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Günstige Oldtimer: Volvo 200

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Günstige Oldtimer - Volvo 200 Mindestens haltbar bis: ewig

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: Der Volvo 200, ein gemütlicher und unverwüstlicher Schweden-Panzer.
Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Großvaters abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Allgemeines zum Modell

Das Design wie ein Ziegelstein, dazu schier unverwüstliche Technik: Wohl kein Fahrzeug steht so für Volvo wie die Baureihe 240. 1974 kam der kantige Hobel aus Schweden auf den Markt, die Karosserie wie mit dem Lineal gezeichnet. Maßstäbe setzte der 240er bei der passiven Sicherheit, er verfügt über Seitenaufprallschutz und ist extrem Verwindungssteif. Die Knautschzonen aber konstruieren die Ingenieure weich, dazu kommen an Pralldämpfern aufgehängte Stoßstangen.

Nicht von ungefähr sucht sich die amerikanische Sicherheitsbehörde NHTSA den 240 als Referenzbaureihe für ein Forschungsprojekt aus. "Bei einem Verkehrsunfall sah ich einmal eine Straßenbahn von hinten in einen Volvo 240 krachen", berichtet Michael Thuns, Volvo-240-Liebhaber aus dem westfälischen Soest. "Das Heck war komplett eingedrückt. Doch die Fahrgastzelle blieb intakt, alle vier Türen ließen sich öffnen."

Viel Platz bietet schon die zwei- oder viertürige Limousine 242 oder 244 (für 200er-Serie mit vier Zylindern und zwei bzw. vier Türen). In Deutschland entscheiden sich die meisten Volvo-Kunden jedoch für den riesigen Kombi 245. Mit über einem Kubikmeter Laderaumvolumen ist der 245 seinerzeit einer der größten Kombis auf dem Markt und bei Handwerkern und Familien gleichermaßen beliebt.

Bei den Motoren gilt der Standardantrieb mit 2,3 Litern zugleich als der beste: Der Vierzylinder bietet ausreichende 113 PS, mit denen man nicht zum Verkehrshindernis wird. Der Verbrauch ist mit zehn Litern moderat. Weil er als sogenannter Freiläufer konzipert ist, bei dem die Ventile nur einen vergleichsweise geringen Hub haben, geht sogar ein Zahnriemenriss ohne den sonst üblichen kapitalen Motorschaden aus. Weniger solide ist der Sechszylinder: Dem höher positionierten 264/265 wird der sogenannte Euro-V6 eingepflanzt. Der 2,7-Liter-Motor ist ein Gemeinschaftsprojekt von Volvo, Renault und Peugeot. Der V6 bietet zwar 125- Vergaser- bzw. 140-Einspritzer-PS, säuft aber wie ein Loch: Selbst bei moderater Fahrweise fließen 15 bis 16 Liter durch die Benzinleitungen.

Auch von dem zugekauften Reihensechszylinder-Diesel aus dem VW-Konzern rät 240er-Experte Michael Thuns ab. Die 82 PS starken 2,4-Liter-Aggregate hielten oft nicht mal 150.000 Kilometer durch, vor allem Kurzstreckenbetrieb mögen sie gar nicht. 1976 reichte Volvo noch die Coupé-Version 262 C nach. Die wird bei Bertone in Italien gefertigt und bestach durch ihr elegantes Design mit Vinyldach und üppiger Ausstattung.

Die 240er-Standardmodelle laufen im Vergleich zum Vorzeige-Coupé regelrecht nackt vom Band. In der Basisversion gibt es Stoffsitze und Kurbelfenster, schon das Radio kostet Aufpreis. Sondermodelle wie Polar oder Super Polar bieten mehr Extras, etwa elektrische Fensterheber, Scheinwerferreinigungsanlage oder Schiebedach. Auch Ledersitze oder Klimaanlage sind erhältlich, zum Ende der Bauzeit sogar ABS und Airbags. Geschaltet wird klassisch mit der Hand, gegen Aufpreis gibt es eine Dreistufenautomatik. Erst 1993 geht der Volvo 240 nach fast 20 Jahren Bauzeit in Rente.

Warum ausgerechnet der?

So gemütlich wie im Volvo 240 ist es sonst nur zu Hause im Wohnzimmer. Auch das schwammige Fahrgefühl erinnert an ein Sofa. "Da müssen mal die Stoßdämpfer gemacht werden", meinte schon so mancher 240er-Fahrer stirnrunzelnd zu seiner Werkstatt. "Nein, müssen sie nicht. Das muss sich so anfühlen", meint Experte Michael Thuns. Die alten Schweden sind eben zum entspannten Cruisen gemacht. Wobei: Eine Turboversion des Volvo 240 machte in den Achtzigern sogar als Touren- und Rallyewagen Furore.

Gemütlich wie auf dem heimischen Sofa: Das Interieur des Volvo 240.

Gemütlich wie auf dem heimischen Sofa: Das Interieur des Volvo 240.

Foto: Volvo

Als zivile Variante ist heute vor allem der Kombi beliebt. "Klappe auf, Sachen rein, Klappe zu", bringt Michael Thuns das einfache Beladungskonzept auf den Punkt. Da muss nichts sortiert werden, der Kombi schluckt auch Kühlschränke oder Waschmaschinen. Mit dritter Sitzbank - sie kann als Zubehörteil nachgerüstet werden - auch die Großfamilie. Ein echter Kombinationswagen eben. Dagegen wirken die modernen, weichgespülten Shooting Brakes und Sports Tourer mit ihren zusammengeschrumpften Ladeluken wie eine Karikatur.

Verfügbarkeit

Wer viel Platz braucht, darf sich freuen: Kombis überwiegen auf dem Markt, vor allem mit Schaltgetriebe. Die wunderbar eckigen Limousinen sind auch noch im Angebot. Sechszylinder-Modelle sind deutlich seltener. Noch schwieriger wird es, ein gut erhaltenes Coupé zu finden.

Ersatzteilversorgung

An gängige Verschleißteile kommt man recht problemlos, entweder über Volvo oder über spezialisierte Händler. Schwieriger sieht es bei Karosseriekomponenten sowie bestimmten Interieurteilen wie Lederbezügen oder Zierleisten aus. Der Bestand an Neuware ist dezimiert, in gebrauchtem Zustand findet sich noch allerhand.

Ersatzteilpreise (beispielhaft)

  • Satz Bremsen (Scheiben und Klötze) vorn: ca. 70 Euro

  • Zahnriemen mit Einbau: ca. 150 Euro

  • Kotflügel gebraucht: ca. 120 Euro

  • Dritte Sitzbank zum Nachrüsten: ca. 250 Euro

Schwachstellen

Die Bleche sind zwar hochwertig, aber nicht sonderlich gut gegen Korrosion geschützt. Rostgefährdet sind insbesondere Radläufe, Schweller, Heckschürze und Unterboden. Der robuste 2,3-Liter-Motor kann im Prinzip nur mutwillig zerstört werden, etwa indem man ohne Öl fährt. Am besten kombiniert man ihn mit einem Schaltgetriebe, die Automatik gilt als nicht so haltbar und verbraucht mehr. Für Italien gab es noch eine 2,0-Liter-Version, viele dieser gut ausgestatteten Polar-Modelle wurden nach Deutschland importiert, aber Vorsicht beim Zahnriemen: Dieser Zweiliter-Motor ist kein Freiläufer.

Preis

Ab etwa 2000 Euro findet man durchgereichte, aber fahrbereite Volvo 240er, manche sogar mit gültiger HU-Plakette. Gepflegte Exemplare mit nachvollziehbarer Historie gibt es schon für 5000 Euro. Selbst Liebhaberstücke kosten selten mehr als 10.000 Euro. Lediglich die Coupés erreichen höhere fünfstellige Beträge.

Anlaufstellen im Internet

www.240er.de 

www.alter-schwede.de 

www.skandix.de 

www.polar-parts.de 

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Lancia