Tempolimit 77 Prozent der Fahrerinnen und Fahrer sind mit weniger als 130 km/h unterwegs

Für viele Autofahrer dürfte ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde keine große Umstellung darstellen: Einer Studie zufolge sind die meisten Autos auf Autobahnen ohnehin langsamer unterwegs.
Anders als in vielen anderen europäischen Ländern gibt es auf deutschen Autobahnen bisher kein Tempolimit

Anders als in vielen anderen europäischen Ländern gibt es auf deutschen Autobahnen bisher kein Tempolimit

Foto: Martin Schroeder / Chromorange / imago images

Als Argument gegen ein Tempolimit  auf deutschen Autobahnen wird oft angeführt, dass es sich um einen Eingriff in die persönliche Freiheit der Fahrerinnen und Fahrer handele. Offenbar hat allerdings nur ein kleiner Teil der Menschen überhaupt das Bedürfnis, stets mit einer höheren Geschwindigkeit als 130 Kilometer pro Stunde über die Straßen zu rauschen.

Das ist das Ergebnis einer Analyse des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln . Für die Erhebung haben nach Angaben des Instituts Experten Echtzeitdaten von Autobahnabschnitten ohne Tempolimit ausgewertet. Die Daten stammen von automatisierten Autobahnzählstellen in Nordrhein-Westfalen, aus dem Zeitraum von Mitte Mai bis Ende August. Insgesamt seien 1,2 Milliarden Pkw-Bewegungen in die Auswertung einbezogen worden.

Weniger als zwei Prozent fahren schneller als 160 km/h

Daraus geht hervor: Auch ohne Tempolimit sind 77 Prozent der Autos auf den Autobahnen zum Zeitpunkt der Stichprobe langsamer als 130 km/h gefahren. Zwölf Prozent fuhren mit 130 bis 140 Kilometern pro Stunde. Neun Prozent der Fahrer orientierten sich an einem Tempo zwischen 140 und 160 Kilometern pro Stunde. Weniger als zwei Prozent der Fahrerinnen und Fahrer sind der Studie zufolge mit mehr als 160 Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen.

Die Autoren selbst sehen in den Ergebnissen der Analyse einen Beleg dafür, dass ein generelles Tempolimit geringe Effekte auf den CO₂-Ausstoß im Verkehr und die Zahl der schweren Unfälle hätte – weil viele Menschen meistens sowieso unter der Geschwindigkeitsgrenze blieben. Umgekehrt erscheint denkbar, dass der Widerstand aus der Bevölkerung gegen ein Tempolimit geringer sein könnte, als bislang angenommen wird – weil die Umstellung für viele gar nicht so groß wäre.

Im Wahlkampf fordern SPD, Grüne und Linke ein Tempolimit auf Autobahnen. Union, FDP und AfD lehnen dies ab.

Für das Tempo, das auf den Autobahnen gemessen werden kann, ist auch die Tageszeit maßgeblich. Die meisten Schnellfahrer sind dem IW zufolge nachts unterwegs. Zwischen 22 Uhr und 4 Uhr seien vier Prozent der Autofahrer mit mindestens 160 Kilometern pro Stunde unterwegs. Zwischen 15 Uhr und 18 Uhr fahre nur rund ein Prozent der Fahrer so schnell. Ab 19 Uhr steige der Anteil der Schnellfahrer deutlich, bleibe insgesamt aber klein.

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