Günstige Oldtimer: VW Corrado Spoileralarm

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem – es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der VW Corrado, bulliger Volks-Porsche mit Gaga-Gimmick am Heck.
Foto: Volkswagen
Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Großvaters abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Allgemeines zum Modell:

Ende der Achtzigerjahre kamen fesche Sportcoupés auf den Markt: Auf den Manta folgte bei Opel der modernere Calibra, Ford schickte den Probe ins Rennen. Bei Volkswagen war 1988 eigentlich Zeit für den Scirocco III, doch stattdessen kam der Corrado. Der 2+2-Sitzer war ein komplett neues Auto auf Basis des Golf II. Die neuen Technologien des Corrado waren beeindruckend, allen voran der Heckspoiler, der bei 120 km/h selbst ausfährt, um die Aerodynamik zu verbessern.

Innen Golf, außen Sportwagen – mit diesem Konzept feierte VW ab 1974 mit dem Scirocco Erfolge. Ein bezahlbarer Flitzer mit Großserientechnik fürs Volk kam gut an. Der Corrado sollte den Scirocco II (ab 1981) eigentlich ablösen, wurde wegen seiner Qualitäten dann aber eine Klasse höher angesiedelt und die ersten Jahre parallel angeboten. Innenraum und Platzangebot waren größer, dazu kam eine damals üppige Serienausstattung mit ABS, Servolenkung, Wärmeschutzverglasung, Nebelscheinwerfern und höhenverstellbaren Sportsitzen.

Highlight war aber der neue Motor im Corrado. Der hieß G60 und war bei Markteinführung die einzig verfügbare Maschine. Das G steht für G-Lader, der die angesaugte Luft im Motorraum – ähnlich wie ein Kompressor – verdichtet. An dem Konzept hatten die VW-Ingenieure lange gebastelt und pflanzten es auch Polo und Passat ein.

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VW Corrado: Voll g-laden

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Beim Corrado ließ sich dank G-Lader deutlich mehr Power aus 1,8 Litern Hubraum kitzeln, für damalige Verhältnisse stramme 160 PS und 225 km/h Spitze. Anders als bei zeitgenössischen Turboladern gibt es beim G60 keine Verzögerung bei der Leistungsentfaltung, wenn man Gas gibt. »Der spricht sofort an. Das Auto geht ab wie die Rakete«, schwärmt Willi Böß aus Nordhessen, der seit 1991 einen VW Corrado G60 fährt – im Sommer wie im Winter.

Für einen Scirocco I bedeutete Ganzjahresbetrieb in der Regel das Todesurteil, denn der von Giorgio Giugiaro gezeichnete Beau rostete wie der Golf 1 im Zeitraffer. Auch beim Scirocco II (1981) blieb Korrosion ein Grundproblem. Vom Corrado findet man dagegen heute noch rostfreie Exemplare. Offenbar profitierte das Sportcoupé vom erheblich verbesserten Korrosionsschutz des Golf II.

Günstig war der Corrado nicht. Als Willi Böß seinen G60 im VW-Autohaus in Schwalmstadt orderte, betrug der Grundpreis 41.096 Mark. Dazu bestellte Böß die Sonderausstattung »Der exklusive Corrado« mit Recaro-Sportsitzen in Teilleder. Im Sommer ist sein »Corri« außerdem auf BBS-Alufelgen mit 195er-Breitreifen unterwegs.

Die Corrado-Basismotorisierung – ein Zweiliter-Sauger mit 115 PS – reichte VW erst 1993 nach. Auch damit sind 200 km/h drin. Schon früher kam der 16V mit 136 PS ins Programm, der dem Golf 3 GTI entnommen wurde. An die Faszination des G60 reichen beide nicht heran. Das gelingt nur dem VR6, den die Wolfsburger 1991 als neues Spitzenmodell einführen. Der Sechszylinder leistet 190 PS – gerade mit Automatikgetriebe ist er der souveräne Gran Turismo.

1995 war Schluss für den Corrado, in acht Jahren sollen knapp 98.000 Exemplare gebaut worden sein. Erst 13 Jahre später erinnerte sich VW an die Sportcoupé-Zeiten und präsentierte einen modernen Nachfolger. Der hieß nun wieder Scirocco.

Warum ausgerechnet der?

Volkswagens neuer Sportwagen wurde unter den Namen Hurrikan und Taifun entwickelt. Doch das klang zu sehr nach Zerstörung, man entschied sich für Corrado (von Spanisch correr: rennen). Ein Volkswagen mit automatisch ausfahrbarem Heckspoiler war vor 30 Jahren eine Sensation, so etwas bot selbst Porsche erst später beim 911 an. Beim Corrado kann man den Flügel aber auch manuell ausfahren, um auf dicke Hose zu machen: »Zum Beispiel vor der Eisdiele oder auf dem Parkplatz vor der Disco«, sagt Liebhaber Willi Böß und lacht.

Apropos Porsche: Mit seinem Corrado G60 habe er beim Ampelrennen schon verdutzte 911er-Fahrer abgehängt, berichtet Böß, der inzwischen auf die 80 Jahre zugeht. Sein Corrado reift mit ihm, über 300.000 Kilometer hat er auf dem Tacho. Von Rost keine Spur, auch an Reparaturen sei bis auf den üblichen Verschleiß nichts Gravierendes angefallen.

»Ich hatte mich zwischenzeitlich einmal für den Audi TT interessiert, aber mein Mechaniker sagt immer: Behalte deinen Corrado!«, so Böß.

Die simple Golf-II-Technik ist schrauberfreundlich, selbst der vermeintlich anfällige G-Lader lässt sich mit Reparaturkits überholen. Das Coupé ist sogar alltagstauglich, auf größere Reisen fuhr Familie Böß schon mit vier Erwachsenen plus Dackel. Der 1,8 Liter genehmigt sich im Normalbetrieb sieben Liter, man kann ihn laut Böß auch unter fünf Liter fahren.

Am meisten Spaß macht der Corrado aber als Sportwagen. Auf Landstraßen hängt das bullige, aber nicht unelegant gezeichnete Coupé super am Gas. »Mit dem G-Lader gibt es kein Turboloch. Dieses Auto ist für mich die wahre Wucht«, schwärmt Willi Böß. Nur in Kurven darf man es nicht übertreiben, dann untersteuert das Wolfsburger Spielkind und will ausbrechen. Böß kennt das und geht dann einen Tick vom Gas, um die Motorbremse einzusetzen. »Dann fährt der Wagen wieder wie auf Schienen.«

Verfügbarkeit:

In den Gebrauchtwagenportalen finden sich Dutzende »Corris«. Die Bandbreite allerdings reicht von der gehätschelten Ersthand-Perle im Originalzustand bis zur Bastelbude – viele Corrado wurden Opfer von Tuningexzessen. G60 gibt es erstaunlich häufig, auf den Zweilitersauger braucht man gar nicht auszuweichen. Auch VR6 finden sich noch. Am schwierigsten ist es, ein gutes unverbasteltes Modell zu finden.

Ersatzteilversorgung:

Volkswagen Classic Parts hat zwischenzeitlich nicht mehr lieferbare Teile wieder ins Programm genommen, mitunter zu saftigen Preisen. Kein Problem sind Verschleißteile wie Bremsen, Benzinpumpe oder Wärmetauscher. Auch Türen und andere Karosseriekomponenten sind noch zu haben. Problematisch wird es, wenn Zierrat oder bestimmte Interieurteile erneuert werden müssen.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Satz Bremsen vorn (Beläge und Scheiben): circa 150 Euro

  • Klimakompressor: ab 370,00 Euro

  • Kraftstoffpumpe für 16V-Modell: 195,00 Euro

  • Kotflügel neu: 494,00 Euro

Schwachstellen:

Trotz guten Korrosionsschutzes kann Rost vorkommen, etwa an Tankeinfüllstutzen, Heckklappe oder Frontscheibenrahmen. Eine VW-Krankheit waren damals kaputte Türgriffe. Für die Reparatur nehmen Werkstätten oft die ganze Verkleidung heraus. Mit einem dreipoligen Stecker kann man aber den defekten Kontakt überbrücken. Ein nerviges Thema beim Corrado ist das Schiebedach, bei Willi Böß' Wagen schaffte es selbst die VW-Vertragswerkstatt nicht, die maladen Seilzüge in Gang zu bringen. Der G-Lader hat einen schlechten Ruf, weil viele G60 verheizt wurden. Es empfiehlt sich sachtes Warmfahren, dann kann die Technik lange halten. Wenn der VR6 laut klappert, schwächelt vermutlich die Führung des Steuerkettenspanners. Vorsicht geboten ist bei getunten, nicht originalen Autos. Tiefer, breiter, schneller – diesem Motto folgten viele Corrado-Fahrer. Dabei hat das flotte Sportcoupé derartiges Pimpen gar nicht nötig.

Preis:

Fahrbereite Bruch- und Bastelbuden gibt es ab 2000 Euro. Autos mit dem Attribut »Originalzustand« werden für 4500 Euro angeboten, hier sollte man genau hinsehen. Gute G60 und VR6 liegen inzwischen im fünfstelligen Bereich, ein Erste-Hand-Juwel kann auch über 20.000 Euro kosten.

Anlaufstellen im Internet:

https://www.corrado-club-germany.de/ 

https://www.corradoclub.de/ 

https://www.volkswagen-classic-parts.de/ 

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Lancia