Fahrrad-Boom in Mailand Freie Fahrt dank Pandemie

In der Coronakrise steigen immer mehr Menschen aufs Rad. Viele Städte haben mit Pop-up-Fahrradwegen reagiert - und wollen auch langfristig fahrradfreundlicher werden.
Von Tim van Olphen und Gianmarco Maraviglia (Fotos)
In Mailand sollen viele Straßen auch nach der Pandemie autofrei bleiben

In Mailand sollen viele Straßen auch nach der Pandemie autofrei bleiben

Foto: Gianmarco Maraviglia
Globale Gesellschaft

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Ausgangssperren, Lockdowns, geschlossene Geschäfte, Homeoffice, Schulschließungen: Monatelang waren Städte in ganz Europa wie leer gefegt. Zwar sind die Wege, Straßen und Bahnen in den Innenstädten wieder weitaus gefüllter, doch die Fortbewegung könnte auch nach der Corona-Pandemie dauerhaft eine andere bleiben - und Fahrräder zählen zu den Gewinnern der Krise.

Einer Umfrage der Deutschen Krankenversicherung (DKV) zufolge sind 22 Prozent der Menschen in Deutschland in der Krise mehr mit dem Rad gefahren. Rund ein Viertel der Befragten legen nun Strecken mit dem Fahrrad zurück, für die sie vorher Auto, Bus oder Bahn genutzt haben. Fahrradläden konnten die Nachfrage kaum bedienen und verzeichneten Rekordumsätze. Und rund ein Drittel der Befragten einer Forsa-Umfrage können sich zudem vorstellen, auch in naher Zukunft häufiger das Rad zu benutzen.

Viele Menschen fahren nun lieber mit dem Rad, als sich in volle Bahnen zu setzen

Viele Menschen fahren nun lieber mit dem Rad, als sich in volle Bahnen zu setzen

Foto: Gianmarco Maraviglia

Viele Städte haben kurzfristig auf den Fahrrad-Boom reagiert: Während der Coronakrise sind europaweit sogenannte Pop-up-Radwege entstanden, die die Autos von den Straßen verdrängten und Fahrradfahrern mehr Platz einräumten. In Berlin wird gerade um die Zukunft der neuen Fahrradstreifen vor Gericht gestritten, doch viele Städte wollen dauerhaft fahrradfreundlicher werden.

In Paris beispielsweise sollen die eingerichteten Pop-up-Radwege bestehen bleiben. Bürgermeisterin Anne Hidalgo erklärte erst kürzlich, dass die Stadt rund 50 Kilometer Straße in Fahrradwege verwandeln will. Rom plant sogar 150 Kilometer Radstreifen zu erschaffen und die italienische Metropole Mailand kündigte an, insgesamt 35 Kilometer Straßen in Fahrradwege umzuwidmen. Zudem soll im ganzen Stadtgebiet bald Tempo 30 gelten.

Die italienische Regierung fördert den Hype auch mit einer 500-Euro-Kaufprämie für ein neues Fahrrad. Manchen Geschäften dort gehen die Räder aus, teilweise müssen Kunden bis zu drei Monate auf ein neues Rad warten.

Der Fotograf Gianmarco Maraviglia hat den Fahrrad-Boom in Mailand mit der Kamera dokumentiert. "Mailand stand bereits am Rande einer sehr großen Veränderung, der Lockdown hat diesen Prozess beschleunigt", sagt Maraviglia über die neue Mobilität in der Stadt. Zudem sei Mailand sehr flach und man könne jedes Ziel innerhalb von zwanzig Minuten erreichen. Maraviglia ist selbst überzeugter "Ciclista" und bewegt sich am liebsten mit dem Fahrrad durch die Stadt.

Sehen Sie in der Fotostrecke, wie die neue Mobilität in Mailand aussieht:

Fotostrecke

Mit dem Fahrrad durch die Metropole

Foto: Gianmarco Maraviglia

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

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