VW Golf Cabrio I Auto mit Tragegriff

Mit dem ersten VW Golf Cabrio hatte die Generation Golf ihr Glück gefunden. "Erdbeerkörbchen" wurde das Auto wegen des großen Überrollbügels genannt. Ehe der Nachfolger ohne den wenig eleganten Schutz auf die Straßen kommt, waren wir noch mal mit dem Klassiker auf Tour.

Tom Grünweg

Deutschland im Frühjahr 1979: Oskar Matzerath schlägt sich mit der Blechtrommel ins kollektive Gedächtnis, der Walkman ist startet seinen Siegeszug und auf dem Autosalon in Genf enthüllt VW ein Modell, das die Generation Golf in Sommerlaune versetzt: Es ist das Golf Cabriolet, im Prinzip der Nachfolger des offenen Käfer. Ein Unterschied zwischen beiden Autos sticht besonders hervor. Entgegen den ersten Entwürfen des Entwicklungspartners Karmann entscheidet sich nämlich VW mit Blick auf Sicherheit und Verwindungssteifheit der Karosserie für einen massiven Überrollbügel, der sich wie ein riesiger Tragegriff über den Innenraum wölbt.

Für Cabrio-Puristen ist der stählerne Bogen ein Sakrileg. Doch andere offene Autos wie der Peugeot 205 oder der Ford Escort adaptieren dieses Bauteil, es gehört in den achtziger Jahren fast schon dazu zu einem Cabriolet. Dem VW Golf, der vorzugsweise mit roter Lackfarbe bestellt wird, bringt der Bügel den Spitznamen "Erdbeerkörbchen" ein; das war zunächst spöttisch gemeint, ist heute aber eher ein Kosewort für den offenen Klassiker.

VW bewarb den Wagen damals als "luftgekühlten Golf", und mit einem Grundpreis von 17.390 Mark war das Auto ein vergleichsweise billiges Cabrioangebot. Ein großer Vorteil gegenüber schnittigeren Modellen waren die vier vollwertigen Sitze. Der Kofferraum fasste 220 Liter, war allerdings nur durch eine kleine Klappe zu erreichen - mit der Bierkiste für die Strandparty wurde es da schon eng.

Während bei den meisten modernen Cabriolets ein Knopfdruck genügt, um das Verdeck zu öffnen, war beim Golf I noch Handarbeit gefragt. Zunächst mussten die Spriegel über den Türen geöffnet werden, sodann galt es, das Verdeck hinter die Rückbank zu falten, und am Schluss musste die Persenning über das dicke Dachpaket gestülpt und hinter der Rücksitzlehne verankert werden. Mal eben kurz die Sonne ins Auto lassen bedeutete also fünf Minuten Fummelei.

Man sitzt im alten Golf Cabrio wie in einer Badewanne

Dafür war der Platz im Auto unter freiem Himmel dann ausgesprochen kommod und geräumig. Heute wundert man sich zwar über die Sitzhöhe, wenn man - ähnlich wie Loriots Figur Müller-Lüdenscheidt aus der Badewanne - über die Karosseriebrüstung ragt. Doch das wirkt nur im ersten Moment komisch, und je länger die Fahrt dauert, desto angenehmer wird die aufrechte Sitzposition. Sommerfrische ist ein passendes Wort für das erste Golf Cabrio. Obwohl sich nur die vorderen Seitenscheiben voll versenken lassen und im Fond ein großes gläsernes Dreieck stehen bleibt, fegt der Fahrtwind schon wenig über 50 km/h kurz hinter dem Ortsschild ordentlich durchs Auto. Eine offene Fahrt über die Autobahn erfordert einen radikalen Kurzhaarschnitt oder eine fest sitzende Kopfbedeckung.

Das Auto für unsere Erinnerungsfahrt in die achtziger Jahre war ein Golf Cabrio aus dem Baujahr 1986 mit einem 1,6 Liter großen Vierzylinder-Benziner mit einer Leistung von 75 PS. Das klingt bescheiden, doch weil das Auto lediglich 970 Kilogramm wiegt und man den lang übersetzten E-Gang des Fünfgang-Getriebes getrost ignorieren kann, fühlt sich der Wagen durchaus flott an. Der Eindruck ist sportlich, obwohl Werte wie 15,7 Sekunden für den Spurt von 0 auf Tempo 100 oder 149 km/h Höchstgeschwindigkeit eher nach Geduldsprobe klingen.

Endloser Sommer - VW und die kompakten Cabrio-Modelle

VW baute das Erdbeerkörbchen vom Typ A1C bis April 1993 und kam so auf eine Produktion von 388.522 Fahrzeugen. Bereits am 24. Juni 1991 lief Fahrzeug Nummer 331.848 vom Band und löste damit den VW Käfer als meistproduziertes Cabrio der Welt ab. Die zweite Auflage des Cabrios wurde bis 2002 erneut mehr als 300.000 mal gebaut. Danach versuchte VW, die Kunden mit dem offenen New Beetle und später mit dem Eos bei Sommerlaune zu halten. Jetzt wurde die Geschichte des offenen Golf fortgesetzt, denn auf dem Genfer Salon enthüllte VW das Golf Cabrio Nummer 3.

"Auf dem Gebrauchtwagenmarkt beginnt in diesen Wochen schon wieder die Erdbeersaison", sagt der Jörn Schwieger von der "1. Original Golf 1-Interessengemeinschaft". Nach seiner Beobachtung ziehen die Preise für den Klassiker allmählich wieder an. "Billiger werden die Autos nicht mehr." Trotzdem ist ein Golf Cabrio noch ein vergleichsweise günstiges Vergnügen. " Autos in ordentlichem Zustand und mit maximal 200.000 Kilometern Laufleistung sind für etwa 2000 bis 3000 Euro zu haben", sagt Schwieger, "und Exemplare zum Ausschlachten gibt's für wenige hundert Euro." Die Ersatzteilversorgung sei gesichert. "Alle Karosserieteile sind in Originalqualität erhältlich, und ein neues Verdeck kostet ohne Montage höchstens 500 Euro." Während Youngtimer-Fans sonst oft monatelang nach dem richtigem Auto suchen müssen, sei die Auswahl beim Erdbeerkörbchen noch ziemlich groß. Schwieger: "Bei einem Fahrzeugbestand von rund 35.000 Autos hat man das richtige Auto in der Regel schnell gefunden."

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
kenonu 03.03.2011
1. Verbrauch
was verbraucht denn der Golf Cabrio 1?
sgift 03.03.2011
2. Verbrauch
Zitat von kenonuwas verbraucht denn der Golf Cabrio 1?
http://www.spritmonitor.de/de/uebersicht/50-Volkswagen/452-Golf.html?fueltype=2&vehicletype=1&exactmodel=Golf%201%20Cabrio&powerunit=2 Irgendwas um die 7 Liter, wenn man Spritmonitor vertrauen darf (Benzin).
andy69 03.03.2011
3. geht eigentlich
Zitat von kenonuwas verbraucht denn der Golf Cabrio 1?
Ich fuhr meinen mit dem 75 PS Motor damals mit ca. 8,5 l Normalbenzin, also durchaus im Rahmen für ein Auto BJ 1984 mit 195er Reifen und einem gelegentlich übermütigen 20jährigen Fahrer.
Nightfly_S 03.03.2011
4. Verbrauch
Ich hatte mal einen Ier Jetta, der ist baugleich mit diesem Golf I Cabrio, abgesehen vom Kofferraum und Cabriodach natürlich. Er hat bei 1,6 ltr Hubraum und 70 PS (bei 860kg Gewicht völlig ausreichend) 6,8 - 9,5l verbraucht auf 100km. Im Schnitt ca. 8l.
gordo_f 03.03.2011
5. ehr einer mehr...
Zitat von sgifthttp://www.spritmonitor.de/de/uebersicht/50-Volkswagen/452-Golf.html?fueltype=2&vehicletype=1&exactmodel=Golf%201%20Cabrio&powerunit=2 Irgendwas um die 7 Liter, wenn man Spritmonitor vertrauen darf (Benzin).
Naja, der Durchschnitt liegt ja ehr so um die 8 Liter.
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