Fotostrecke

Autostrände: Nah am Wasser geparkt

Foto: Jonathan S. Blair/ National Geographic/Getty Images

Autostrand St. Peter-Ording Sonnenparken

Ein gigantischer Parkplatz direkt am Meer - das gibt es in Deutschland nur in St. Peter-Ording. Die Genehmigung soll jetzt bis 2030 verlängert werden.

Autos bis zu den Radnaben im Sand, durchdrehende Räder, Driftversuche im Schlick - für Frank Friedrichs ist das Alltag. Er ist seit 23 Jahren Badestellenleiter des Strandabschnitts Ording - und damit zuständig für Deutschlands einzigen Autostrand. Auf einer Fläche, so groß wie rund 15 Fußballfelder, finden hier bis zu 5000 Fahrzeuge einen Parkplatz - vorausgesetzt, die Leute würden ihre Autos diszipliniert in Reih und Glied aufstellen.

Die Realität - hier im Nordsee-Reizklima, bei Sommersonne und Strandlaune - sieht natürlich anders aus. Sechs Euro kostet ein Parkticket fürs Auto, pro Insasse werden weitere drei Euro fällig; dann liegt die scheinbar endlose Sandfläche vor einem, und ebenso groß ist die Versuchung, hier ein bisschen zu experimentieren. "Immer wieder mal werden Autos eingeparkt, und ständig fährt sich einer fest", berichtet Friedrichs. "Dann wird gebuddelt oder die Leute ziehen sich gegenseitig aus dem Sand - und nicht selten rammt dann das gerade frei gezogene Auto auch noch das andere." Ab und an muss Friedrichs auch die Polizei rufen, nützt ja nichts. Denn mehr als 30 km/h sind nicht erlaubt auf dem Autostrand. "Wenn hier jemand wilde Sau spielt, reagieren wir."

Bis Ende 2019 ist Friedrichs Arbeitsplatz am Autostrand gesichert, so lange läuft die aktuelle Genehmigung des Landes für die riesige Sandspielkiste vor den Dünen, mitten im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, das zugleich UNESCO-Weltnaturerbe ist. Und aller Voraussicht nach wird diese Sondergenehmigung verlängert. Rainer Balsmeier, parteiloser Bürgermeister und Tourismusdirektor von St. Peter-Ording sagt: "Eine Grundvoraussetzung für die touristische Wettbewerbsfähigkeit St. Peter-Ordings ist dabei die Sicherung des Strandparkens."

Ausnahmeregelung bis mindestens 2030?

Um das auch in Zukunft sicherzustellen, wurde soeben ein Strandentwicklungskonzept von den zuständigen Gemeindeausschüssen einstimmig verabschiedet - es sieht eine "zukunftsorientierte Strandentwicklung" vor, die das Fortbestehen des Autostrandes einschließt und bis zirka 2030 gelten soll. Noch müssen Bürger, Kreis- und Landesbehörden zustimmen, doch das gilt als ziemlich wahrscheinlich.

Strandparken in St. Peter-Ording

Strandparken in St. Peter-Ording

Foto: Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording

Damit behält St. Peter-Ording aller Voraussicht nach bis auf Weiteres seine Ausnahmestellung als einziger Autostrand an der deutschen Nordseeküste. Im benachbarten Dänemark wäre das nichts Besonderes, denn dort gibt es mehr als ein Dutzend Autostrände - auf den Inseln Rømø und Fanø beispielsweise, oder in Saltum, Blokhus, Nørlev und Tversted. Neben lokalen Sonderbestimmungen gilt auf den dänischen Autostränden allgemein eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h, ein Rechtsüberholverbot und vor allem der Hinweis, nicht zu nahe an die Wasserlinie heranzufahren.

So nah wie möglich am Wasser parken

Im Prinzip macht aber genau das einen Autostrand aus: Mit Kind und Kegel so nah wie möglich ans Wasser zu kurven. Kenner parken ihr Auto auch noch so, dass es Wind- oder Sichtschutz bietet - im Idealfall natürlich beides. Und manchmal sogar ein bisschen ins Wasser. Wie am berühmtesten Autostrand überhaupt: Daytona Beach im US-Staat Florida. Den 37 Kilometer langen und durchgängig rund 150 Meter breiten Atlantikstrand, der sich durch besonders feinen und bei Ebbe fast betonharten Sand auszeichnet, nutzte die US-Autoindustrie bereits ab 1902 als Versuchsstrecke. Bald wurde Daytona Beach zur spektakulärsten Vollgaspiste überhaupt: Insgesamt 15 Geschwindigkeitsrekorde wurden hier aufgestellt. Der letzte vom Briten Malcolm Campbell am 7. März 1935 mit 445,5 km/h.

Ab 1936 (und bis 1958) wurden dort Rennen gefahren. Auf einem rund fünf Kilometer langen Oval, dessen eine Gerade auf dem Strand direkt oberhalb der Wasserlinie verlief, und die andere auf der asphaltierten Küstenstraße direkt hinter der Düne. Noch heute ist der größte Teil des Strande für Autos geöffnet. Fünf Dollar kostet ein Ticket, die Höchstgeschwindigkeit ist allerdings auf 16 km/h (10 mph) beschränkt.

Manchmal hilft nur noch Abschleppen

In Florida gibt es noch weitere Autostrände, die jedoch weitaus weniger beliebt sind, denn aufgrund der dortigen Sandverhältnisse bleiben Autos viel öfter stecken und müssen vom Abschleppdienst vom Strand gezerrt werden - ein kostspieliges und vor allem unendlich uncooles Manöver.

Andererseits: In den USA kommt wenigstens noch ein Abschleppwagen. Am Ninety Mile Beach in Neuseeland hingegen kann man darauf lange warten. Wenn hier die Räder durchdrehen und das Auto feststeckt, kommt nur noch die Flut, und das wars dann für den Wagen. Der tatsächlich 88 Kilometer lange Sandstrand im äußersten Nordwesten der Nordinsel Neuseelands gehört zum offiziellen Straßennetz und ist eine Alternative zur weiter im Inland verlaufenden befestigten Straße. Allradantrieb ist auf der Sandpiste jedoch unverzichtbar; Touristen in Mietwagen ist das Befahren des Ninety Mile Beach übrigens nicht erlaubt.

Wer in St. Peter-Ording mit dem Auto im Sand stecken bleibt, findet meist einen bereitwilligen SUV-Fahrer, der den Wagen wieder aus dem Schlamassel herauszieht. Oder ein Mitparker holt den Klappspaten aus dem Kofferraum. "Zur Not haben wir hier auch ein paar Schaufeln und Spaten", sagt Friedrichs, "und in besonders schweren Fällen holen wir unseren Pick-up und das Abschleppseil." Die Hilfe vom Badestellenleiter ist umsonst.

Mitarbeit: Matthias Kriegel