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Aston Martin Lagonda: Lagondär!

Foto: Dan Zoubek

Aston Martin Lagonda Zackig und zickig

Der Aston Martin Lagonda zählte einst zu den teuersten Autos der Welt, weniger als 650 Exemplare wurden gebaut. Eines gehört Scumeck Sabottka. Als Konzertveranstalter ist er kapriziöse Stars gewohnt - beste Voraussetzungen für den Umgang mit der berüchtigten Luxuslimousine.
Von Kai Kolwitz

Scumeck Sabottkas ganz persönliche Mischung aus Traum und Albtraum parkt in der Ecke einer Werkstatthalle im Süden Berlins: Ein Aston Martin Lagonda in olivgrün. Mit Klappscheinwerfern sowie sechs weiteren Leuchten, die in die Front integriert sind. Das Fahrzeug hat eine Keilform und scharfe Kanten - außer den Rädern scheint daran nichts rund zu sein. In den Achtzigerjahren gab es kaum ein Auto, das teurer war - der Lagonda spielte in der Preisklasse von Rolls-Royce. Gleichzeitig trieb der Wagen seine Besitzer zur Verzweiflung.

"Der Kabelbaum ist so dick wie mein Arm", sagt Sabottka. "Allein in die Türen führen jeweils 16 Leitungen." Kein Wunder - Aston Martin packte den Lagonda voll mit Elektronik, die zur damaligen Zeit als revolutionär galt: Geschwindigkeit und Drehzahl wurden digital angezeigt, statt Knöpfen gab es Sensorfelder. Ein 5,3 Liter großer V8-Motor mit rund 300 PS beschleunigte den Wagen außerdem auf bis zu 230 km/h - für eine Limousine war das in den Achtzigern Weltrekord. Doch die komplizierte Technik machte den Lagonda unberechenbar: Die Werkstätten bekamen die diversen Kupferwürmer nie in den Griff, viele Käufer waren dankbar für jeden Morgen, an dem der Wagen startete.

Kurz zusammengefasst: Der Lagonda hat eine Technik, die schon damals zickig war und jetzt 35 Jahre auf dem Buckel hat. Was um alles in der Welt kann einen Autoliebhaber dazu bringen, sich diesen Blech gewordenen Albtraum ins Haus zu holen?

Blick ins Cockpit des kapriziösen Luxusschlittens

Blick ins Cockpit des kapriziösen Luxusschlittens

Foto: Dan Zoubek

Wie das so ist bei Leidenschaften, kann Sabottka keine rationale Gründe nennen. Die Antwort klingt trotzdem irgendwie schlüssig: "Ich seh' ein Auto und will es haben", sagt der 53-Jährige. "Ich hatte auch schon einen Citroën HY, den Lieferwagen mit den Wellblech-Wänden. Mit dem bin ich sogar von München bis nach Hamburg, mit Dreigangschaltung und Tempo 90. Aber dann wache ich eines Morgens auf und denke: 'Das ist doch auch blöd.'"

Die automobilen Vorlieben Sabottkas sind so ungewöhnlich wie sein beruflicher Werdegang. Seine Wurzeln liegen in der Berliner Punk-Szene der frühen Achtziger, heute bringt er mit seiner Konzertagentur MCT zum Beispiel Kraftwerk in die Berliner Nationalgalerie. Auch Bands wie Pearl Jam oder die Red Hot Chili Peppers sind oder waren mit MCT auf Tour.

Außerdem interessiert sich Sabottka für Technik. Das wird sofort klar, wenn man sein Büro betritt: Über seinem Schreibtisch hängt die Tür eines alten Sikorsky-Hubschraubers, nebenan parkt ein traumhaft patiniertes Vorkriegsmotorrad, das Jahrzehnte in einer Scheune verbrachte. Und wer bei MCT in der Warteschleife landet, hört Nasa-Funksprüche aus alten Mondmissionen.

Scumeck Sabottka auf dem Rücksitz des Lagonda

Scumeck Sabottka auf dem Rücksitz des Lagonda

Foto: Dan Zoubek

In der Tiefgarage unter seinem Büro ist gleich eine ganze Reihe von Stellplätzen für ihn reserviert. Hier steht Sabottkas Fuhrpark: Ein MG B, ein Citroën SM, ein Jaguar E-Type und ein Pontiac 2+2-Coupé aus den Siebzigern - ein Fünf-Meter-Brummer, dessen getunter V8-Motor fast 500 PS schafft. Sabottka kauft die Autos - vorzugsweise leicht verlebt, aber dafür preiswert - investiert in Technik und Optik und verkauft sie dann wieder. So hat er sich von "normalen" Oldtimern zu exotischeren Modellen vorgetastet. Da passt der Lagonda natürlich perfekt in die Sammlung, schließlich wurden davon nur 645 Exemplare gefertigt.

Die kapriziöse Kiste steht allerdings nicht bei den anderen Sammlungsstücken in der Tiefgarage, sondern - wie bei dem Wagen nicht anders zu erwarten war - in der Werkstatt. Für den Weg dorthin nimmt Sabottka seinen anderen Aston Martin, einen DBS. Der klassische Gran Turismo ist kaum älter als der futuristische Lagonda, aber gefühlt aus einer völlig anderen Ära.

Aston Martin DBS: Ein weiterer Exot in Sobottkas Sammlung

Aston Martin DBS: Ein weiterer Exot in Sobottkas Sammlung

Foto: Dan Zoubek

"Die haben da unglaublich merkwürdige Sachen dran gemacht", sagt der Besitzer, als er neben dem Lagonda steht. "Den Entwicklern ist zum Beispiel erst ganz spät aufgefallen, dass sich wegen des Designs die hinteren Seitenscheiben nicht versenken lassen. Na gut, haben sie gesagt. Dann bauen wir eben eine Klimaanlage ein. Aber jetzt sitzt auf der Rückbank eine Düse direkt vor dem Passagier und pustet ihm kalte Luft ins Gesicht."

Aus der Düse ist allerdings schon lange keine Luft mehr geströmt - denn seit vier Jahren steht der Lagonda still. Schuld ist ausnahmsweise nicht die Elektronik, sondern ein Motorschaden. Sabottka und die Mechaniker von Classic Wheels, seiner Werkstatt, wollen ihn jetzt wieder herrichten. Die Lösung für das Problem des Wagens dürfte Puristen sicher nicht gefallen: Die Aston-Martin-Technik fliegt raus und soll durch Jaguar-Komponenten ersetzt werden. Die Fertigstellung ist für das Frühjahr angepeilt. Ganz sicher kann man da aber wohl erst sein, wenn es wirklich soweit ist.

Die Wartezeit hat Sabottka für eine weitere Neuanschaffung genutzt. Es handelt sich dabei aber nicht um ein Auto, sondern um ein Flugzeug. "Wenn ich fliege, kann ich völlig abschalten", sagt er. Bei der Auswahl des Fliegers ist er dem gleichen Muster wie bei seinen Oldtimern gefolgt - kaum hatte er es gesehen, musste er es haben. Jetzt besitzt Sabottka also eine Beechcraft aus den Sechzigerjahren. Wie der Lagonda steht die Maschine noch still: Sabottka muss erst noch den Flugschein machen.

Ein Porträt über Scumeck Sabottka ist ebenfalls bei "Freunde von Freunden" erschienen. Den Text finden Sie hier  .

Freunde von Autos
Foto: Luke Abiol

SPIEGEL ONLINE stellt Männer und Frauen mit ganz besonderen "Beziehungskisten" vor - Menschen, die mit ihrem Auto ein größeres Ziel im Blick haben als nur den Weg von A nach B. Sie sind "Freunde von Autos". In Kooperation mit dem internationalen Interviewmagazin "Freunde von Freunden"  zeigen wir Porträts zeitgenössischer Autokultur.

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