Straßenverkehr in Bhutan Hauptstadt ohne Ampeln

Die Verkehrsinsel sieht aus wie ein bunt bemaltes Puppenhäuschen, die einzige Tankstelle erinnert an einen Tempel: Willkommen im Königreich Bhutan! Mit der Demokratie zog der Fortschritt in die Hauptstadt Thimphu ein - die Ampeln wurden jedoch wieder abgeschafft. Sie waren den Einwohnern nicht geheuer.

Anstelle einer Lichtzeichenanlage sind es die weißen Handschuhe der Verkehrspolizisten, die den Autofahrern den Weg an der zentralen Kreuzung anzeigen. Es sind keine klaren Gesten, sondern weiche, wischende Bewegungen. Doch die einheimischen Autofahrer verstehen ihre Ordnungshüter. Sie tragen nicht wie die meisten Männer die Nationaltracht Kho, sondern blaue Anzüge und weiße Gürtel.

Vor Jahren, so erzählt Fremdenführer Nima, hätten dort einmal Ampeln gestanden. Doch den Menschen sei das zu unpersönlich gewesen, und die Ampeln wurden wieder abgebaut. Der 31-Jährige zeigt auf die Stelle, wo sie standen, als er noch Schüler war. Inzwischen ist der Polizist auf seiner bunt bemalten Verkehrsinsel eines der beliebtesten Fotomotive der noch vereinzelten Touristen.

"Thimphu steckt im Wandel", sagt Nima. Landflucht lässt die Einwohnerzahl stetig anwachsen, über 90.000 Menschen sind es mittlerweile. Dadurch wird auch der Verkehr immer dichter. Anfang der sechziger Jahre, als Thimphu Hauptstadt und Regierungssitz wurde, bestand die Siedlung aus nichts als einer Klosterburg umgeben von einigen Bauernhäusern und Reisfeldern in einem engen Tal ohne jedes Motorengeräusch.

Allradantrieb ist Luxus, nicht der SUV

In dem streng buddhistischen Reich sind Autos längst zu Statussymbolen geworden. Toyota, Maruti-Suzuki, Mahindra und Hyundai sind die beliebtesten Marken. Luxus bedeutet in dem armen Himalaya-Staat, über einen Allradantrieb zu verfügen. Der frisch gekrönte König Jigme Khesar Namgyel Wangchuck fährt zum Beispiel einen Toyota Land Cruiser. Sein Vater, der die Krone im vergangenen November freiwillig an seinen Sohn abgab, wurde stets einem Mahindra-Geländewagen gesehen. "Inzwischen gibt es in Thimphu rund 30.000 Autos", schätzt Nima.

Damit es nicht zu einem Chaos kommt, regeln 30 Polizisten abwechselnd den Verkehr. Bislang reicht zur für unsere Begriffe moderaten Rushhour eine Trillerpfeife. Doch wie lange die Straßenhüter die sechs Kreisverkehre und die Kreuzungen ohne Ampeln den Verkehrsfluss noch geschmeidig halten können, bleibt abzuwarten. Die Unfallzahlen sind der lokalen Presse zufolge im vergangenen Jahr um 31 Prozent gegenüber 2007 gestiegen. Die Zahl der Verkehrstoten in der Hauptstadt lag noch bei statistisch bescheidenen sechs. Viele fahren ohne Führerschein; es ist eines der populärsten Delikte.

Parkuhren oder gar -automaten sind bei einer Rundfahrt nicht zu entdecken. Ein kurzer Stopp und aus dem Nichts taucht sofort ein Parkwächter auf. Er kassiert fünf Ngultrum (sieben Cent) für fünf Minuten. Für eine Stunde würde er 30 Ngultrum verlangen. Teurer kommen Verkehrsverstöße: Wer zu sehr aufs Gas tritt, zahlt umgerechnet rund 3,60 Euro. Wer zu viel Alkohol trinkt und trotzdem mit einem Auto fährt, muss nach Angaben der Road Safety and Transport Authority (RSTA) 1250 Ngultrum (18 Euro) zahlen. Das erscheint wenig, macht in Bhutan aber rund ein Fünftel des durchschnittlichen Monatslohns aus. Beim dritten Verstoß wird der Führerschein eingezogen.

Vorsichtig durchs Land des Donnerdrachens

Tempolimit-Schilder sind überflüssig, denn die engen Bergpässe zwingen zur Räson. Schneller als die fast überall im Land geltenden 45 km/h für Pkw und 35 km/h für schweres Gefährt kann kaum gefahren werden. Konsequenterweise taucht auf den kurvigen Straßen auch kein Schild auf. Nur die neue zweispurige Ausfallstraße in Thimphu lässt laut Schildern ganze 50 Stundenkilometer zu.

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