Treffen der Mazda-Exoten Cosmonauten auf großer Fahrt

Eigentlich ist der Mazda Cosmo Owners Club eine ausgesprochen japanische Angelegenheit. Schließlich wurde kaum einer der zwischen 1967 und 1972 gebauten 1176 Wankel-Sportwagen ins Ausland verkauft. Doch nun waren die Sammler samt Autos in Deutschland unterwegs.

Aus Gersthofen berichtet


Eine Teezeremonie, eine Audienz beim Tenno oder ein Mitgliedsausweis des Cosmo Owners Club - mit solcherlei Exklusivitäten tun sich Europäer in Japan schwer. Denn insbesondere der illustere Zirkel von Besitzern des legendären Mazda-Sportwagens ist eine zutiefst japanische Gemeinschaft. Zwar kommt die Idee für dessen Wankelmotor aus Deutschland, und Mazda wird nicht müde zu betonen, dass der kleine Zweisitzer mit dem offiziellen Namen "Cosmo 110 Sport" als weltweit erstes Serienauto mit Zweischeiben-Kreiskolbenmotor 1967 noch kurz vor dem NSU Ro80 in Serie ging. Doch die allermeisten Modelle bleiben in Japan. Nur wenige wurden als Rechtslenker in die USA verschifft, in Europa wurde der Exot gar nicht erst angeboten.

Jetzt allerdings weiten die Japaner ihren Blickwinkel. Denn als erstem Europäer ist dem Mazda-Händler Walter Frey aus Gersthofen bei Augsburg die Aufnahme in den elitären Zirkel gelungen. Immerhin hat er mit mehr als 160 Fahrzeugen eine der größten privaten Mazda- und Wankelsammlungen in Europa, besitzt zwei der nicht einmal mehr 300 verbliebenen Cosmo-Exemplare. "Als ich bei einem Besuch in Japan erzählte, dass ich ein Ersatzteile nachbaue, wurden wir erst zum Dinner und dann in den Verein eingeladen", erinnert sich Frey. "Dafür wollte ich mich revanchieren, und habe den Club zu einem Treffen nach Deutschland eingeladen - und zwar mit den Autos", sagt der Seniorchef.

Das hielten die Japaner zunächst für einen Scherz. Aber nachdem Mazda Deutschland den Transport der Klassiker anbot, wurde die Sache ernst. Nach mehr als einem Jahr Planung rollten dann vor knapp zwei Monaten zwischen neuen Mazda 3 und Mazda 6 immerhin 14 Cosmo auf eine Autofähre - und vor ein paar Tagen in Europa an Land. Kurz darauf landeten die Besitzer und der Begleittross, und Frey hielt Hof zum "1. Internationalen Mazda Cosmo Sport Treffen" außerhalb Japans.

Die Autos der Japaner - eigens mit Kurzzeitkennzeichen angemeldet - waren fast ausnahmslos in Weiß lackiert und auf Hochglanz poliert. Jedes von ihnen ist seltener als die allermeisten Ferrari-, Porsche- oder Mercedes-Modelle aus dieser Zeit und deshalb der ganze Stolz der Besitzer. Aber keiner in Gersthofen ist so stolz wie Yuji Suzuki. Schließlich fährt er nicht nur den Cosmo, der 1973 als allerletzter neu zugelassen wurde, sondern er war es auch, der den Wagen damals gekauft hat. "36 Jahre, 190.000 Kilometer und noch immer in der ersten Hand. Das gibt es sonst wohl nirgends", strahlt der Japaner.

Fans aus England, Österreich und Griechenland

Beim Treffen anwesend war auch Club-Vizepräsident Senji Hoshino, der zugleich eine Art Chefrestaurator des Cosmo ist. Er lebt inzwischen von dieser Arbeit. "Zwei Drittel aller noch existierenden Modelle standen schon auf meiner Hebebühne", sagt Hoshino und beugt sich über das Coupé von Philip Blake. Der Engländer reiste aus London auf eigener Achse an. "650 Meilen in zwölf Stunden, das verdient Respekt", sagt einer der Frey-Söhne und spendiert dem Cosmo von der Insel erst einmal eine Kanne Öl. Davon braucht der alte Wankelmotor fast so viel wie Benzin, klagt Blake.

Auch Cosmo-Eigner aus Österreich, der Schweiz und Griechenland sind mit ihren Autos nach Gersthofen gereist. "Jetzt fehlen noch ein Wagen aus Zypern, einer aus Frankreich und ein weiterer aus Deutschland, dann hätten wir alle Cosmo in Europa zusammen", sagt Frey stolz. Aber auch so sollte es für einen Eintrag ins Guinness-Buch reichen. "So viele Cosmo waren außerhalb Japans noch nie auf einem Fleck", redet der Mazda-Händler auf den Bürgermeister ein und bittet um die offizielle Bestätigung.

Der Chef jagt über den Nürburgring - und einer ist traurig

Den amtlichen Stempel nimmt Vize Hoshino entgegen. Denn der Clubchef ist schon früh am Morgen zum Nürburgring aufgebrochen. "Der wollte einmal die Grüne Hölle sehen und über die Nordschleife fahren", erklärt Frey. Yuji Suzuki wiederum nutze einen Ausflug ins Wankelmuseum nach Lindau zum Gasgegeben. "Da lief mein kleiner Flitzer laut Tacho über 200", freut sich der Mann, der solche Eskapaden sonst nur im Dämmerlicht wagt. In Japan holt er einmal pro Woche den Wagen aus der Garage und jagt zu nachtschlafender Zeit über die Autobahn, wo eigentlich ein Tempolimit von 100 km/h gilt. "Auf eine legale Vollgasfahrt habe ich jetzt seit mehr als 35 Jahren gewartet."

Solche Geschichten erzählen fast alle auf dem Cosmo-Treffen. Nur einer der Cosmonauten schaut traurig drein. Dabei ist Takaharu Kobayakawa, den sich von allen nur "Mr. Koby" nennen lässt, ein Ehrengast. Er fing 1963 als Entwicklungsingenieur bei Mazda an, brachte den ersten Wankelmotor zum Laufen und war einer der ersten, die einen Cosmo-Prototypen fahren durften. Und als Mazda 1991 mit einem Wankelrenner die 24-Stunden von Le Mans gewannen, war Kobayakawa Sportchef der Marke. Trotzdem steht Koby beim Gruppenfoto ein wenig abseits, denn einen eigenen Cosmo besitzt er nicht. "Bei diesen Preisen habe ich mir den Traum langsam abgeschminkt, sagt er. Ein Oldtimer für umgerechnet 55.000 Euro sei ja noch drin. "Aber eine zweite Garage in Tokio kann ich mir nicht leisten."

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.