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Saab 99, B. 1982: Rallye im Fernsehsessel

Foto: Hanna Huhtasaari

Saab 99, Bj. 1982 Härtetest in der finnischen Wildnis

Gutaussehend, stilvoll, zuverlässig und für jedes Abenteuer zu haben. Das ist mein Begleiter für diesen Sommer. Wir kennen uns erst seit einigen Wochen und doch ist er definitiv mehr als nur ein Urlaubsflirt. Eine Reise durch Finnland mit dem Saab 99.
Von Hanna Huhtasaari

Ich kann es kaum glauben. Da steht er, unschuldig in Weiß, elegant und doch sportlich. Er stammt aus einem guten Stall, ist unfallfrei, rostfrei und gepflegt. Mein erster Wagen: ein Saab 99. Baujahr 1982. Mein Großvater, der 22 Jahre Saabfahrer gewesen ist, hat ihn mir überlassen. Treu hat er den ganzen Winter lang in der Garage auf mich gewartet, nun soll er mich nach Nordlappland bringen.

Voller Ehrfurcht steige ich ein. In den herrlichen hellblauen Plüschsitzen sitzt es sich fast wie im Fernsehsessel. Es riecht sogar noch wie früher, als ich mit den Großeltern Ausflüge gemacht habe. Ein Detail ist mir entgangen; wo war noch das Zündschloss? Ach, in der Mittelkonsole. Nächste Startschwierigkeit: Der Motor springt nicht an. Mein Opa klärt mich auf. Der Wagen braucht einen "Ryyppy", eine Stärkung vom Anlasser, bevor er warm wird. Er ist eben ein Nordeuropäer, durstig und trinkfest.

"Se. Varma. Kotimainen" steht auf der Heckscheibe, übersetzt: "Der zuverlässige. Einheimische." Der Saab wurde mehrere Jahre im Gemeinschaftswerk Saab-Valmet in Finnland gebaut. Das Unternehmen ging 1968 aus der schwedischen Saab Scandia und dem finnischen Maschinenbauer Valmet hervor. Insgesamt wurden in Uusikaupunki an der Westküste Finnlands rund 739.000 Saab produziert. Damit war es für den Finnen auch ein einheimisches Produkt, das mit dem Siegel "kotimainen" - made in Finnland - versehen wurde. Die gelungene finnisch-schwedische Teamarbeit ermöglichte es den Finnen, einen schwedischen Wagen zu akzeptieren und mit Stolz zu fahren. Sonst besteht nämlich eine bittere Rivalität zwischen Finnen und Schweden.

Auf nach Lappland!

Der Saab zählte in siebziger und achtziger Jahren in Finnland zu den beliebtesten Pkw. Er galt als zuverlässig und besonders sicher, bewährt bei den jährlich mehr als tausend Zusammenstößen mit Elchen. Sogar bei der Polizei war der Saab 900 früher als Einsatzwagen im Dienst. Und tatsächlich: TÜV, Anmeldung, Versicherung - alles läuft glatt. Der Saab ist in Top-Form, bescheinigt mir auch die Werkstatt. Es kann losgehen. Getreu dem Motto "Der Weg ist das Ziel" habe ich weder eine feste Reiseroute noch einen engen Zeitplan. Nur die Richtung steht fest: gen Norden, nach Lappland!

Auf der Strecke von Tampere bis in die nördlichste Stadt Finnlands, nach Nuorgam, bewährt sich der Wagen sowohl als stilsicherer Stadtwagen als auch im Gelände. Nach 1179 Kilometern (ohne Umwege) weiß man hohen Fahrkomfort besonders zu schätzen. Die Aussicht auf der Strecke ist herrlich, vor allem im Mitsommer, wenn die Sonne die Nächte hell erleuchtet. Die Straßenverhältnisse sind wechselhaft, Landstraßen häufig ungeteert und mit Löchern übersät, was aus den Karten nicht ersichtlich wird. Aber die Federung ist sanft, der Sitzkomfort ungetrübt.

Meine härteste Tour war die Fahrt mit Harri, dem Rentierbesitzer. Ich traf ihn in Vuotso, wo er die Markierung der Jungtiere verfolgte. Die Fahrt zu den Rentieren entpuppte sich als eine Tortur über Schotterstraßen in die Wildnis. Die Straße war nicht in meiner Karte; allein würde ich dort nie hinfinden. Harri hatte beiläufig erwähnt, dass die Straße in schlechtem Zustand sei. Was er jedoch nicht verriet: Er bremst nicht gern.

Immer hinter Harri her

Ich hatte die Wahl: Entweder allein in der finnischen Wildnis umherirren oder Vollgas geben und Harri hinterherdüsen. Ich entschied mich für letzteres. Sein Nissan war ständig in eine riesige Staubwolke gehüllt, der ich blind folgte. Er wich den Gräben geschickt aus, während ich mit Karacho jeden Straßenkrater mitnahm. Gott sei Dank kam mir niemand entgegen - kein Auto, kein Rentier.

Da die Straße einfach kein Ende nehmen wollte, beruhigte ich mich mit dem Gedanken, dass Saab in den sechziger und siebziger Jahren eine erfolgreiche Marke im Rallyesport war. Nach einer gefühlten Ewigkeit und tatsächlich bloß knapp 40 Minuten kamen wir endlich am Markierungsplatz der Rentiere an. Den Härtetest hat der Saab mit Bravour bestanden. Trotzdem bin ich mir sicher, dass der Wagen ein gründliches "Unterboden-Peeling" bekommen hat.

Andere Strecken verlangen einem Geduld ab. Wälder soweit das Auge reicht, kein Gegenverkehr über mehrere Stunden. Das Tempolimit ist 80 Stundenkilometer. Da liegt die Verführung nahe, Gas zu geben. Aber das kann in Finnland schnell teuer werden. Die Bußgelder richten sich nach dem Einkommen.

Bei Ermüdung hilft samischer Rap

Ich denke über die Anschaffung eines Tempomaten nach. Gegen Ermüdungserscheinungen wappnet man sich am besten mit finnischer Metal- oder samischer Rapmusik. Das hält garantiert wach.

Wieder im Süden zurück, muss ich mich mehr auf Verkehrsteilnehmer als auf Rentiere konzentrieren. Meine Souvenirs aus Lappland: Eine Karosserie voller Schlammspitzer, eine dicke Staubschicht im Innenraum, Rentierhaare auf dem Sitz, zerquetschte Mücken am Armaturenbrett und Fliegenleichen auf der Hutablage. Wir haben beide eine gründliche Wäsche nötig, der Saab und ich. Der Saab bekommt ein Schaumbad, ich eine heiße Sauna.

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