Günstige Oldtimer - Subaru SVX Der Beinahe-Porsche

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Wir stellen sie vor. Diesmal: der Subaru SVX.

Sven Jürisch/ Solveig Grewe

Günstige Oldtimer
    Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

    Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Subaru SVX

Sven Jürisch/ Solveig Grewe

Allgemeines zum Modell: Ein Coupé mit 3,3-Liter-Sechszylinder-Boxermotor und Allradantrieb? Klingt nach einem Porsche 911 Carrera 4 (Typ 964) - oder halt einem Subaru SVX. Das japanische Modell (in seiner Heimat hieß es Alcyone SVX) war ein heimlicher Held der Neunzigerjahre, es sollte dem Image von Subaru mehr Glamour verleihen und vor allem in den USA für höhere Marktanteile sorgen. Rund 14.300 Exemplare entstanden von 1994 bis 1996, nur wenige kamen zum Preis von 74.000 Mark nach Deutschland.

Warum ausgerechnet der? Dank seines auffälligen Designs wird man garantiert auf den Wagen angesprochen - und kann dann viel Gutes über ihn erzählen: Zum Beispiel, dass sein 230 PS starker Boxermotor bis auf 240 km/h beschleunigt und schön ruhig läuft. Oder dass der SVX für ein Coupé wunderbar alltagstauglich ist, vier Personen darin bequem Platz haben und die Rückbank zur Vergrößerung des Kofferraums umgeklappt werden kann. Außerdem ist der SVX ein Muster an Zuverlässigkeit - Laufleistungen von 250.000 Kilometern sind eher die Regel als die Ausnahme.

Elektrische Fensterheber und Schiebedach, dazu heizbare Ledersitze und eine Klimaautomatik gehörten bei den hierzulande ausgelieferten Modellen zur Serienausstattung. Die Klimaanlage ist allerdings auch nötig, denn im großzügig verglasten Coupé wird es bei direkter Sonneneinstrahlung schnell mal stickig. Alternativ kann natürlich auch das Fenster geöffnet werden, das an die Frischluftluke einer Pilotenkanzel erinnert.

Der Allradantrieb ist bei europäischen Exemplaren ebenfalls immer mit inbegriffen - ein Sicherheitsplus, genauso wie die bei späteren Modellen vorhandenen Frontairbags. Der Spritverbrauch ist für ein Auto dieses Alters moderat - mit rund 11,5 Litern kommt man auf 100 Kilometern aus.

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Günstige Oldtimer - Subaru SVX: Erstglasige Leistung

Verfügbarkeit: Den Sonderling SVX kauften nur echte Liebhaber als Neuwagen. Gut für heutige Interessenten, denn viele Exemplare haben hierzulande in beheizten Vorortgaragen überlebt.

Doch obwohl sämtliche europäischen SVX technisch identisch sind und es nur wenige Sonderausstattungen gab, bedarf es eventuell etwas Zeit, um das passende Exemplar zu finden. Das Problem: die Farbe. Die Neunzigerjahre sind diesbezüglich für einige Geschmacksverirrungen berüchtigt, die man nicht unbedingt in die heimische Garage und in die Neuzeit retten möchte.

Ersatzteilversorgung: In der Vergangenheit wurden zahlreiche SVX ausgeschlachtet - der Sechszylindermotor war beliebte Beute von Bulli-T3-Fahrern. Dementsprechend finden sich auch noch so manche übrig gebliebenen Gebrauchtteile in den Internetbörsen.

Digital in Serie: Die Mittelkonsole des SVX
Sven Jürisch/ Solveig Grewe

Digital in Serie: Die Mittelkonsole des SVX

Grundsätzlich bemüht sich Subaru redlich, die einstige Ikone am Laufen zu halten. Bei technischen Komponenten ist das kein Problem, bei Teilen aus dem Innenraum allerdings schon. Der engagierte SVX-Club hat inzwischen aber zahlreiche Nachfertigungen von vergriffenen Ersatzteilen angestoßen.

Generell ist das Preisniveau der Ersatzversorgung hoch, und im Falle des SVX kommt ein Luxuszuschlag dazu. Die Lieferzeit der Neuteile kann mitunter auch mal 14 Tage oder mehr betragen.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Bremse vorn komplett (Scheiben und Beläge): ca. 600 Euro.
  • Kotflügel: ca. 200 Euro.
  • Nachrüstung auf D3-Norm: ca. 870 Euro - dann werden nur 6,75 Euro statt 15,13 Euro pro 100 ccm fällig, eine jährliche Einsparung von 285 Euro.

Schwachstellen: Das von Subaru konstruierte Viergang-Automatikgetriebe ist zu schwach dimensioniert und kann bei rüder Behandlung oder fehlendem Ölwechsel vorzeitig den Dienst quittieren. Ein Ersatz ist gebraucht zum Preis von rund 1000 Euro zu bekommen, ein neues Getriebe übersteigt dagegen den Wert des ganzen Wagens.

Daneben verschleißen im Fahrwerk die üblichen Gummibuchsen, leckt der Motor bisweilen mit Öl und reagieren die vorderen Bremsscheiben auf hitzige Fahrer mit Verzug. Die gut gegen Rost geschützte Karosserie macht dagegen keinen Ärger. Kleinigkeiten wie defekte Fensterheber oder der im Alter brüchige Bezugstoff der Ledersitze können meist in Eigenregie behoben werden.

Preis: Wer rund 5000 bis 7000 Euro für den SVX parat hält, bekommt in der Regel ein ordentliches Auto mit deutlich unter 200.000 Kilometern. Teileträger erhält man ab 1500 Euro. Die Vollrestauration eines heruntergekommenen SVX kann teuer werden und lohnt sich angesichts der eher schleppenden Wertentwicklung kaum.

Anlaufstellen im Internet:

www.svxclub.de www.subaru-svx.net/forum

www.cars101.com/subaru_svx.html Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

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insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
bluemetal 19.11.2016
1.
Ein ungewöhnliches Auto, die geringen Verkaufszahlen lagen aber nicht nur am Preis, er ist einfach auch hässlich wie die Nacht.
made_up_name 19.11.2016
2.
Oldtimer ist er mit 30 oder ist da ein Zahlendreher drin? Mir gefällt er weil ich auf dicke Brummer aus Japan stehe, der Supra ist ähnlich gut. Der Wagen ist so ungewöhnlich außergewöhnlich das die "Ich kauf mir lieber nen Benz " Fraktion keinen Bock zum nörgeln und kommentieren hat. Äh ein Delorean ist doch auch n cooler Oldie oder?
LapOfGods 19.11.2016
3. Farben
"Das Problem: die Farbe. Die Neunzigerjahre sind diesbezüglich für einige Geschmacksverirrungen berüchtigt" Sie meinen das Zeitalter, als noch nicht alle Autos schwarz-grau waren? Das war schön.
Hamberliner 19.11.2016
4. Was ist ein Oldtimer?
Das soll ein Oldtimer sein? Dazu gehört schon ein bisschen mehr als seit einigen Jahren nicht mehr hergestellt zu werden, rostig zu sein und den heutigen Umwelt- und Sicherheitsstandards nicht zu entsprechen. Als Oldtimer betrachte ich Klassiker mit Kultstatus, Augenweiden wie den Käfer, Renault Alpine A110, Renault Dauphine, Ente, Citroën DS, Citroën HY 78, Isetta, Goggomobil T250, Trabi, Seat 600, BMW 501/502, Land Rover Defender, Mercedes 190 SL, Volvo PV 444. DKW 3=6, diverse Borgward, Ebro Bravo, Mini Morris.
bluemetal 19.11.2016
5. Oldtimer
Die (einzig) amtliche Deutsche Definition eines Oldtimers (bezüglich H-Kennzeichen) besagt, dass er vor mind. 30 Jahren zugelassen worden sein muss, Original-Zustand und gepflegt. Der Subaru ist mit Ach und Krach gerade mal ein Youngtimer.
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