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Deutschlandreise im Elektroauto, Teil 3: Für lau durchs Land

Foto: Tobias Gerber

Deutschlandreise im Elektroauto, Teil 3 Der Weg war umsonst

Ohne einen Tropfen Sprit ist Sören Harder mit dem Auto quer durch Deutschland gereist. Das Fazit seiner Tour in der Elektro-Sportlimousine Tesla Model S: Der Geldbeutel wird geschont, die Nerven nicht.

Was bisher geschah: SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Sören Harder bezwang auf seiner Fahrt im Elektroauto Tesla Model S Reichweitenängste und Hungerattacken. In Teil 3 seines Tourberichts erzählt er vom Endspurt auf sein Ziel - und testet den Tesla noch mal auf seine Alltagstauglichkeit.

Tag 2: Aufstehen und umplanen

Kurz vor Mitternacht ist es endlich geschafft: Mithilfe einer Smartphone-App finde ich doch noch ein freies Hotelzimmer in der Nähe von Münchberg am Hof, wo ich den Tesla an einem Supercharger fast vollgeladen habe. Meine letzten Gedanken vorm Einschlafen: Spontane Schlenker sind mit dem E-Mobil ein Problem - um Chaos zu vermeiden, müssen die Distanzen zwischen Ladestationen und Unterkünften genau berechnet werden.

Am nächsten Morgen werfe ich also erst einmal meine Pläne über den Haufen: Den geplanten Abstecher nach Mannheim spare ich mir, stattdessen will ich vor meinem Reiseziel München, das ich abends erreichen möchte, Bayern erkunden. Regensburg erscheint mir sehenswert. Doch bevor ich losfahre, kümmere ich mich um ein Hotel in München, wo ich den Tesla aufladen kann. Bloß keine Last-minute-Aktionen mehr.

Dieses Mal klappt es auf Anhieb. Gleich beim ersten Hotel, das ich anfrage, weiß man mit Elektroautos umzugehen: "Wir hatten das schon einmal", erklärt man mir, als ich meine Bedürfnisse schildere. Das klingt zwar so, als ob Gäste mit E-Mobilen noch Exoten wären - aber eine Parkplatzreservierung und eine Ladetrommel reichen aus, um mich glücklich zu machen.

Darling der Regensburger, Schlaglochalarm in München

Jetzt kann ich mir sicher sein, das Auto auch in der kommenden Nacht laden zu können. In München gibt es zwar auch einige öffentliche Ladesäulen, aber wie sagte ein anderer Tesla-Fahrer, den ich auf der Reise traf: "Dass die Elektromobilität nicht in Fahrt kommt, liegt nicht an der Autoindustrie - sondern an den Energieversorgern!" Er regte sich darüber auf, dass für fast jede Ladestation eine eigene Karte benötigt wird. "Das könnte doch auch mit der Kreditkarte funktionieren."

Mein Zwischenstopp in Regensburg bietet sich auch deshalb an, weil dort ein Supercharger steht, abseits an einem Autohof. Dort stoppe ich, verbinde meine Mittagspause mit einer schnellen Ladeeinheit. Während die Pommes in der Fritteuse brutzeln, glühen die Akkus meines Tesla.

In der Innenstadt von Regensburg fällt mir wieder auf, wie breit meine Tesla-Limousine ist. Fast 18 Zentimeter dicker als eine Mercedes E-Klasse - da wird es eng in den Gassen der Altstadt. Das Entrée gelingt mir mit dem leisen Wagen dennoch hervorragend: Bei der Parkplatzsuche hält mich eine junge Frau an und lässt mich wissen, dass ihr Stellplatz gleich frei wird. Kaum habe ich das rote Schiff dort platziert, sprechen mich auch schon zwei Männer an. Die beiden finden das Auto spannend - aber noch, erklären sie, sei es zu früh für einen Tesla. Sie wollen lieber abwarten, bis der Hersteller sein bereits angekündigtes Model X auf den Markt bringt.

Weiter geht's nach München - Endspurt. Bei der Fahrt fällt mir wieder auf, dass die riesige Ablage in der Mittelkonsole ihre Tücken hat: Sie ist so groß, dass Schlüssel, Geldbeutel und Wasserflaschen kreuz und quer darauf umherrutschen. Mehr Fächer wären hilfreich, übrigens auch eine Ablage in den Türen.

Am Abend bin ich dann meinen Exoten-Status irgendwie los: In München parken am Straßenrand einige Tesla Model S. Und hier endet meine Reise. Ein letztes Mal nutze ich die Sonderausstattung des Wagens und verstelle das Fahrwerk auf Knopfdruck ein paar Zentimeter höher - kein Wunder, dass die CSU nach einer Pkw-Maut verlangt, in Bayerns Hauptstadt sind die Straßen voller Schlaglöcher.

Das Fazit der Tour

Am Ziel steht fest: Ich habe fast 1300 Kilometer zwischen Hamburg und München zurückgelegt - und zwar vollkommen umsonst. Weil ich die Model-S-Version mit dem großen Akku habe, konnte ich den Wagen an den Superchargern kostenlos aufladen. Tesla bietet den Gratisstrom an ihren Zapfsäulen als einen besonderen Service an, um der Kundschaft die teuerste Variante des Model S schmackhaft zu machen. Mit einem BMW i3 oder VW E-Golf wäre die Reise deshalb nicht so billig gewesen - wobei diese Modelle auch nur etwa halb so viel kosten.

Grundsätzlich gab es einige Reisestrapazen mit dem alternativen Antrieb: Gerade zur späten Stunde harmonieren Spontaneität und Elektromobil noch nicht so wirklich. Einen verschlossenen Hausmeisterschuppen kann man nun mal nicht mit netten Worten öffnen - und so blieb die eine oder andere Kabeltrommel vor mir verschont. Dafür entschädigt, dass ich selbst in den Hotels, wo ich das Auto jeweils für einige Stunden an die Steckdose gestöpselt hatte, keinen Cent für den Strom bezahlen musste.

Gekostet hat mich die Fahrt am Ende also nur Nerven - wegen der Reichweitenangst und dem Planungsstress rund um die pünktliche Lademöglichkeit. Trotzdem: Ich würde wieder eine Reise im Elektroauto antreten. Jetzt weiß ich ja, worauf ich mich einlasse.

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