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Triumph Rocket 3 im Test Der sanfte Riese

Die Triumph Rocket ist die Motorrad-Schwergewichtsklasse: Mehr als 300 Kilo, 2,5 Liter Hubraum, Leistung und Drehmoment, nun ja, en masse. Trotzdem lässt sich das Motorrad leichtfüßig bewegen.

Der erste Eindruck: Was für ein Trumm.

Das sagt der Hersteller: 2004 brachte Triumph die erste Rocket mit drei Zylindern und dem unerhörten Hubraum von 2,3 Litern auf den Markt. Seither spielt die Marke damit in einer eigenen Liga. Mehr Muscle Bike, mehr Drehmoment und Power gehen bisher nicht in einem Serienmotorrad.

Inzwischen allerdings sieht die alte Rocket III - deren Produktion vor zwei Jahren eingestellt wurde - aus wie aus der Zeit gefallen, wie ein anachronistischer Koloss mit dem Charme eines Tagebau-Baggers. "Uns war klar, dass wir für die neuen Rocket von Grund auf neu denken und entwickeln mussten," sagt Stuart Wood, der Cheftechniker im Triumph-Werk.

Herausgekommen sind dabei eine neue Plattform und zwei Motorräder: moderner, leichter, potenter. Die neuen Rockets haben jetzt 2458 ccm und 221 Nm Drehmoment - immer noch weit mehr als jedes andere Serientriebwerk in einem Motorrad.

Die spektakulären Werte teilen sich zwei optisch grundverschiedene Fahrzeuge. Die Rocket 3 R (die römische III musste weichen) ist ein sportlicher Roadster; die Rocket 3 GT mit weit vorne montierten Fußrasten, kleinem Windschutz und breiterem Lenker lädt dagegen zum Cruisen und Reisen ein. Stuart Woods sagt, dass beide Modelle das gleiche Chassis und Fahrwerk, die identischen Federelemente und Reifen haben. Er erklärt: "Den eigenen Charakter kriegen die Maschinen durch die unterschiedliche Sitzposition und die aktivere Ergonomie des Fahrers."

Das ist uns aufgefallen: Zur Präsentation hat Triumph nach Teneriffa eingeladen, die Kanareninsel, die im Wesentlichen aus dem Vulkan Pico del Teide besteht. Der Teide ist im November 1909 zum letzten Mal ausgebrochen und dieser Tage eine Touristenattraktion. Die Besucher fahren bis hoch zum Kraterrand; wohl wissend, dass unter ihnen eine unbändige Kraft schlummert.

Das passt zur Rocket 3: Auf dem Weg hoch zum Teide, auf dem kurvigen Kurs mit engen Turns und schnellen Geraden durch die Lavafelder, wird deutlich, dass die neue Rocket 3 eine erstaunlich agile Fahrmaschine und auch ein in sich ruhender Vulkan ist.

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Ein Grund: Im Vergleich zum Vorläufer-Modell bringt die Rocket 3 mit dem Gewicht von 315 kg jetzt rund 40 kg weniger auf die Waage. Außerdem: Der Motor mit den drei Zylindern in Reihe haut jetzt 167 PS raus. Doch was das Aggregat - und das Fahren mit der Rocket 3 - einzigartig macht, ist das Drehmoment. Die unfassbare Kraft liegt schon ab 2200 Umdrehungen an und erstreckt sich wie ein Plateau gleichmäßig bis 5500 U/min.

Der Zug am elektronischen Ride-by-Wire-Gasgriff ist deshalb auch wie eine Eruption. Hartes Beschleunigen aus der Kurve, hartes Anbremsen vor der Spitzkehre: Besonders die R-Ausführung, die mit der aufrechteren Sitzhaltung und flachen Stange mehr Bewegungsspielraum im Sattel bietet, lässt sich trotz des langen Radstands und der fetten Reifen so neutral und sportlich fahren wie ein Sportbike: Nirgendwo sonst gibt es derartig viel Power vergleichbar sanft serviert. Einzig die begrenzte Schräglage setzt dem Spaß ein Ende; das Kratzen der Fußrasten am Asphalt beginnt bei beiden Fahrzeugen ziemlich früh.

Triumph liefert die Rocket mit einem umfassenden Sicherheits- und Elektronikpaket aus. Der Pilot kann auf vier Fahrmodi (Rain, Road, Sport und Rider), Kurven-ABS, Traktionskontrolle und eine Brembo-Bremsanlage vertrauen: Die vordere Bremse ist dabei bei beiden Rockets mit der hinteren verbunden. Das ist - in mechanischer Form - nicht neu, doch Triumph regelt beim Einsatz der Handbremse die Bremskraft hinten durch eine komplexe Elektronik, die u.a. Geschwindigkeit, Verzögerung, Schräglage und Beladung in Rechnung stellt. Stuart Woods sagt dazu: "Unser Anspruch ist, dass der Fahrer davon nichts merkt." Es klappt hervorragend.

Das muss man wissen: Günstig ist das Fahrvergnügen nicht. Auf dem Papier schluckt der Dreizylinder rund 6,8 l/100 km, bei aggressiverer Fahrweise fließen auch gerne bis zu 7,5 Liter durch. Das sind Mengen, mit denen man auch einen PKW bewegen könnte. Und auch die Anschaffung schlägt mächtig zu Buche: Die Rocket 3 R kostet in Deutschland 21.950 Euro, die GT 22.750 Euro; beide Versionen (die R in Rot oder Schwarz, die GT in Schwarz oder Silber/Grau) sollen noch im Dezember beim Händler stehen.

Für diesen Preis bietet Triumph allerdings ein umfangreiches Paket: Serienmäßig bestückt sind die Rocket 3 z.B. mit Tempomat, mit einer Berganfahrhilfe und dem Farb-TFT-Display. Das digitale Cockpit ist mit dem Smartphone verbunden; optional gibt es eine Pfeilnavigation, basierend auf Google Maps, über eine kostenlose App, sowie erstmals auch eine GoPro-Kamera-Steuerung über den Triumph Joystick am Lenker.

Wem die Standard-Ausführung der R und GT (mit zusätzlichem Windschutz, Heizgriffen und Rückenlehne) noch nicht genug ist, der kann sich im umfangreichen Zubehör bedienen.

Das werden wir nicht vergessen: Klar, die erste Ausfahrt auf dem stärksten Serienmotorrad der Welt wird einem immer präsent sein. Genauso bleibt in Erinnerung die angenehme Überraschung, dass 221 Nm nicht zwangsläufig ein Münchhausen-Ritt auf der Kanonenkugel bedeuten müssen. Richtig beeindruckend ist allerdings, wie sich die Verarbeitung - auch "Packaging" genannt - seit der ersten Rocket von 2004 entwickelt hat. Bei Triumph wirkt nichts mehr angeschraubt; kein Seilzug hängt mehr lose rum. Die Elektrik ist komplett unsichtbar; selbst die Kabel am Lenker sind ins Rohr verschwunden.

Hersteller:Triumph
Typ:Rocket 3 R
Karosserie:Motorrad
Motor:Reihendreizylinder
Getriebe:Sechsgang
Antrieb:Heck
Hubraum:2.458 ccm
Leistung PS:167 PS
Leistung kW:123 kW
Drehmoment:221 Nm
Höchstgeschw.:221 km/h
Gewicht:315 kg
Preis:21.950 €
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