor der Zeit gerade noch pünktlich ist.

Und wenn sie richtig gut zugehört haben, dann erweisen sie den gebührenden Respekt nicht nur ihren Fahrgästen, sondern auch ihrem Fahrzeug. Denn Männer wie Andi McCann gehen nie vorn um ihr Auto herum, sondern immer ums Heck - der Bug gehört schließlich der Kühlerfigur Spirit of Ecstasy.



insgesamt 41 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
juhuuuu 02.08.2014
1. Wie kann
man sich nur so extrem vor Menschen mit Geld "zum Affen" machen....und eine Ausbildung dazu anstreben?
Frank Zi. 02.08.2014
2.
Zitat von juhuuuuman sich nur so extrem vor Menschen mit Geld "zum Affen" machen....und eine Ausbildung dazu anstreben?
Ein Schulfreund von mir ist Butler geworden, so richtig die ganz hohe britische Butler-Schule. Ich dachte auch, das wäre Unfug, vor allem da er ein ziemlich gutes Abi gemacht hat und früher immer Arzt werden wollte und das auch locker geschafft hätte. Jetzt butlert er in London, Dubai, Monaco, NYC, Berlin usw., kommt ziemlich viel rum und verdient 6-stellig in €. Es gibt viel schlechtere Jobs, mit "zum Affen machen" hat das auch nichts zu tun, da solche Berufe auch in der oberen Oberschicht sehr angesehen sind, gute Butler rar sind und richtig viel Geld verdienen können.
juhuuuu 02.08.2014
3. Wie vieles im Leben...Ansichtssache
Zitat von Frank Zi.Ein Schulfreund von mir ist Butler geworden, so richtig die ganz hohe britische Butler-Schule. Ich dachte auch, das wäre Unfug, vor allem da er ein ziemlich gutes Abi gemacht hat und früher immer Arzt werden wollte und das auch locker geschafft hätte. Jetzt butlert er in London, Dubai, Monaco, NYC, Berlin usw., kommt ziemlich viel rum und verdient 6-stellig in €. Es gibt viel schlechtere Jobs, mit "zum Affen machen" hat das auch nichts zu tun, da solche Berufe auch in der oberen Oberschicht sehr angesehen sind, gute Butler rar sind und richtig viel Geld verdienen können.
Ich denke....jeder Mensch mit zwei gesunden Händen....kann sich selber die Türe eines Autos öffnen...den Koffer ins Hotel oder Haus tragen.
sachfahnder 02.08.2014
4. Nach...
Zitat von sysopRolls-RoyceWeiße Handschuhe, Ledersohle, Krawatte: Wer bei Rolls-Royce ein Chauffeurtraining absolviert, lernt viel über das perfekte Outfit und die richtigen Waffen bei der Paparazzi-Abwehr. Ein Besuch in der Hohen Schule des Autofahrens. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/rolls-royce-spezialtraining-fuer-angehende-chauffeure-a-983314.html
…Focus, BILD jetzt auch SPON. Damen und Herren, samt Tom G. in der SPON-Redaktion, Ihr wart auch schon mal schneller und aktueller!
widower+2 02.08.2014
5. Sicherheit?
Wenn die Etikette wichtiger ist als die Sicherheit der Menschen an Bord, hört für mich der Spaß auf. Hochgeklappter Innenspiegel und dünne Ledersohlen? Die spinnen, die Briten!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.