"Supercar Blondie" im Interview "Manche Männer denken, sie hätten ein größeres Anrecht auf einen Sportwagen"

Zuerst wurde sie ignoriert, heute gilt Alex Hirschi als die wichtigste Auto-Influencerin weltweit. Warum sie unabhängiger ist als manches Automedium - und was sie männlichen Autofahrern mit Töchtern zu sagen hat.

"Autos aus der Perspektive eines Laien": Auto-Influencerin Alex Hirschi alias "Supercarblondie"
Joshua Sammer/ Insight TV

"Autos aus der Perspektive eines Laien": Auto-Influencerin Alex Hirschi alias "Supercarblondie"

Ein Interview von


SPIEGEL: Frau Hirschi, Sie sind gewissermaßen die bekannteste Autotesterin der Welt, in den sozialen Medien folgen Ihnen 16 Millionen Menschen. Was machen Sie besser als klassische Automedien?

Alex Hirschi: Ich sehe Autos aus der Perspektive eines Laien. Viele Experten reden über Autos, aber nicht jeder will alle technischen Details wissen. Die meisten Leute interessieren nur ein paar Dinge: Wie sieht der Wagen aus? Was kann er, und welche technischen Raffinessen hat er? Wie fährt er? Ich mache Videos, die leicht verständlich sind und Spaß machen, auch wenn man keine Ahnung von Autos hat. Deshalb wurden meine Videos auf großen Autoseiten geteilt und die Zahl meiner Follower wuchs so rasant.

Zur Person
  • Supercarblondie
    Alex Hirschi wurde in Australien geboren und arbeitete als Radiojournalistin in Dubai, bevor sie im April 2017 kündigte, um ihre Kanäle in den sozialen Medien als "Supercar Blondie" hauptberuflich zu betreiben. Ihr YouTube-Kanal hat zwei Millionen Abonnenten, seit 2019 hat sie außerdem eine eigene Fernsehsendung namens "Car Crews".

SPIEGEL: Mir fällt auf, dass Autos in Ihren Videos oft zu gut wegkommen. Machen es sich Influencer wie Sie nicht oft zu einfach, indem sie den Herstellern gegenüber viel zu unkritisch sind?

Hirschi: Wenn Leute wissen wollen, was gut oder schlecht an einem Auto ist, halten sie sich immer noch an klassische Autojournalisten. Viele Fachzeitschriften erreichen aber nur 50.000 Leute, Influencer dagegen bis zu 50 Millionen. Deshalb wenden sich die Hersteller auch verstärkt an Influencer. Üblicherweise sind Influencer mehr aufs Positive fokussiert, das stimmt. Wir sind keine Autojournalisten, die das Auto auseinandernehmen.

SPIEGEL: Weil Sie abhängig sind vom Zugang zu den Autos, die Ihnen die Hersteller zur Verfügung stellen?

Hirschi: Das hängt vom Influencer ab. Ich bekomme nur fünf Prozent der Autos von den Herstellern, den Rest von Menschen zur Verfügung gestellt, die so ein Auto besitzen. Wenn mir etwas an einem Auto nicht gefällt, sage ich das.

SPIEGEL: Trotzdem sprechen Sie in Ihren Videos fast ausschließlich über die positiven Aspekte. Warum?

Hirschi: Ich zeige die Dinge, die cool sind, die einem auffallen, wenn man das Auto zum ersten Mal sieht. In diesem Moment achtet man nur auf die guten Dinge. Über die schlechten Seiten denkt man erst später nach. Außerdem hat man in den sozialen Medien nur ein Zeitfenster von rund 30 Sekunden, darin will ich die Menschen glücklich machen. Meine Inhalte sollen Spaß machen und die Leute nicht runterziehen.

SPIEGEL: Einige deutsche YouTuber sehen das anders und haben sich in den letzten Monaten vermehrt politisch geäußert, vor allem zur Klimapolitik. Spielen solche Themen für Sie eine Rolle?

Hirschi: Ich lebe im Nahen Osten und rede deshalb nicht über Politik und Religion. Mein Profil dreht sich um Autos und Lifestyle, und das soll auch so bleiben. Mein Geschäftsmodell soll nicht von globalen politischen Themen bestimmt werden.

SPIEGEL: Unter Ihren Videos finden sich immer wieder sexistische Kommentare von Männern, wäre es nicht wichtig, mit Ihren Followern über so etwas zu sprechen?

Hirschi: Es gibt für alles eine Zeit und einen Ort, aber das soll nicht das Thema meiner Seite sein. Außerdem ist die Zahl meiner Follower so schnell gewachsen, dass ich vor allem Inhalte produzieren muss und keine Zeit für lange Diskussionen habe.

SPIEGEL: Ist die Autoszene außerhalb des Internets genauso frauenfeindlich?

Hirschi: Ja. Am Beginn meiner Karriere betrat ich bei jedem Auto-Event Räume voller Männer, die oft nicht einmal mit mir reden oder mir die Hand schütteln wollten.

SPIEGEL: Sie begannen Ihre Karriere in Dubai. Passiert Ihnen das nur dort, oder wurden Sie überall ignoriert?

Hirschi: Das ist überall auf der Welt ähnlich, egal ob im Mittleren Osten oder in Deutschland. Dass auch Frauen an solchen Events teilnehmen, ist für manche Männer offenbar nicht vorstellbar. Sie wissen nicht, was sie dann tun oder sagen sollen.

SPIEGEL: Was hilft dagegen?

Hirschi: Indem man immer und immer wieder auftaucht, auch wenn man die einzige Frau ist. Irgendwann akzeptieren diese Leute dann, dass Frauen ein normaler Bestandteil der Autowelt sind. Dort zu erscheinen und als Frau in den sozialen Medien über Autos zu sprechen, ist meine Art, diese Welt zu verändern.

SPIEGEL: Trotzdem werden auf vielen Auto-Veranstaltungen von manchen Männern immer noch wie selbstverständlich sexistische Witze gerissen. Ist Sexismus in der Autowelt nicht immer noch die Normalität?

Alex Hirschi im Gespräch mit Mobilitätsredakteur Emil Nefzger
Joshua Sammer/ Insight TV

Alex Hirschi im Gespräch mit Mobilitätsredakteur Emil Nefzger

Hirschi: Absolut. Aber so schlimm es auch teilweise ist, beeindruckt mich, wie viele Männer mich unterstützen. Diese Gruppe ist inzwischen in der Überzahl.

SPIEGEL: Sie fahren extrem seltene und teure Autos, von denen die Männer, die Hasskommentare unter ihre Beiträge posten, nur träumen können.

Hirschi: Das ist sicher eine Ursache des Hasses. Manche Männer denken, sie hätten ein größeres Anrecht auf so ein Auto als eine Frau. Manchmal kommentieren Nutzer, die ihren Profilen zufolge Töchter haben, dass ich meine Erfolge nicht ohne einen Mann oder meinen Körper hätte erreichen können. Und realisieren dabei nicht, dass sie dieses Denken an ihre Töchter weitergeben. Aber denen zeige ich, dass eine Frau jedes Auto fahren kann, wie ein Mann auch. Weder Männer noch Frauen wissen von Geburt an irgendetwas über Autos, die Liebe dazu finden wir, unabhängig vom Geschlecht.

SPIEGEL: Aber ist diese Liebe zum Auto nicht etwas, das mit elektrischen Antrieben und dem autonomen Fahren aussterben wird?

Hirschi: Sie wird sich verändern, aber nicht aussterben. Künftige Generationen wachsen mit E-Autos auf und werden das Auto nicht mehr mit dem typischen Klang verbinden, wie wir es tun. Aber es wird immer schönere Autos, neue Spielereien und Technologien geben. Die Menschen werden andere Dinge finden, die sie an Autos lieben, als den Klang röhrender Motoren.

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insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
Mertrager 13.11.2019
1. Aha
Alex Hirschi: Ich sehe Autos aus der Perspektive eines Laien. - Sehr richtig. Dann sollte man es auch dabei belassen.
carran 13.11.2019
2. Influencer...
Ich kann dieses Wort nicht mehr hoeren! Egal, ob Mann oder Frau! Auch Frau Hirschi bedient die leider steigende Nachfrage nach substanzloser Information, die automatisch Neider und Bewunderer gleichermassen auf den Plan ruft. Instagram zielt voll auf die Todsuenden 1 - 3. :D
fatherted98 13.11.2019
3. wenn ich mir...
....die Sitzposition in diesem Auto anschaue, schlafen mir schon vom hingucken die Beine ein. Sportwagen....ich kenne einige die solche Teile fahren.....vom Ferrari bis zum Porsche oder Lambo.....die fahren alle gerne mal damit um die Ecke oder am Wochenende zum "kurven" auf die Landstraße (zurück dann Autobahn....Vollgas)....aber länger als eine Stunde (so die eigenen Aussagen) halten es die meisten (eher Herren im gesetzten Alter) nicht aus.
neutron76 13.11.2019
4. Noch nie was von ihr gehört
Sie braucht sich nicht überschätzen, denn sie verdient ihr Geld mit Klicks. Anklicken tun vor allem Männer, nicht Frauen. Supercars sind eine Scheinwelt für ganz wenig Menschen, besonders für die, die Öl verkaufen oder Menschen beraten, die Öl verkaufen.
pilotthedune 13.11.2019
5. Zurück in die 80er
Nachdem mehr und mehr Teile der Bevölkerung erkennen, dass das Konzept "sinnloser Sportwagen" keine Zukunft mehr hat, wird in noch eine ältere Mottenkiste gegriffen. Jetzt müssen Brüste und Hintern herhalten um diesen toten Gaul noch ein paar Jahre zu promoten. Wirklich derartig armselig, aus der Zeit gefallen einfach nur nur peinlich dieses Rumgepose und Geprolle. Vorbei ist vorbei!
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