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27. März 2016, 16:58 Uhr

Günstige Oldtimer - Subaru Libero

Schmal was anderes

Von Haiko Prengel

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Wir stellen sie vor. Diesmal: der Subaru Libero.

Subaru Libero: Der smarte Sechssitzer

Allgemeines zum Modell: Von 1983 bis 1998 bot Subaru das Überraschungsei auf Basis des Kleinlasters Sambar in Deutschland an. Mit seinem 1,2-Liter-Dreizylinder (Höchstgeschwindigkeit knapp 130 km/h) ist der Libero sicherlich kein Gran Turismo. Doch seine Stärken liegen nicht auf der Autobahn, sondern im Stadtverkehr. Libero-Fahrer schätzen die gute Rundumsicht, die man in dem Kleinbus mit seinen großen Fenstern hat.

Der Libero bot schon vor 30 Jahren das, was heute so viele Käufer an den populären SUVs loben: Einen bequemen Einstieg, eine erhöhte Sitzposition und das Gefühl, dass man den Verkehr besser im Blick hat als in einer flachen Limousine. Der Vorteil des Libero ist, dass er mit seinem Leergewicht von 925 bis 1030 Kilogramm nur die Hälfte der modernen Stadtpanzer wiegt.

Warum ausgerechnet der? Na klar - es gibt größere, schnellere und geländegängigere Autos als den Subaru Libero. Und ganz bestimmt auch schönere. Aber es wird sehr schwer werden, ein praktischeres Auto zu finden. Welcher andere Wagen kann denn sechs Personen befördern (mit Sondereintragung sogar sieben) und hat gleichzeitig einen Wendekreis, kaum größer als der eines Smarts?

Mit mickrigen 1,40 Meter Breite kann man mit dem Libero theoretisch auf dem Bürgersteig fahren. Trotzdem bietet der Schmalspurbus ein Raumangebot wie ein Kleinlaster: Die Sitze lassen sich einfach und variabel umlegen. So wird der Fond zu einer großen Ladefläche oder zur Spielwiese für die Kinder.

Der Subaru Libero gilt außerdem als ingenieurstechnische Meisterwerk. Zwecks optimaler Raumausnutzung ist der Motor quer im Heck sowie extrem geneigt eingebaut. Ein weiteres Highlight ist der serienmäßige Allrad-Antrieb. Er lässt sich bei Bedarf zuschalten - dank ihm kann man den Libero auch im Winter fahren, wenn andere mit ihren hübschen Autos im Schnee stecken bleiben.

Romantik-Tipp: Bei sternenklarer Nacht das Panoramadach öffnen und unter freiem Himmel einschlafen.

Verfügbarkeit: Der Subaru Libero war von Anfang an ein Exot, 1998 wurde der Import nach rund 22.000 verkauften Exemplaren eingestellt. Davon waren Anfang 2015 noch knapp 1200 Liberos in Deutschland zugelassen. Die meisten der Kleinbusse dienten als günstige Lasten- und Transportesel und wurden heruntergerockt, daher der stark dezimierte Bestand.

Eine Liebhaberszene entstand erst in den vergangenen Jahren, lange nach Importende. Mit ein wenig Geduld kann man also noch gepflegte Fahrzeuge finden. Die Unterhaltskosten sind wegen des kleinen Hubraums und der günstigen Versicherungsklassen generell gering.

Ersatzteilversorgung: Obwohl der Libero in Deutschland vergleichsweise selten verkauft wurde, ist die Ersatzteillage in Ordnung. Über Subaru-Händler sind fast alle Teile verfügbar. Hinzu kommt ein passables Angebot an gebrauchter Ware auf dem freien Markt. Selbst größere Blechteile wie Schiebetüren oder eine Heckklappe gibt es für unter 100 Euro.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

Schwachstellen: Die Technik des Libero gilt zwar als robust und einfach, doch sie ist gut versteckt: Wer etwa an den Motor im Heck gelangen möchte, muss die hintere Stoßstange abfummeln.

Reparaturen am Dreizylinder können schnell in Bastelarbeit ausarten. Wer in dieser Hinsicht nicht besonders begabt ist, muss teure Werkstattbesuche einkalkulieren - nicht wegen der Materialkosten, sondern wegen der Arbeitsstunden und weil kaum ein Mechaniker sich mit dem Auto auskennt.

Bei der Karosserie ist Rost ein großes Problem. Besonders gerne rosten Subaru Libero überall da, wo es Kanten gibt - also an Radläufen, Türunterkanten und an der Heckklappe. Außerdem sollte man vor einem Kauf darauf achten, ob der Rahmen morsch ist. Oft sind auch Ölwanne oder Kühlwasserrohre betroffen. Hinzu kommt, dass die Mechanik der Schiebetürgriffe häufig bricht.

Beim Fahren erweist sich die schmale Breite des Minibusses manchmal als Schwäche: In schnellen Kurven macht der Libero keine gute Figur, außerdem ist er sehr anfällig bei Seitenwind.

Preis: Schon für 1500 Euro bekommt man einen Subaru Libero mit gültiger HU-Plakette, der allerdings dann bald Investitionen fordert, wenn das Auto länger erhalten werden soll. Selbst gepflegte Exemplare mit unter 100.000 Kilometern auf der Uhr kosten selten mehr als 4000 Euro, sind aber auch sehr rar.

Anlaufstellen im Internet:

Auf jeden Fall sollte man Anschluss an andere Libero-Fahrer suchen: Die Fanszene ist zwar klein, aber rührig. "Wir Libero-Fahrer sind schon längst per Du - und man grüßt sich, wenn man einem anderen Libero begegnet", sagt der Libero-Sammler "Liberalix" aus Porta Westfalica, der sich deutschlandweit einen Ruf als Experte und zuverlässiger Tippgeber und Teilebeschaffer erarbeitet hat.

Außerdem empfehlenswert:

Libero-"Notruf"

Libero-Forum

Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

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